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Friedensfest

17.06.2014

Lieder aus der alten Heimat

Labelmacher Jochen Kühling bringt für das Auftaktkonzert im Großen Haus Berliner und Augsburger Künstler mit Migrationshintergrund auf der Bühne zusammen

Jochen Kühling ist nicht das erste Mal in Augsburg. Der Berliner Labelmacher ist in den vergangenen Wochen immer wieder von der Spree an den Lech gekommen, weil er hier einen Auftrag hat. Dafür schwingt er sich gern auf ein Fahrrad und fährt in verschiedene Stadtteile. Neben dem einen oder anderen schönen Winkel hat er vor allem interessante Menschen entdeckt. Augsburger Musiker, die ihre Wurzeln in anderen Ländern haben und die doch etwas vereint: Sie werden gemeinsam das diesjährige Friedensfest mit dem Konzert „Heimatlieder aus Deutschland feat. Augsburg“ eröffnen.

Heimat ist das diesjährige Thema des dreiwöchigen Festes. „Heimat ist viel mehr als der idealisierte Kindheitsbegriff. Heimat hat man ein Stück weit selber in der Hand. Die Frage muss sein: Wie können sich Menschen in modernen, vielschichtigen Gesellschaften räumlich, geistig und sozial verorten?“, so Mona Rother vom Projektbüro für Frieden und Interkultur, die gemeinsam mit dem Musiker Girisha Fernando das Programm für das Friedensfest zusammengestellt hat. Sie greifen in ihrer Umschreibung des Begriffs auf den Philosophen Ernst Bloch (1885–1977) zurück, der in seinem Band „Prinzip Hoffnung“ zum Schluss kommt, dass Heimat ein Ort sei, worin noch niemand war – dass man sich die Welt zur Heimat „umbauen“ kann, in einem gemeinschaftlichen Prozess.

Und vor allem auch in Augsburg, der Stadt, in der über 40 Prozent aller Bewohner Migrationshintergrund haben. Für den Auftakt der dreiwöchigen Programmreihe werden Berliner gemeinsam mit den Augsburger Künstlern im Großen Haus auftreten. Das Konzept, das Kühling gemeinsam mit Migrationsforscher Mark Terkessidis entwickelte, feierte bereits in der ausverkauften Komischen Oper in Berlin einen großen Erfolg. „Ursprünglich haben wir Musiker aus Berlin, die aus den ehemaligen Anwerberstaaten der BRD und DDR stammten, eingeladen“, so Kühling. In ihren Augen werde das Thema Migration vielfach in Deutschland zu intellektuell diskutiert.

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Neue musikalische Welten, die bislang nicht beachtet wurden

Worum es Kühling als auch Terkessidis bei diesem Projekt geht, ist die Emotion. In Berlin haben sie sich auf die Suche gemacht nach dem Potenzial, das sich oft unentdeckt und unerkannt in der Nachbarschaft befindet, nach neuen musikalischen Welten, die vor Jahrzehnten von Einwanderern in ihre neue Heimat gebracht wurden und keine Beachtung fanden. Bislang.

In Augsburg ist Jochen Kühling gemeinsam mit Mona Rother und Girisha Fernando ebenfalls auf viel Potenzial gestoßen. Teilweise kannten sie die Musiker aus früheren Projekten, teilweise haben sie sie in kleinen Castings entdeckt. So werden am Freitag, 18. Juli, neben marokkanischen, dalmatinischen, kubanischen und portugiesischen Künstlern aus Berlin das Augsburger Ensemble Orfei (bulgarische Volksmusik), Grup Mesk (alevitische Volksmusik), kamerunische Bamileke vom Njamy Sitson Duo und Heide (siebenbürgische Heimatmusik) gemeinsam musizieren.

„Was mir wichtig ist, ist die Leidenschaft. Und die habe ich bei all den Teilnehmern gefunden“, so Kühling. Oftmals habe sie ihn sogar sehr berührt. Etwa bei den Proben der Grup Mesk, die aus einer alevitischen Familie besteht. „In ihren Liedern geht es nicht um Politik oder Religion, es geht um Heimat. Es ist schön, zu sehen, dass eine Familie zusammen musiziert. Das ist uns in Deutschland zumeist schon verloren gegangen“, sagt er.

Die Herangehensweise an das Thema Heimat kommt an: Nach Auftritten in Berlin, Neuss und Göttingen wird die Show im August in Köln gezeigt, am Tag der Deutschen Einheit im Auswärtigen Amt in Berlin. „ Augsburg ist aber etwas Besonderes. Sonst haben wir nirgendwo die Möglichkeit erhalten, in diesem Ausmaß in die Stadt eintauchen zu können, aus der Show wirklich etwas Einzigartiges zu machen“, so Kühling.

Mit dem Konzert im Großen Haus ist es auch nicht getan: Eine Remix-CD wird anschließend in den kommenden Monaten in Augsburg produziert, wo die Folklore der Interpreten auf elektronische Beats treffen wird.

Während für Kühling der Großteil der Arbeit nach dem Konzert beendet ist, geht es für Mona Rother und Girisha Fernando mit Vollgas weiter. Auf das Eröffnungskonzert folgen drei Wochen Programm zum Friedensfest, vollgepackt mit über 50 Veranstaltungen, die sich rund um das Thema Heimat bewegen. „Im Grandhotel wird einiges stattfinden. Es gibt natürlich auch das Festival der Kulturen im Annahof, das Mitternachtskonzert im Parktheater, wo man spirituell in den Feiertag starten kann, und wie gewohnt am Feiertag selbst die Friedenstafel und das Familienfest im Botanischen Garten“, verraten sie in einem kurzen Überblick.

für das Eröffnungskonzert „Heimatlieder“ gibt es für 14, ermäßigt 10 Euro, am Theater Augsburg oder in der Buchhandlung am Obstmarkt.

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