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Prozess in Augsburg

27.10.2009

Luxuriöse Hochzeitsfeier endet hinter Gittern

Ein Paar aus dem Raum Augsburg hat in einem Luxushotel Hochzeit gefeiert und die 70.000 Euro-Rechnung nicht bezahlt. Vor Gericht kam noch weit mehr ans Tageslicht. Von Jörg Heinzle

Im August 2008 haben die Eheleute aus dem Raum Augsburg noch eine Hochzeitsfeier gegeben, die fürstliche Ausmaße hatte. Mehre Tage feierten sie im Luxushotel "… liebes Rot-Flüh" im Tannheimer Tal. Mit über 200 Gästen, feinem Essen und Musik. Nur ein Jahr später leben sie, sagt die Frau, vom "Gemüse aus dem Garten und Zuwendungen der Familie". Und das Fünf-Sterne-Hotel sitzt auf einer unbezahlten Rechnung von 70 000 Euro.

Gestern wurde der Fall vor dem Amtsgericht in Augsburg aufgerollt - und es kam weit mehr ans Licht, als die Geschichte einer überdimensionierten Feier, die das Hochzeitspaar nicht bezahlen konnte. Dass sie in dem Hotel tatsächlich kräftig auf den Putz gehauen hatten, bestritten die Eheleute nicht. "Wir waren mit dem Service voll und ganz zufrieden", sagte die Frau vor Gericht. Das Paar räumte auch offen ein, dass es bis heute kein Geld an das Hotel überwiesen hat. Allerdings bestritten beide - er Handelsvertreter, sie Hausfrau - vehement, dass sie von vorneherein nicht zahlen wollten.

Beide Ehepartner beteuerten, sie hätten fest damit gerechnet, im Sommer 2008 von einem Bankier in Singapur 115 000 Euro ausbezahlt zu bekommen. Das Geld hätten sie dem Bankier ursprünglich gegeben, um an einen Kredit zu kommen. Mit dem Kredit wollten sie einen rund 35 Hektar großen Solarpark in Rumänien, der Heimat des angeklagten Ehemannes, aufbauen. Allerdings kann das Paar dafür weder Quittungen, Verträge oder irgendein anderes Dokument vorweisen. Die 115000 Euro hätten sie in drei Teilbeträgen bar an den Banker übergeben - einmal am Münchner Hauptbahnhof, zweimal in einem Münchner Hotel. "Er hat uns die bestmöglichen Konditionen dafür versprochen", sagte der angeklagte Ehemann. Doch die Pläne platzten und das Geld fehlt seither.

Luxuriöse Hochzeitsfeier endet hinter Gittern

Ein Vermittler, der die Geschäfte mit dem dubiosen Bankier eingefädelt haben soll, sagte gestern als Zeuge aus. Er bestätigte, dass es Geldübergaben in München gegeben habe. Er habe auch andere Anleger an diesen "Bankier" vermittelt. Für die Ermittler blieb der Bankier jedoch ein Phantom. "Eine Anschrift in Deutschland gab es nicht, eine uns bekannte Handynummer war tot, eine E-Mail-Adresse hat ebenfalls nicht gestimmt", sagt der Kripo-Beamte, der den Fall bearbeitet hat. Staatsanwalt Michael Nißl nannte die Sache "wirklich aberwitzig". Auch Richter Andreas Strasser zeigte sich skeptisch: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das Geld jemals wieder zurückbekommen."

Dasselbe könnte auch für das Hotel gelten, das die Feier ausgerichtet hat - und für zwei Bands, die bei der Hochzeit spielten und ebenfalls auf Geld warten. Der angeklagte Ehemann hat im vergangenen Jahr bereits Privatinsolvenz angemeldet. Und für beide Eheleute endet die teure Feier jetzt wohl erst einmal hinter Gittern: Beide wurden zu einer Haftstrafe von je drei Jahren verurteilt.

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