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Augsburg

29.09.2017

Linus Förster muss für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis

Linus Förster muss fast vier Jahre in Haft.
Bild: Urich Wagner

Linus Förster war ein geachteter Landtagsabgeordneter. Jetzt muss er als Sexualstraftäter fast vier Jahre ins Gefängnis. Der Richter attestiert ihm "Persönlichkeitsdefizite".

Vor einem Jahr war er noch ein geachtetes Mitglied des Bayerischen Landtags. Jetzt ist er ein verurteilter Sexualstraftäter. Linus Försters Gesicht ist wie versteinert, als Richter Lenart Hoesch ihm verkündet, dass er für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis muss. Fast wirkt es so, als habe er sich bis zuletzt der Illusion hingegeben, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen.

Doch das Urteil ist nicht der einzige Tiefschlag für den ehemaligen SPD-Politiker. Er muss sich vom Richter den Vorwurf gefallen lassen, dass er gelogen habe. Hoesch nimmt Förster nicht ab, dass er die Hunderten von Kinderpornos auf seinen Rechnern nicht angeschaut haben will. „Das ist widerlegt“, sagt der Richter. Um die Schmuddel-Dateien so strukturiert in Ordner zu sortieren, habe man sich mit den Inhalten befassen müssen.

Zudem muss sich Linus Förster, 52, eine schonungslose Analyse seines überbordenden Sexualtriebs anhören. „Dr. Förster hat Frauen wie Trophäen gesammelt“, sagt Hoesch. Er sei eine „stark narzisstisch geprägte Persönlichkeit“, immer auf der Suche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Der ehemalige Abgeordnete habe dabei ein „Beuteschema bei Frauen“ entwickelt: „blond, klein, zierlich.“

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Richter: Linus Förster suchte einen Kick durch Grenzüberschreitungen

Die Worte des Richters sind so unangenehm für Förster wie der gesamte Prozess. Ist doch das ausschweifende Sexualleben des früheren schwäbischen SPD-Chefs zum Kernthema geworden. Das war auch peinlich für seine früheren Geliebten, die als Zeuginnen vor Publikum über ihr Intimleben berichten mussten. Letztlich bleibt der Eindruck, dass sich Linus Förster in den vergangenen fünf, sechs Jahren vorwiegend mit Sex und Pornografie beschäftigt hat und die politische Arbeit in den Hintergrund trat.

Die Rolle als unbedeutender Oppositionspolitiker kratzte so sehr an Försters Ego, dass er in Depressionen verfiel. Und spätestens seit einem Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik am Chiemsee driftete er bei seinen häufig wechselnden und oft parallel geführten Affären in die Illegalität ab. „Seitdem suchte er einen Kick durch Grenzüberschreitungen“, so der Richter.

Zum Verhängnis wurde dem Ex-Politiker, dass er unbedingt seine eigenen Privatpornos drehen wollte. Anfangs filmte er den Geschlechtsverkehr noch mit dem Einverständnis der Frauen. Später fragte er nicht mehr, sondern drehte mit versteckten Kameras, von denen die Ermittler in jedem Raum seiner Augsburger Wohnung eine fanden. Seine Freundin, die er in der Psychoklinik kennengelernt hatte, missbrauchte er zweimal, nachdem sie Schlafmittel genommen hatte und komplett weggedämmert war. Auch diese Übergriffe filmte Förster und unterlegte einen der Filme später mit der Textzeile „And the sex goes on“ – und der Sex geht weiter. Eine andere Frau missbrauchte er, als sie sich volltrunken während einer Party am Lagerfeuer schlafen gelegt hatte. Sie erfuhr erst durch die Ermittlungen von der Tat.

Als Linus Förster auch noch einen heimlichen Film vom Sex mit einer Prostituierten drehen wollte, flog er auf. Die Chinesin brachte den Speicherchip seiner Mini-Kamera an sich und ging damit zur Polizei. Mitte November 2016 wurden Försters Büros in Augsburg und München sowie seine Augsburger Wohnung durchsucht. Einen Monat später kam er in Untersuchungshaft in die JVA Gablingen (Kreis Augsburg).

Linus Förster hat sich vor dem Prozess verlobt

Dort wird der Hobbymusiker einige Zeit bleiben müssen. Überraschend hat die Jugendkammer aber keine Sexualtherapie angeordnet, sondern eine tiefenpsychologische Einzeltherapie empfohlen. Sie folgt damit dem Rat des psychiatrischen Gutachters. Förster solle im Strafvollzug „erst büßen“ und „an seinen Persönlichkeitsdefiziten arbeiten“, so Richter Hoesch. Damit hat Förster die Chance, nach zwei Dritteln der Strafe auf freien Fuß zu kommen. Bei Sexualstraftätern wird wegen der Sexualtherapie sehr selten eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis gewährt.

Und noch einen Lichtblick gibt es für Linus Förster: Er hat sich vor dem Prozess verlobt. Die Frau steht in dieser schweren Zeit zu ihm.

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Gegen diese Landtagsabgeordneten wurde ermittelt
Bild: Fred Schöllhorn

Nach der Verurteilung drohen dem 52-Jährigen jedoch finanzielle Probleme. Seine Abgeordnetenpension von rechnerisch 3600 Euro brutto ist er los. Die Kosten des Prozesses in fünfstelliger Höhe muss er ebenfalls tragen. Darüber hinaus hat er seinen Opfern Entschädigungen von mehr als 30.000 Euro gezahlt.

Viele Prozessbesucher hätten sich eine höhere Strafe für Linus Förster gewünscht – zum Beispiel die vier Jahre und neun Monate, die die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Doch das Gericht hat neben dem Geständnis und den Schmerzensgeldzahlungen noch einen weiteren gewichtigen Grund gefunden, die Strafe zu mildern. Richter Hoesch drückt es so aus: Linus Förster ist „gesellschaftlich erledigt“.

Hier lesen Sie mehr über den Prozess:

Linus Förster: Es tut mir fürchterlich leid  

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29.09.2017

"blond, klein, zierlich": Es kommt vor, dass Männer, die eigentlich gar kein Interesse am Sex mit Erwachsenen haben, als Ablenkungsstrategie auffallend hypersexualisiertes Verhalten zeigen. So mancher "Don Juan" ist in Wirklichkeit in seiner sexuellen Potenz und Performanz eingeschränkt. Ich frage mich, wie viele dieser vorgeblichen "Frauenhelden", homosexuell orientierte Männer analog, wohl davon phantasieren, Kinder zu missbrauchen, weil sie Angst vor einer gleichrangigen, einvernehmlichen Intimbeziehung haben. Auch wenn die Mehrheit der Menschen, die davon träumen, ihre Sexualität an oder in Kindern abzureagieren oder das auch tatsächlich durchführen, nicht im klinischen Sinne pädophil ist, aber sexuelle Befriedigung dabei empfindet, Kinder mittels Sexualpraktiken zu quälen und ihrer Menschenwürde zu berauben, lohnt sich die Beschäftigung mit Ursachen und Erscheinungsformen pädosexueller Störungen.

Das Abstract eines Fachartikels dazu: "Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern ist immer ein sexueller Missbrauch des Kindes durch den Erwachsenen und fügt dem Kind schweren Schaden zu, weil eine ausgeformte, erwachsene Sexualität auf das ungeformte Sexuelle des Kindes trifft. Um die Pädophilie als sexuelle Perversion beschreiben und verstehen zu können, ist es wichtig, sich einen Überblick über psychoanalytische Theorien der Perversionen zu verschaffen. Der Pädophile versucht, in einem unerbittlichen Wiederholungszwang, eine Situation zu reinszenieren, in der er sich als Idol der Mutter erlebt hat und die Mutter «ihr Kind» idolisierend als untrennbaren Teil des eigenen Körpers erlebt. Psychodynamisch ist der Pädophile mit einer idealisierten Mutter-Imago identifiziert, die den Inzest zulässt. In der Übertragung versuchen pädophile Patienten eine Pseudo-Intimität herzustellen. In der Gegenbewegung gibt es eine ausgeprägte Tendenz, die Psychotherapie so zu destruieren, dass ständig ein Abbruch droht. Die innere Spannung, verstanden als psychotischer Kern, ist bei diesen Patienten so gross, dass eine Psychotherapie fast nur unter äusserem Druck (z.B. Strafverfolgung) möglich erscheint. Je mehr der Patient in der Lage ist, Schuld zu erleben, desto günstiger die Prognose, unter Umständen ist dann auch eine Psychoanalyse denkbar. Die Prognose entspricht der von schweren Abhängigkeitserkrankungen." https://www.karger.com/Article/Pdf/46756

Folgt man dem Autor des sehr lesenswerten Artikels in seiner Darlegung, dann ist bei einem pädophil Gestörten damit zu rechnen, dass er als Kind sexuellem Missbrauch durch seine eigene Mutter ausgesetzt war.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen erwachsenen Menschen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

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