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Konzert

19.06.2017

Männlich-zackig trifft weiblich-geschmeidig

Das Leopold-Mozart-Zentrum präsentiert neue Musik mit Sinn für Spiel und Ironie

Ein Studienprojekt, das sich beim Leopold-Mozart-Zentrum mit neuer Musik für Bläser und Schlagwerk beschäftigte, führte zu einem anregenden Konzertprogramm. Viele Besucher staunten über die avantgardistischen Klänge. Theorie-Dozent Markus Schmitt konzipierte ein Programm, in dem eine bestimmte Generation im Mittelpunkt stand, vier Komponisten der Jahrgänge zwischen 1925 und 1934, die also noch Kriegsjahre und Diktatur zu überstehen hatten. Aber auch ein Vertreter der allerjüngsten Generation setzte einen interessanten Akzent.

Harrison Birtwistle (*1934) gab mit „The Message“ den Titel des Abends vor. Gemeinsam war allen Stücken des Programms, dass sie sich neben den strengen Konstruktionen einen Sinn für Spiel und Ironie, Tänzerisches oder volksmusikalische Elemente bewahrt hatten. Birtwistles „Message“ ließ Trompete (Sergio Arrue Domingo) und hohe Es-Klarinette (Lisa Riepl) in einen Dialog treten und es schien, als ob sich ein testosteronhaltiger, männlich zackiger Gestus mit den geschmeidigen weiblichen Tönen aussöhnen und annähern wollte – ein witziges Stück, das mit einem Sekundenauftritt eine Militärtrommel (Manuel Gira) beendete. Es folgte ein Bläserquintett von György Kurtág (*1926). Acht Mini-Sätze zeichnen ein zwischen Zerbrechlichkeit, dissonanter Schärfe und schwarzer Stimmung changierendes Kaleidoskop.

Wilhelm Killmayer (*1927) verrät seine nahe Verbindung zu seinem Lehrer Carl Orff – die einfachen Grundmuster, die kunstvoll reproduzierte mittelalterliche Anmutung, die vorangetriebene archaische Motorik. Doch Killmayer hat seinen Personalstil schon in den „Tre danze“ für Oboe und Schlagzeug (1959) gefunden. Da verbinden sich Volksmusiktöne und Melodie-Elemente mit tänzerischer Bewegungslust. Juan Carlos Brenes Llamas und Schlagzeuger Gira zelebrierten dies brillant.

Ein raffiniertes Gewand hat Luciano Berio (1925 - 2003) für die Vertonung der vier Tierfabeln von Rhoda Levine gefunden. Es schildert in „Opus Number Zoo“ bildstark die äußerlich drolligen, doch mit Unheil, Sterben und zynischem „Fressen und gefressen werden“-Thema die Charakteristika von Fuchs und Huhn, Pferd, Maus und zwei Katern. Die Texte werden von den Spielern zwischen ihren Passagen selbst zitiert. Susanne Müller (Flöte), Sara Yago Mut (Oboe), Lukas Beier (Klarinette), Angelica Tombs (Horn) und Johannes Stefaniak (Fagott) machten alles ebenso hervorragend wie schon im Kurtág-Stück. Eine Überraschung war das allerneueste Werk: „Gedanken“ für Horn und Percussion des erst 19-jährigen Studenten Manuel Gira ist ein fantasievolles, rhythmisch-klangliches Ereignis, von ihm und seinen Bruder am Horn brillant gezaubert.

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