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Augsburg

19.11.2019

MT-Aerospace-Mitarbeiter fordern Hilfe von der Politik

Mitarbeiter von MT Aerospace demonstrieren für Unterstützung aus der Politik.
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Mitarbeiter von MT Aerospace demonstrieren für Unterstützung aus der Politik.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Das Raumfahrtunternehmen MT Aerospace muss Stellen in Augsburg abbauen, weil das Ariane 6-Programm anders verläuft als geplant. Jetzt hofft man auf Hilfe aus der Politik.

Die Mitarbeiter des Lauft- und Raumfahrtunternehmens MT Aerospace demonstrieren in Augsburg gegen einen drohenden Stellenabbau und für Unterstützung aus der Politik. Mindestens 70 Arbeitsplätze sollen dort zu Jahresbeginn 2020 wegfallen. Ursache ist der holprige Übergang vom Raketenprogramm Ariane 5 zu Ariane 6: Der Bau der einen endet früher, die andere wird erst später gebaut. Für 70 bis 80 Mitarbeiter in der Produktion geht demnach die Arbeit aus. Dazu stehen weitere 70 Arbeitsplätze aus dem Bereich Entwicklung auf der Kippe, sollte sich an der Lage nichts ändern. Entscheidend ist der 27. November. Da findet die ESA-Ministerratskonferenz statt, bei der es darum geht, wie sich Europa künftig im Weltall engagieren will und wie viel Geld zur Verfügung gestellt wird. Davon abhängig ist die Entwicklung bei MT Aerospace in Augsburg.

Protestaktion am Dienstag in Augsburg

Die IG Metall will genau darauf aufmerksam machen. Am Vormittag waren Mitarbeiter aufgerufen, sich vor dem Werkstor an der Franz-Josef-Strauß-Straße zu versammeln, um der Politik mit auf den Weg zu geben, „vergesst uns nicht“, „setzt euch bei der ESA-Konferenz für uns ein“. Das sagte IG Metall-Sprecherin Angela Steinecker im Vorfeld. Sie betonte aber, dass es bei der Aktion nicht darum geht, eine drohende Standortschließung zu verhindern. „Davon sind wir weit entfernt. Es geht darum, dafür zu appellieren, dass weitere Aufträge für die Ariane 6 nach Augsburg gehen und so der drohende Stellenabbau abgefedert werden kann“, so die Arbeitnehmervertreterin.

Die MT Aerospace AG in Augsburg ist eine 70-prozentige Tochter der OHB SE aus Bremen, die anderen 30 Prozent liegen bei Apollo Capital Partners. Ursprünglich war MT Aerospace ein Teil der MAN AG. Das Unternehmen ist in der Luft- und Raumfahrt aktiv. In der Raumfahrt gilt MT Aerospace als einer der führenden Partner Europas bei Raumfahrtprogrammen und Anbietern von Systemen und Baugruppen für Trägerraketen, Raumfahrzeuge und Satelliten. Zentrales Geschäftsfeld des Unternehmens ist die Teilnahme am Ariane 5- und Ariane 6-Programm. Der Standort Augsburg entstand in der Anfangszeit des Ariane 5-Programms. In dieser Zeit kamen etwa zehn Prozent der Ariane-Rakete aus Augsburg. Mit dem Bau neuer Fabrikationseinrichtungen hat sich das Unternehmen auf eine ähnlich umfangreiche Beteiligung im Ariane 6-Programm vorbereitet. MT Aerospace steht damit für etwa die Hälfte der deutschen Zulieferung. Inzwischen hat sich das Unternehmen auch als Partner internationaler Raketenprogramme etabliert.

Aber nicht nur in der Raumfahrt, sondern auch in der Luftfahrt ist MT Aerospace aktiv. Hier hat sich das Unternehmen auf die Entwicklung und Fertigung gewichtsoptimierter Bauteile spezialisiert und beliefert unter anderem Airbus mit Trink- und Abwassertanks für die Modelle A320, A330/340 sowie A350XWB. Bei der MT Aerospace in Augsburg sind rund 600 Menschen beschäftigt.

MT Aerospace setzt auf die Ariane 6

Damit sie ihren Arbeitsplatz behalten können, müssen Gelder fließen, sagt Unternehmenssprecher Günther Hörbst. „Nur so kann die Weiterentwicklung der Ariane 6 in Deutschland und damit auch in Augsburg bleiben. Und nur so ist es möglich, die Entwicklungsingenieure zu halten.“ Denn sind diese nach einem Stellenabbau einmal weg, bekommt man sie so schnell nicht wieder. „Diese Mitarbeiter sind gefragt und kommen schnell anderswo unter“, ist Hörbst sicher. Neben der politischen Debatte um die Vergabe von Entwicklungsbudgets müsse sich MT Aerospace aber in einem zweiten Schritt strategisch neu ausrichten, will man weiter erfolgreich bleiben. „Es gilt, neue Geschäftsfelder zu entwickeln“, so Hörbst. Man sei bereits intensiv dabei zu untersuchen, welche Kompetenzen im Haus auch anderweitig genutzt werden könnten. Erste Ansatzpunkte sind die Additive Fertigung, also der 3-D-Druck.

Lesen Sie auch: MT Aerospace baut bis zu 80 Stellen in Augsburg ab

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