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Prozess in Augsburg

14.01.2020

Mann begrapscht jungen Arbeitskollegen und verliert den Job

Weil er einen Arbeitskollegen begrapschte, verlor ein 48-jähriger Mann aus Augsburg seinen Job und landete vor Gericht.
Bild: Jakob Stadler (Symbolbild)

Ein 48-Jähriger aus Augsburg fühlt sich sexuell zu Jugendlichen hingezogen, wird übergriffig und landet vor dem Amtsgericht. Nun soll er Hilfe bekommen.

Neun Monate Haft auf Bewährung wegen eines sexuellen Übergriffs und Verbreitung pornografischer Schriften: Nicht ungewöhnlich ist, dass ein älterer Angeklagter bestraft wird, der sich Heranwachsenden gegen deren Willen sexuell nähert. Nicht die Regel ist es allerdings, dass die Richterin eine eher niedrige Strafe verhängt und dies damit begründet, dass sie mittels Bewährungsauflagen auf den Angeklagten einwirken will. „Da ist niemandem geholfen, wenn wir Sie 14 Monate lang einsperren und danach ist alles wieder wie vorher“, bilanzierte Richterin Rose Oelbermann in ihrer Urteilsbegründung.

Für sie ist nach der Verhandlung gegen einen 48-jährigen gelernten Buchbinder aus Augsburg klar, dass er Hilfe braucht. Hilfe bei der Bewältigung seiner sexuellen Zuneigung zu minderjährigen Buben. Also schickt sie im Prozess alle in die Mittagspause, um für ihr Urteil nach einer passenden Therapie-Einrichtung zu suchen. Dann die Bewährungsauflagen zu der neunmonatigen Haftstrafe: Der Angeklagte bekommt für die nächsten drei Jahre einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Und er bekommt die Auflage, sich bei einer speziellen Beratungsstelle der evangelischen Kirche in München zu melden, wo man ihm möglicherweise helfen kann.

Prozess in Augsburg: Mann wird zum wiederholten Male angeklagt

Ausgangspunkt für die Überlegung der Richterin war es, dass der Angeklagte bereits zum dritten Mal in ganz ähnlicher Sache mit der Justiz zu tun hat. Zuletzt 2014 hatte er einen Strafbefehl bekommen, weil er sich an einen 14-jährigen Schüler herangemacht hatte.

Mann begrapscht jungen Arbeitskollegen und verliert den Job

Und dann die Ereignisse, die jetzt verhandelt wurden: An seinem Arbeitsplatz hatte sich der 48-Jährige erneut zwei Jugendlichen genähert. Einem 17-jährigen Schüler soll er laut Anklageschrift mehrmals „in den Schritt“ gegriffen und ihn dort gestreichelt haben. Auch sandte er dem Jugendlichen Bilder und Karikaturen von Männern bei Sexspielen. Um dann im Handy-Chat mit dem 17-Jährigen zu erörtern, wer von ihnen beiden wohl welche Position einnehmen wollen würde. Die Vernehmung dieses Zeugen fand aus Jugendschutzgründen nicht öffentlich statt. Auch ein zweiter, 18-jähriger Verkäufer bekommt es zu jener Zeit im Sommer 2019 mit dem Angeklagten zu tun. Während er sich kurzfristig allein am Arbeitsplatz wähnt, so der Zeuge vor Gericht, sei er plötzlich von hinten an beiden Pobacken gepackt worden – von dem Angeklagten, den er nur flüchtig gekannt hatte. Dieser junge Mann meldete das Vorkommnis bei der Betriebsleitung, woraufhin der Angeklagte seinen Job verlor. Und er zeigte den Fall bei der Polizei an, die Ermittlungen gegen den 48-Jährigen aufnahm. Vor Gericht gesteht der Angeklagte lediglich das Senden der Pornobildchen.

Er könne aber nicht erklären, was ihn dazu bewogen habe. Angefasst haben will er hingegen niemanden. Dass ihn gleich zwei junge Männer dessen bezichtigen, erklärt er damit, dass sie „ihm eine reindrücken“ haben wollen. Ein Blick des Gerichts in das Bundeszentralregister zeigt, dass der Angeklagte es nicht zum ersten Mal bei deutlich jüngeren Geschlechtsgenossen versucht hat.

Für Staatsanwältin Saskia Eberle ist nach der Beweisaufnahme klar, dass es sich so abgespielt hat, wie es die beiden Zeugen geschildert haben. Beide Heranwachsenden habe sie als sehr glaubwürdig empfunden. Keine Spur davon, dass sie jemandem etwas reindrücken wollten. Vielmehr seien sie sichtlich peinlich berührt gewesen, jetzt über die Vorfälle als Zeugen vor Gericht aussagen zu sollen. Sie forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten für die sexuellen Übergriffe. Verteidiger Richard Langer, gleichzeitig Betreuer des Angeklagten, fehlten die Beweise für jene Handgreiflichkeiten, die die beiden Heranwachsenden seinem Mandanten vorwarfen. Er sah lediglich eine Aussage-gegen-Aussage-Konstellation. Für die gestandenen Vorfälle des Versendens von Pornobildchen sei eine Strafe von vier Monaten auf Bewährung ausreichend. Richterin Oelbermann sagte, der Angeklagte brauche unbedingt Hilfe, „so etwas darf nie wieder passieren“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Hören Sie auch in unseren Podcast rein: Brutale Angriffe an Königsplatz und vor Disco: Wird Augsburg krimineller?

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Die Diskussion ist geschlossen.

23.01.2020

Eine Richterin, die Hirn, Herz und Verstand zeigt und auch noch aktiv wird. Das findet man selten, heutzutage.

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