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Augsburg

26.10.2013

Lech: Energiekonzern Eon bereit zu Gesprächen

Das geplante Kraftwerk im Stadtwald sorgt weiter für heftige Kontroversen. Aber es kommt auch ein Dialog in Gang

Wie soll der Lech nach einem groß angelegten Umbau aussehen? Über diese Frage ist schon viel gestritten worden. Besonders zwischen Naturschützern und dem Energiekonzern Eon sind die Fronten verhärtet. Eon will im Naturschutzgebiet Augsburger Stadtwald genau an der Renaturierungsstrecke des Lechs ein Wasserkraftwerk bauen. Im laufenden Flussdialog zieht das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth nun eine erste positive Bilanz: Ein Gespräch über die Ziele des Umbaus sei in Gang gekommen, sagt Amtsleiter Ralph Neumeier, und das trotz teilweise gegensätzlicher Interessenslagen. „Der Flussdialog ist richtig“, sagt er. Der Flussdialog zum Projekt „Licca liber“ (der freie Lech) ist der Erste seiner Art in Bayern. Das Beteiligungsverfahren des Freistaates ist den eigentlichen Planungen vorgeschaltet. Fachleute, Interessenvertreter und Bürger können dort ausführlich ihre Meinung sagen. Die erste Runde mit fünf Experten-Workshops ist nach vier Monaten geschafft.

Wasserkraft Erwartungsgemäß seien die Kontroversen zum Thema Wasserkraft am heftigsten und emotionalsten gewesen, sagt Neumeier. Er nennt aber auch ein wichtiges Ergebnis aus seiner Sicht: „Eon ist gesprächsbereit.“ Bei den Naturschützern der Lechallianz hat das Wasserwirtschaftsamt Vertrauen gewonnen. „Wir wurden fair und als gleichrangige Partner behandelt“, sagen die Sprecher Günther Groß und Eberhard Pfeuffer.

Am Lech gibt es ähnliche Probleme wie früher an der Wertach: Weil sich der Fluss immer tiefer in sein Bett eingräbt, muss die Sohle stabilisiert werden. Auch eine naturnahe Gestaltung des Flusslaufs ist, soweit möglich, vorgesehen. Eines der großen Ziele des Umbaus ist, dass der Lech wieder dynamischer fließen und wieder mehr Kies (im Fachjargon: Geschiebe) transportieren kann. Nur so können die Lebensräume für gefährdete Tiere und Pflanzen verbessert werden.

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Dafür braucht das Wasserwirtschaftsamt aber die Mitwirkung von Eon. Die Kraftwerke am Oberlauf des Flusses müssten zeitweise höhere Wassermengen zur Verfügung stellen. Der Energiekonzern habe nun eine Prüfung zugesagt, ob das an bestimmten Tagen möglich sei.

Auch in der Kontroverse um das geplante Kraftwerk am Lech im Stadtwald sieht der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Fortschritte. Die entscheidende Aussage von Eon sei gewesen, dass der Konzern erst abwarten wolle, wie sich das Licca-liber-Konzept entwickelt. Danach wolle Eon prüfen, welche Möglichkeiten für den Bau eines neuen Kraftwerks bleiben. Im Workshop wurden unterschiedliche Typen moderner Kraftwerke vorgestellt. Durch diese werden Fische weniger geschädigt, hieß es. Der Fluss könne ohne hohe Stauschwellen durchgängiger gestaltet werden. Allerdings kommt nach Einschätzung von Experten weniger Strom heraus als bei der konventionellen Anlage, die Eon bislang im Stadtwald bauen will.

Die Naturschützer der Lechallianz wehren sich weiter vehement dagegen, ein neues Kraftwerk an dieser ökologisch sensiblen Stelle zu bauen. „Die modernen Turbinen sind noch in der Erprobung und Naturschutzgebiete sind kein Experimentierfeld“, sagt Pfeuffer.

Naherholung Auch sie war ein Thema der Workshops. Die Experten schlagen vor, den Lech vom Hochablass in die Stadt hinein sichtbarer und besser zugänglich zu machen. Beim Abschnitt im Stadtwald solle dagegen die Natur im Vordergrund stehen.

Trinkwasser Neumeier sieht Gesprächsbereitschaft bei den Stadtwerken, im Einzelfall eine Verlegung von Brunnen zu prüfen, falls das beim Lechumbau nötig wird. Dies sei aber kostspielig. Standorte seien nicht leicht zu finden.

Beim Flussdialog geht es nun mit einer großen Online-Befragung von Bürgern weiter. Sie startet voraussichtlich Mitte Januar 2014.

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