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19.06.2017

Mainstream,aber mit Klasse

Dusko Goykovich mit Nostalgie-Jazz in Augsburg.
Bild: Eric Zwang-Eriksson

Dusko Goykovic verkörpert den Swing vergangener Zeiten

Zwielichtige Gestalten belagern den von Rauchschwaden vernebelten Tresen. Im Vordergrund Philip Marlowe und Mike Hammer, die sich auf einen Drink treffen und ein wenig fachsimpeln. Und während Humprey Boghart dann mit Ingrid Bergmann flirtet, erklingen im Hintergrund die ersten Töne eines zu jener Zeit topaktuellen Jazzstandards. Eine Szene, die sich mit geschlossenen Augen nahezu aufdrängte am vergangenen Freitag im gut besuchten Jazzclub. Mit offenen Augen zeigte sich natürlich ein ganz anderes Bild. Es fehlte der Qualm, statt düsterer Gestalten saßen an den Tischen aufmerksame Zuhörer und das schummrige Licht kam aus modernen LED-Lampen. Die Musik aber war die gleiche.

Nichts als Mainstream Jazz alter Schule hatte das Quintett um den Jazz-Dinosaurier Dusko Goykovic im Jazzclub zu bieten – den aber auf höchstem Niveau. Da kamen Standards wie „It’s You Or No One“ oder „Close Your Eyes“ aufs Tablett, Benny Golson war mit „Are You Real“ und „Whisper Not“ gleich zwei Mal vertreten. Mit zeitgemäßer Musik hatte das zwar wenig zu tun, und in den Gesprächen, die während der Pause des zweistündigen Konzertes zu hören waren, wurden deshalb auch kritische Töne laut.

Dusko Goykovic verkörpert diese nostalgische Richtung des Jazz authentisch wie wenig andere, hat er doch die Zeiten der verrauchten Kneipen selbst erlebt. Der 85-Jährige wurde in Jaice im heutigen Bosnien geboren, lebt seit 1955 in Deutschland und seit 1968 in München. Seine langjährige Karriere hatte ihn zu Kurt Edelhagen, Max Greger und Albert Mangelsdorff geführt, aber auch zu Musikern wie George Gruntz, Maynard Ferguson, Woody Herman. Der Mainstream Swing war also immer schon seine Heimat gewesen, und ihm ist er treu geblieben bis heute.

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Sein Quintett, das den Abend im Jazzclub bestritt, bestand aus gestandenen Musikern der deutschen Jazzszene. Der facettenreich aufspielende Pianist Bernhard Pichl sorgte immer wieder für eine musikalische Überraschung, während Claus Koch am Tenorsaxofon den lyrischen, oft gehauchten Ton Gojkovics mit ebensolcher Spielweise bravourös ergänzte. Rudi Engel am Kontrabass, der insbesondere im „Bass Blues“ von John Coltrane seine sensible Virtuosität ausspielen durfte, und Michael Keul am Schlagzeug lieferten hierzu die grundsolide Basis.

Exzessiv war das nicht, was die fünf gestandenen Musiker da für zwei Stunden zelebrierten. Aber exzellent gespielt und mit seinem ebenso akkuraten wie entspannten Puls genau das Richtige für einen warmen Sommerabend.

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