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10.02.2017

Luther war nicht der Erste

Schon vor dem Reformator gab es Bibeln auf Deutsch

Wer war der Verfasser der ersten deutschen Bibel? 86 Prozent der Studierenden des Augsburger Mittelaltergermanisten Freimut Löser antworten: Martin Luther. „Falsch“, sagt Löser. Richtig ist, dass Luther als Erster eine Übersetzung der kompletten Bibel ins Frühneuhochdeutsche vorlegte. Richtig ist auch, dass sein Werk von 1534 das erste war, das eine massenhafte Verbreitung erlebte. Doch dem Volk aufs Maul geschaut hatten vor ihm schon andere. Der elitäre Zugang zu der Heiligen Schrift, die nur lesen konnte, wer Latein gelernt hatte, wurde schon früh torpediert. Allerdings beschränken sich die frühen Übersetzungen zwischen dem achten und 15. Jahrhundert auf das Neue Testament. Laien übersetzten das Lateinische der Evangelien, Psalmen und des Hohen Liedes, um den Gläubigen die liturgische Tagesgestaltung verständlich zu machen. Übersetzte Bibelteile fanden sich lange vor Luther in Schriften zur Messordnung und Predigtsammlungen.

Die älteste deutschsprachige Handschrift des kompletten Neuen Testaments stammt aus Augsburg. Drei unbekannte Autoren fertigten sie 1350 an, fast zwei Jahrhunderte vor Martin Luther. Sie umfasst das Neue Testament samt Apokalypse und Nikodemus-Evangelium – ein Abschnitt, der heute nicht mehr zum Neuen Testament gezählt wird. Wer der Auftraggeber war, ist laut Löser bis heute nicht geklärt. Die Handschrift gehört zu den wertvollsten Objekten in den Beständen der Staats- und Stadtbibliothek.

Auch im 15. Jahrhundert setzte Augsburg einen Höhepunkt. Nur 20 Jahre nachdem Gutenberg den ersten – lateinischen – Bibeldruck vorgelegt hatte, waren es die Meister der Fuggerstadt, die die erste Heilige Schrift auf Deutsch druckten. „Darauf kann Augsburg zu Recht stolz sein“, ermuntert Löser, der im Fugger und Welser Museum auf Einladung des Jakob-Fugger-Zentrums über die deutsche Bibel im Mittelalter referierte. Den Ruhm hat die Stadt dem ersten Augsburger Drucker Günther Zainer zu verdanken, der die Druckerei des Klosters St. Ulrich und Afra leitete und 1475 die 300 Bibelseiten nicht nur sprachlich redigiert, sondern erstmals auch illustriert druckte.

Die Ausstellung „Augsburg macht Druck“ im Diözesanmuseum St. Afra zeigt vom 10. März bis 18. Juni neben anderen Druckerzeugnissen des 15. Jahrhunderts auch die Zainer-Bibel.

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