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Augsburg

18.12.2014

Linie 5: Stadtrat macht Weg für die Tram frei

Viele Bürger sind mit dem Verlauf einer neuen Tramtrasse unzufrieden. Unter anderem führt diese nämlich durch ein Wohngebiet.
Bild: Silvio Wyszengrad, Symbolbild

Die geplante Trasse durch die Hessenbachstraße wird weiterverfolgt: Doch viele Bürger hätten es gern anders gehabt. Bei der Abstimmung verließen Stadträte aus Protest den Saal.

Nach dreistündiger Debatte hat der Stadtrat gestern beschlossen, dem Vorschlag der Stadtwerke zum Verlauf der Linie 5 zuzustimmen. Demnach soll die Tram vom Hauptbahnhof zum Klinikum ab 2019 über die Hessenbachstraße rollen und auf der Bürgermeister-Ackermann-Straße auf eigener Trasse in der Mitte fahren. In mehreren Workshops hatten Bürger aus angrenzenden Vierteln zuletzt allerdings die Variante über die Holzbachstraße favorisiert.

Die Stadtwerke wollen die Hessenbach-Trasse vor allem aus Kostengründen. Sie würde 62 Millionen Euro kosten. Fahre man über die Holzbachstraße, wären es fünf Millionen mehr, weil die Ackermann-Brücke umgebaut werden müsste, so die Stadtwerke. Die Trasse über die nördliche Rosenaustraße käme auf 20 Millionen Euro Mehrkosten, weil ein Abwasserkanal umgebaut werden müsste. „Wir müssen die Lösung mit maximalen Fahrgastzahlen und minimalen Kosten suchen“, so Stadtwerke-Chef Walter Casazza. Die Linie müsse nah an Wohngebieten verlaufen, um gut erreichbar zu sein. Gleichzeitig wolle das nicht jeder Anwohner. „Man kann nicht alle Bedürfnisse erfüllen“, so Casazza.

Sollte die Trasse genehmigt werden, drohen Klagen

Als Zuckerl stellten die Stadtwerke in Aussicht, die Goggeles-Brücke möglicherweise wieder aufzubauen. Voraussetzung ist eine Förderung vom Staat. Die wäre theoretisch zu holen, wenn man so den Einzugsbereich der Tram aufs Rosenauviertel auf der östlichen Wertachseite ausdehnen kann. Allerdings handle es sich dabei momentan nur um Überlegungen, betonte Casazza.

Am strittigsten ist der Verlauf der Straßenbahn auf den ersten 300 Metern. Stadtauswärts soll die Tram vom Ausgang des geplanten Bahnhofstunnels am Sebastian-Buchegger-Platz über Rosenau- und Pferseer Straße zur Luitpoldbrücke fahren, stadteinwärts über Perzheim- und Hörbrotstraße. Aus der Hörbrotstraße gibt es Protest.

Andreas von Mühldorfer, einer der Wortführer der Tramgegner, machte am Rande der Stadtratssitzung deutlich, dass man die Wohnstraße nicht mit Masten für die Oberleitung vollgestellt sehen wolle. „Und auch wenn Berechnungen weniger Lärm vorhersagen: In der Realität ist es etwas anderes, wenn alle 2,5 Minuten eine 45 Tonnen schwere Tram vor dem Wohnzimmer vorbeifährt.“ Wie berichtet drohen Klagen gegen die Trasse, sollte sie genehmigt werden. Auch ein Bürgerbegehren wird nicht ausgeschlossen. Von Mühldorfer kündigt zudem an, dass die Bahnhofstunnel- und Tramtrassengegner sich in einem Verein zusammenschließen werden.

Die Tramtrasse soll den Autoverkehr entlasten

Stadtrat Stefan Quarg (SPD) hielt dagegen. „Die Stadt gehört allen, nicht nur einzelnen Bürgern. Eine Straßenbahn bauen wir nicht nur für uns, sondern für unsere Kinder und Kindeskinder.“ Das Thelottviertel könne mit einem neuen Verkehrskonzept zu den großen Profiteuren der Tram gehören. Die Pläne sehen nämlich vor, bei einer Tramtrasse die Hörbrotstraße verkehrlich zu beruhigen.

In der politischen Debatte spielte aber vor allem die Ackermann-Straße eine Rolle. Die Tramgleise sollen in der Mitte zwischen den Autospuren laufen. Man schaffe so ein Nadelöhr für Autofahrer aus dem Westen in die Innenstadt, befürchteten FW-Stadtrat Volker Schafitel und Alexander Süßmair (Linke). Baureferent Gerd Merkle betonte, dass es weiter vier Spuren geben werde. An der B-17-Kreuzung, die heute überlastet ist, werde es Verbesserungen geben.

Mehrere Oppositions-Stadträte kritisierten, dass das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung kam, ohne vorher im Bauausschuss beraten worden zu sein. Dies ist in der Tat unüblich. AfD und Pro Augsburg beantragten Vertagung. „Die Bürger werden mit einer fertigen Lösung konfrontiert und nun soll im Schweinsgalopp abgestimmt werden“, so Thomas Lis (AfD). Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) erklärte, dass man mit dem Thema wegen seiner Bedeutung gleich in den Stadtrat gegangen sei, ohne vorher im Ausschuss zu beraten.

Am Ende stimmten die zwei Stadträte der FW und Linken-Rat Süßmair gegen die Trasse. Die vier Vertreter von AfD, Pro Augsburg (zwei anwesende Räte) und Otto Hutter (Linke) verließen während der Abstimmung den Raum. Die übrigen Räte des 60-köpfigen Gremiums stimmten für den Plan. Er wird nun weiter ausgearbeitet und dann bei der Regierung von Schwaben als Genehmigungsbehörde eingereicht. 2017 soll Baubeginn sein.

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