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Chanson

15.07.2011

Mal zu diesem, mal zu jenem Herrn

Bereut hier jemand? Wohl kaum: Dany Tollemer im Zeughaus.
Bild: Foto: privat

Dany Tollemer bezauberte im Musiksaal des Zeughauses

Am Vorabend des 14. Juli, als die Feuerwehr in Paris mit einem großen Feuerwerk und Bällen die Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag eröffnete, zündete die französische Sängerin Dany Tollemer im Musiksaal des Zeughauses ein Feuerwerk der ganz anderen Art: Unter dem Titel „Sous le ciel de Paris“ („Unter dem Himmel von Paris“) präsentierte sie auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Chansons. Dass sie sie mit ihrer wunderbaren Stimme „sang“, wäre zu wenig gesagt: Die 26-jährige Künstlerin stellte dar, was sie sang – allein schon durch ihre Präsenz, ihre Lebendigkeit und ihr schauspielerisches Können.

Im Chanson spiegelt sich das Leben in seiner Leichtigkeit, seiner Tragik, seinen Träumen. Und so begegnete einem „Le plus beau du quartier“ („Der Schönste des Viertels“), ein Lied der „jungen Sängerin Carla Bruni“ – wer mit dem „Schönsten“ gemeint sein könnte, darüber nachzudenken blieb dem Publikum überlassen. Wunderschön traurig hingegen das Lied vom Akkordeonspieler. „L’accordé…, l’ accordé… l’accordeon“ stimmte Dany Tollemer an. Das Publikum sang mit und stellte sich diesen armen Kerl vor, dessen einziger Freund das Akkordeon ist. Und sei es nur, „weil es ihm hilft, sich hinzusetzen, wenn er besoffen ist“, meinte die Sängerin, mit ihrem französischen Akzent und ihren winzigen, umso komischeren deutschen Grammatikfehlern spielend.

Faszinierend, weil den Takt ständig wechselnd und dabei das Tempo der Worte ins fast nicht mehr Aussprechbare steigernd, war der „Vals à 1000 temps“ („Tausend-Takt-Walzer“) von Jacques Brel . Bei diesem Chanson lief die Sängerin, wie öfter an diesem Abend, mitten hinein ins Publikum und sang, die Männer mit ihrem Charme bezaubernd, mal nur für den einen, mal nur für den anderen. Dazwischen gab es auch ruhigere, poetische Momente. Brels „Ne me quitte pas“ („Verlass’ mich nicht“) kam so authentisch, so treffend daher, dass, wer zuhörte, nicht anders konnte, als so richtig mit dem Verlassenen mitzuleiden.

Mögen viele dieser Klassiker auch oft gehört sein, Dany Tollemer kleidete sie in ein neues Gewand – unbekümmert, lebendig und wirklich schön nostalgisch. Moderne Lieder und eigene Kompositionen standen dem in Nichts nach. „No, je ne regrette rien“ („Nein, ich bereue nichts“), hieß es am Ende. Nein, an diesem Abend gab es nichts, aber auch gar nichts zu bereuen!

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