Newsticker

Steigende Infektionszahlen: Bundesregierung spricht für ganz Belgien eine Reisewarnung aus

11.03.2009

Liebe und Streit

Sind 46 Nummern bei einem Liederabend eigentlich zumutbar? Üblicherweise sind es etwa halb so viele. Beim "Italienischen Liederbuch" von Hugo Wolf ist das etwas Anderes, denn diese köstlichen Miniaturen auf Texte von Paul Heyse (nach italienischen Vorlagen) sind nicht nur kurzweilig knapp, getreu dem vorangestellten Motto "Auch kleine Dinge können uns entzücken". Sie zeichnen auch eine kleines Beziehungsdrama zwischen "ihr" und "ihm" nach, das von aufkeimender Verliebtheit über Streit und rasenden Zorn zu inniger Versöhnung führt und zuletzt doch in Eifersucht und Trennung endet. So bleibt dank der subtilen Charakteri-sierungskunst des Komponisten die Spannung über den ganzen Liederbogen erhalten.

Mal schwärmerisch, mal komödiantisch

Eine dankbare Aufgabe für ein - auch äußerlich idealtypisches - jugendliches Sängerpaar wie Carolina Ullrich und Benjamin Appl, die zusammen mit dem Pianisten Marcelo Amaral im Rokokosaal der Regierung von Schwaben das Hin und Her der Gefühlslagen in diesem Minidrama in der Körpersprache zwar noch etwas zurückhaltend, stimmlich aber umso nachdrücklicher auskosteten. Benjamin Appl, in der Rolle des schwärmerisch Schmachtenden, ließ seinen schlackenlosen Bariton vor allem in der Mittellage warm strömen ("Nun laß uns Frieden schließen, liebstes Leben"), verriet aber auch komödiantisches Talent ("Geselle, woll'n wir uns in Kutten hüllen").

Wenn der Geliebte ganz klein wird

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Mit ihrem technisch bereits voll ausgereiften Sopran beherrschte Carolina Ullrich alle Ausdrucksnuancen, von mädchenhafter Verliebtheit und schnippische Koketterie ("Ich bin verliebt, doch eben nicht in dich"), über rasenden Zorn ("Verschling' der Abgrund meines Liebsten Hütte") bis hin zu drastischer Komik ("Mein Liebster ist so klein"). Aber wie bei ihrem Partner gab es auch bei der Sopranistin den bewegenden Umschlag von kokettem Spiel zu tiefem Ernst mit innigen Untertönen ("Wir haben beide lange Zeit geschwiegen").

Marcelo Amaral bewältigte seinen titanischen Klavierpart, bei dem sich allerfeinste Seelensprache mit orchestraler Wucht à la Wagner verbindet, mit staunenswerter Kraft, Virtuosität und Einfühlung. Dass in klanglicher Hinsicht der wuchtige Aspekt etwas zu sehr überwog, ist bei der Akustik des Rokokosaals kaum zu vermeiden.

Stürmischer Beifall und eine volksliedhafte Brahms-Zugabe.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren