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Augsburg

17.01.2018

Ledvance-Chef: Schließung des Standorts Augsburg ist unvermeidbar

Rüdiger Tibbe ist ein Experte für Unternehmen, die Krisen überwinden wollen. Bei Ledvance will der Restrukturierungs-Experte hart durchgreifen. Das Augsburger Werk soll schließen.
Bild: Ledvance

Rüdiger Tibbe wurde geholt, um dem angeschlagenen Lampenbauer aus der Krise zu helfen. In seinem ersten Interview in neuer Funktion nennt er einen Termin für die Schließung.

Der chinesischen Investoren gehörende Lampenhersteller Ledvance steckt in der Krise. Deutschlandweit sollen rund 1300 Arbeitsplätze abgebaut werden, drunter etwa 700 in Augsburg. Dem Standort droht die Schließung.

Herr Tibbe, Sie wurden zur Sanierung des Unternehmens auf Zeit geholt. Was qualifiziert Sie für den Job?

Rüdiger Tibbe: Ledvance unterstütze ich seit Oktober 2017 in der Umsetzung des Transformations-Prozesses. Zusammen mit einem Team habe ich in 22 Jahren und in mehr als 100 Projekten zahlreiche Unternehmen bei der Umsetzung von Veränderungsprojekten beraten. Der Fokus meiner Arbeit lag vor allem auf Firmen aus dem produzierenden Gewerbe.

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Wie ernst steht es um Ledvance?

Tibbe: Ich sehe für Ledvance ein großes Potenzial, auch zukünftig eine bedeutende Rolle im Licht-Markt zu spielen. Klar ist aus Sicht der Geschäftsführung aber auch, dass wir schnell tiefe Einschnitte insbesondere bei unseren Fertigungskapazitäten für traditionelle Produkte wie Halogen- und Leuchtstofflampen vornehmen müssen.

Weshalb?

Tibbe: Weil deren Nachfrage schon seit Jahren stark rückläufig ist und im abgelaufenen Jahr noch stärker als prognostiziert eingebrochen ist. Für die meisten klassischen Lampen gibt es sehr gute LED-Alternativen, die nur unwesentlich teurer sind, aber viel länger halten. Hinzu kommen Gesetzesinitiativen, durch die nach der Glühlampe auch Halogen- und Leuchtstofflampen verboten werden. Unsere Standorte in Deutschland sind ganz überwiegend auf die Fertigung traditioneller Lampen ausgerichtet und massiv von den Entwicklungen betroffen.

Was bedeutet das für Augsburg?

Tibbe: Das Werk Augsburg schreibt wie Berlin bereits jetzt rote Zahlen. Das wiederum wirkt sich negativ auf die Profitabilität von Ledvance insgesamt aus und bedroht unsere Wettbewerbsfähigkeit. Dem müssen wir schnell entgegensteuern.

Muss der Standort Augsburg wirklich geschlossen werden?

Tibbe: In Augsburg werden vor allem die T8-Leuchtstofflampen hergestellt, die rund 75 Prozent der Produktion des Lampenwerkes ausmachen. Mit seinen rund 700 Mitarbeitern ist Augsburg der größte und auch personalkostenintensivste europäische Standort von Ledvance. Die Fertigungsanlagen im dortigen Werk sind nur zu gut 30 Prozent ausgelastet, das Glaswerk nur zu gut 20 Prozent. Im laufenden Geschäftsjahr wird das Werk Augsburg bei hohen zweistelligen Millionen-Euro-Umsätzen einen Verlust im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich ausweisen. Dies ist ökonomisch nicht tragfähig, da es sich direkt auf die Gesamtprofitabilität des Unternehmens auswirkt.

Bleiben Sie dabei, das Werk dichtzumachen? Gibt es keine Hoffnung?

Tibbe: Aktuell ist geplant, das Augsburger Werk bis Dezember 2018 zu schließen.

Gibt es wirklich keine Alternative zur Schließung? Was ist das für ein Gefühl, insgesamt in Deutschland rund 1300 Stellen bei Ledvance abzubauen?

Tibbe: Wir sind uns der Tragweite der Entscheidungen sehr bewusst und haben uns diese nicht leicht gemacht. Deshalb wollen wir mit den Arbeitnehmervertretern die bestmöglichen Lösungen für unsere Mitarbeiter finden. Trotzdem müssen wir handeln. Bevor die Geschäftsführung den einheitlichen Entschluss gefasst hat, dass sich die Schließung des Standorts Augsburg nicht vermeiden lässt, haben wir uns mit zahlreichen Alternativen intensiv auseinandergesetzt.

Welche Alternativen sind das?

Tibbe: Wir haben etwa geprüft, ob sich durch die Rückführung von Fertigung aus dem Ausland und die Umrüstung oder Neueinführung von LED-Fertigungslinien ausreichend Jobs erhalten lassen, um eine Schließung abzuwenden. Leider ist das nicht der Fall. Die Fertigung von LED-Produkten ist im Wesentlichen eine Endmontage von Fertigkomponenten. Hierfür wird viel weniger Personal benötigt als bei den klassischen Lampen. Insofern lassen sich durch solche Maßnahmen bei weitem nicht genügend Arbeitsplätze sichern, um all unsere bestehenden Standorte halten zu können.

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20 Bilder
Protestkundgebung bei Ledvance
Bild: Michael Hochgemuth

Mitarbeiter in Augsburg haben aber gute Alternativkonzepte erarbeitet. Warum werden sie nicht umgesetzt?

Tibbe: Wir haben alle bis dato von Werksseite eingebrachten Alternativkonzepte geprüft und teilweise probehalber auch umgesetzt. Leider hat sich dabei herausgestellt, dass diese Konzepte nicht wirtschaftlich sind. Im Werk Augsburg haben wir beispielsweise signifikant investiert, um eine LED-Röhren-Produktionslinie in Betrieb zu nehmen. Bei maximaler Auslastung können jedoch nur rund 30 Leute an dieser Fertigungslinie beschäftigt werden. Selbst ein Ausbau bei den Fertigungslinien würde also nicht einmal annähernd genug Arbeitsplätze sichern, um den Standort zu halten. Ähnliches gilt für die Herstellung von Glasröhren für Solarmodule.

Warum verlagern Sie die Ledvance-Zentrale nicht von Garching nach Augsburg, um den Standort zu retten?

Tibbe: Auch diesen Vorschlag haben wir ernsthaft geprüft. Dabei haben wir nicht nur auf die Kosten geschaut, sondern auch Kriterien wie Standortattraktivität für unsere Mitarbeiter oder den zeitlichen Rahmen der Durchführung in unsere Erwägungen miteinbezogen. Gemessen an all diesen Aspekten ist ein Umzug betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll.

Bei Ledvance geht es drunter und drüber. Warum musste Firmen-Chef Hansen gehen? Ist er gescheitert?

Tibbe: Mit der Bestätigung des globalen Hauptsitzes des Unternehmens in Deutschland wird die Geschäftsführung von Ledvance zunehmend aus der Zentrale in Garching bei München arbeiten. Infolgedessen hat das Unternehmen entschieden, Ex-Ledvance-Chef Hansen, der in den USA, also Wilmington in Massachusetts ansässig war, durch einen dauerhaft in Garching ansässigen Chef zu ersetzen.

Die Mitarbeiter von Ledvance kämpfen weiter gegen eine drohende Werksschließung.
Bild: Silvio Wyszengrad

Wer ist der neue Aufsichtsratschef? Der anerkannte Manager Bernd Minning hat diesen Posten ja niedergelegt.

Tibbe: Der Aufsichtsrat hat mit Tim Yun Chen einen neuen Vorsitzenden gewählt. Chen ist ein erfahrener Manager und versierter Experte in der Licht-Industrie. Dank seiner langjährigen, internationalen Management-Tätigkeit im asiatisch-pazifischen Raum sowie in Europa wird er bei Ledvance die globale wie lokale Perspektive einbringen.

Und wer wird neuer Ledvance-Chef?

Tibbe: Derzeit suchen der Aufsichtsrat und die Gesellschafter einen neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung. Die Entscheidung über die Personalie wird voraussichtlich im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung Ende Januar fallen.

Rüdiger Tibbe, 61, hilft seit Oktober 2017 dem angeschlagenen Lampenhersteller Ledvance, einen Weg aus der Krise zu finden. Der Experte wurde auf Zeit geholt. Dann kommt ein neuer Chef.

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17.01.2018

Als Nichtmitarbeiter von Osram sehe selbst ich, dass die Geschäftsführung nicht richtig auf den Markt reagiert hat und sich die Butter vom Brot hat nehmen lassen. Und dafür müssen jetzt wieder die "wirklich" arbeitenden Mitarbeiter gehen. Die GF sollte hierfür gerade stehen!

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Eva-Maria_Knab.tif
Kommentar

Es geht um Geschäfte

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