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Augsburg

22.10.2019

Mann feuert mit Gaspistole auf Polizisten - fühlte er sich bedroht?

Ein Mann hat in Augsburg-Oberhausen einem Polizisten mit einer Gaspistole ins Gesicht geschossen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Ein Routineeinsatz in Augsburg ist Mitte September eskaliert. Ein Bewohner feuerte mit einer Schreckschusswaffe. Er sagt, er habe den Mann nicht als Polizisten erkannt.

Ein Routineeinsatz in einem Mietshaus in Oberhausen ist Mitte September eskaliert. Als zwei Polizisten wegen einer Ruhestörung an einer Wohnungstür klingelten, öffnete der Bewohner und feuerte einem der Beamten sofort mit einer Gaspistole ins Gesicht. Der 40-jährige Schütze sitzt seitdem in Untersuchungshaft. War es ein bewusster Angriff auf einen Polizisten? Nach Informationen unserer Redaktion gibt der Mann an, ihm sei nicht klar gewesen, dass er auf einen Polizeibeamten schießt. Er habe zuvor durch den Türspion geschaut und den Mann, den er sah, nicht als Polizist erkannt. Im Gegenteil: Er habe sich bedroht gefühlt.

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Das Erscheinungsbild des Beamten soll bei der Verwechslung eine Rolle gespielt haben. Der 33-jährige Polizist trug einen fülligen Bart und die Haare sehr kurz. Der 40-Jährige sagt, durch den Türspion vor allem das Gesicht des Mannes gesehen und die blaue Uniform nicht erkannt zu haben. Weil er Angst gehabt habe, habe er seine Schreckschusswaffe genommen, sie abgefeuert und schnell wieder die Tür geschlossen.

Schuss auf Polizisten: Eine Brille verhinderte Schlimmes

Der Polizist hatte großes Glück: Er trug während des Einsatzes eine Brille, die Schlimmeres verhinderte. Durch das Reizgas, mit dem die Waffe geladen war, erlitt er laut Polizeiangaben „mittelschwere Gesichtsverletzungen“. Er kann auch weiterhin normal Dienst machen. Nach Angaben der Ärzte im Uniklinikum, die den Beamten behandelten, wären ohne die Brille wohl massive Verletzungen die Folge gewesen – und er hätte erblinden können.

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Nachbarn hatten den 40-jährigen Bewohner als zurückgezogen beschrieben. Tatsächlich soll er den Kontakt zu anderen Menschen eher gescheut haben. Von den anderen Bewohnern des Mietshauses, das der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WBG gehört, fühlte er sich offenbar gemobbt. Weil er laut Musik hörte, hatten Nachbarn am Abend des 15. September die Polizei gerufen. Für den betroffenen Beamten muss es ein Schockmoment gewesen sein, als der Bewohner öffnete und abdrückte: Er konnte ja nicht gleich wissen, dass es sich „nur“ um eine Gaspistole handelte.

Nach dem Schuss auf den Streifenbeamten hatte die Augsburger Polizei ein Sondereinsatzkommando hinzugerufen. Auf laute Rufe der SEK-Beamten reagierte der Bewohner nicht. Als die Polizisten dann die Wohnung im zweiten Stock stürmten, feuerte der 40-Jährige noch weitere Schüsse mit der Gaspistole ab. Dadurch erlitten einige Angehörige der Spezialeinheit Augen- und Atemwegsreizungen. Der Einsatz in der Wohnanlage in der Zirbelstraße dauerte mehrere Stunden. Auch der Vizepräsident der Augsburger Polizei, Markus Trebes, war vor Ort.

Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 40-jährigen Schützen nun unter anderem gefährliche Körperverletzung vor. Ein Psychiater wird den Mann untersuchen und einschätzen, wie es um dessen Schuldfähigkeit steht. Hinweise auf psychische Auffälligkeiten bei dem Verdächtigen gibt es den bisherigen Ermittlungen zufolge. Auch für den Fall, dass ein Täter von einem psychiatrischen Gutachter als schuldunfähig eingestuft wird, kann es ein Gerichtsverfahren geben. Das Gericht verhängt dann zwar keine Strafe. Die Richter entscheiden aber darüber, ob ein Täter für die Allgemeinheit gefährlich ist und er deshalb längerfristig in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird.

Der Augsburger Rechtsanwalt Klaus Rödl vertritt den Mann. Rödl sagt, sein Mandant versichere, dass er den Mann vor der Tür nicht als Polizist erkannt habe. Das SEK habe er nicht gehört, weil er Kopfhörer aufhatte. Die Schüsse erkläre er damit dass er sich bedroht gefühlt habe. Für die Schreckschusswaffe soll der 40-Jährige auch einen kleinen Waffenschein besessen haben. Vor dem Zwischenfall an der Wohnungstür ist er offensichtlich nicht bei der Polizei aufgefallen – sonst hätte er diesen Schein gar nicht erst bekommen können.

Lesen Sie dazu auch: Mann feuert mit Gaspistole auf Polizist: So lief der SEK-Einsatz

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