Mozart@Augsburg

08.09.2015

Magisches Viereck

Das spanische Cuarteto Casals mit Quartetten von Mozart und Beethoven

Die Königsdisziplin der Kammermusik darf nicht fehlen, wenn ein Festival den Namen Mozart im Titel trägt – das Streichquartett. Amadé hat das Genre, inspiriert von Haydn, zu einem Höhepunkt geführt, Beethoven schloss sich mit einem seiner bedeutendsten Werk-Zyklen an. Und Mozart stand mit zweimal Beethoven auf dem Programm des Cuarteto Casals – ein großer Moment der Wiener Klassik wurde von Mozart@Augsburg im Kleinen Goldenen Saal beleuchtet.

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Spanische Streichquartette sind eine Rarität. Doch Abel Tomàs und Vera Martínez (Violinen), Jonathan Brown (Viola) und Arnau Tomàs (Cello) geben keinen Anlass, über nebensächliche Dinge zu spekulieren: Sie boten einen elektrisierenden Abend. Die revolutionäre Einleitung in Mozarts C-Dur KV 465, dem „Dissonanzen-Quartett“, breitete dieses magische Viereck mit einer Mischung aus schimmernder Stahlhärte und versöhnlich eingespeisten Vibrato-Linien aus. In den schnellen Sätzen wurde jede minimale Notenphase eines Takts mit agogisch perfekt abgestimmter Inbrunst ausgeschleudert; man hörte nicht vier Spieler, eher einen in sich geschlossenen einzigen Klangorganismus. Das durchweg unter Höchstspannung aufgeladene Musizieren hätte im Andante mehr Gelassenheit vertragen.

Doch hier hörte man schon Beethoven sich ankündigen. Dieser war dann selbst präsent im c-Moll-Quartett aus op. 18, der frühen Phase seines Quartettschaffens. Die düsteren Stürme zum Auftakt, der graziös angetippte „Spitzentanz“ des merkwürdigerweise als Scherzo betitelten zweiten Satzes anstelle eines langsamen Teils, das wiederum in schnellster Scherzo-Manier tobende Menuett und ein farbenfroh quirlendes Finale machte das Cuarteto Casals zum Erlebnis.

Magisches Viereck

Der mittlere Teil von Beethovens Streichquartett-Kosmos war durch das „Harfen-Quartett“ Es-Dur op. 74 vertreten. Den Klangzauber der namengebenden Passagen im ersten Satz – Pizzikato-Funken, feinste Arpeggien-Wunder, darüber irisierende Liegetöne – realisierte das Ensemble in visionärer Schönheit. Einem bieder gespielten Adagio folgte ein Prestissimo, dessen geradezu dämonische Präzision Assoziationen zwischen Mendelssohns „Sommernachtstraum“ und dem tempoverschärften Auftaktmotiv der Beethoven’schen 5. „Schicksals-Sinfonie“ hervorrief. Diese bereits auf die späten Quartette hinweisenden, Grenzen sprengenden Klangfindungen wurden von einem mit fast einfachen Mitteln entwickelten Variationen-Finale abgeschlossen.

Das Cuarteto Casals blieb mit seinem hinreißend zelebrierten Stil, der Präzision mit Leidenschaft vereint, nichts an wunderbaren Kontrasten, poetisch aufblitzenden Nischen und Ästhetik schuldig. Für den Beifallssturm bedankten sich die vier mit dem spritzig-skurrilen Rondo aus dem „Vogelquartett“ op. 33 – so war mit Haydn auch der Dritte im Bunde der großen Streichquartett-Tradition der Wiener Klassik vertreten.

Das Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk in der Sendung BR-Klassik Festspielzeit am 12. September um 18.05 Uhr ausgestrahlt.

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