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Mozartfest

18.05.2015

Magie im innersten Kreis der Musik

Kammermusik XXL im Kleinen Goldenen Saal mit hervorragenden Interpreten: von links Maximilian Hornung, Jano Lisboa, Jörg Widmann, Sarah Christian und Antje Weithaas.
Bild: Wolfgang Diekamp

Klarinettist Jörg Widmann und ein Ensemble mit zwei Augsburgern verbinden Brahms mit Amadé

Mit scheuer Inbrunst kniete Johannes Brahms zeitlebens vor dem Genie Wolfgang Amadé Mozart. Zwei Abende stellten den Romantiker in den Mittelpunkt, und das Programm des Mozartfestes erfuhr dabei eine faszinierende Erweiterung des Themas „Mozart und die Klarinette“. Am Freitag der Abend „Carte Blanche“ mit zwei Klavierquartetten, am Samstag unter dem Titel „Kammermusik XXL“ die Koppelung der berühmtesten Klarinettenquintette (Mozart, Brahms) mit Brahms’ Klavierquintett waren der kammermusikalische Höhepunkt des Mozartfestes. Der phänomenale Klarinettist Jörg Widmann mit einem Ensemble, in dem die Augsburger Sarah Christian (Violine) und Maximilian Hornung (Cello) eine tragende Rolle spielten, der ausverkaufte Kleine Goldene Saal und Zuschauer, die teilweise stehen mussten und mit Bravostürmen reagierten: Das Mozartfest präsentierte sich als Weltklasse-Festival.

Der erste Abend mit Klavierquartetten zog in Brahms’ Kosmos. Im c-Moll sind die Annäherungen an die große symphonische Form ebenso spürbar wie ein in Tönen sich abspielendes Seelendrama in seiner Beziehung zu Clara Schumann. Das früher entstandene g-Moll-Quartett zeigt sich in einer Art zufriedener Moll-Stimmung mit kompositorisch genial gepflegtem jugendlichen Weltschmerz, Liebeslied-Idyllen und einem Finale im Stil ungarischer Zigeuner-Rasanz. Cellist Hornung und Jano Lisboa, Solobratschist der Münchner Philharmoniker, boten samtene Tiefe, Pianistin Hisako Kawamura das brillierende Bewegungsmoment, worin Sarah Christians klug eingesetzte Violine leuchtete.

So auf Brahms eingestimmt, konnte tags darauf in den Klarinettenquintetten die Begegnung mit Amadé stattfinden, mit ihren Kontrasten und Zusammenhängen. Dies faszinierte umso mehr, als jetzt die Klarinette ins Spiel kam, mit ihr Jörg Widmann. Er verbindet frappierende Virtuosität mit der Klarsicht des eigenen Potentials als Komponist. Mit dem Streichquartett, das ihn als Partner umgab, entstand ein kammermusikalischer Organismus, der die Welten Mozarts und Brahms’ mit allen Finessen, analytischer Kreativität, auch leidenschaftlicher Intuition ausleuchtete. Antje Weithaas, viel gefragte Pädagogin und elektrisierende Musikerin, bildete als Primaria mit ihrer Studentin Sarah Christian ein Violinpaar der suggestiv aufeinander eingespielten Güte, das mit Bratsche und Cello einen enormen Registerreichtum der Gesten und Farben ausbreitete.

In Mozarts Quintett inszenierten Widmann und Weithaas ein Fest der Phrasierungen und Zuspielungen, das von Violine II/Bratsche/Cello in alle Segnungen sensiblen Reagierens eingebettet wurde. Vom Hell-Dunkel des 1. Satzes, der selbstvergessenen Schönheit des Larghetto bis zu den virtuos perlenden Variationen zauberte Widmann seine Phrasierungswunder, die zu den Streichern einen geschmeidigen Dauerkontakt unterhielten.

Als Brahms’ Quintett folgte, konnte man die fortgeschrittenen klangtechnischen Möglichkeiten der Klarinette erleben, von Widmann bei Mozart/Brahms in souveräner Musikalität vereint. Was die Streicher in diesem elegischen Drama an wunderbar innehaltenden, in eine imaginäre Echo-Welt lauschenden Passagen zelebrierten, ließ Brahms als Magier der innersten Kreise der Musik erscheinen. Zum Abschluss war wieder die brillante Pianistin Kawamura zur Stelle, Sarah Christian rückte auf die Position der Primaria und präsentierte mit Antje Weithaas im Klavierquintett f-Moll orchestral aufgeladene Dimensionen. Die zu faszinierenden Klang- und Gebärden-Varianten fähigen Lisboa und Hornung suchen als kammermusikalisches Viola/Cello-Paar ihresgleichen.

Jubel über Jubel nach drei Stunden.

strahlt die Konzerte aus. „Carte Blanche“ am 30. Juni, „Kammermusik XXL“ am 15. Juli jeweils um 18.05 Uhr

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