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23.08.2018

Mann mischt Ehefrau Unkrautvernichter ins Getränk

Zu ihrem Glück bemerkte eine 57-Jährige einen komischen Geschmack in den Getränken, die ihr Mann ihr servierte.
Bild: Jörg Carstensen,  dpa

Vor Gericht hat der 65-jährige Mann aus dem Landkreis Augsburg eine kuriose Erklärung für seine Taten

Langweid Um seine Ehe war es nicht gut bestellt. Immer wieder kriselte es. Also schmiedete der 65 Jahre alte Mann aus dem Landkreis Augsburg einen perfiden Plan. Wenn es seiner Gattin nicht ganz so gut gehe, könne er sich um sie kümmern und man sich wieder annähern. Mindestens acht Mal schüttete er daraufhin Unkrautvernichter in die Getränkeflasche seiner Frau. Sie kam dahinter – und ihr Mann musste sich nun wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung in acht Fällen vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten.

Das Paar heiratet 2005, zieht 2016 in ein gemeinsames Haus, doch schon kurz danach leben die Eheleute in getrennten Wohnungen im Haus. Der Angeklagte erkrankt am Burnout-Syndrom, trinkt jeden Tag zehn Flaschen Bier. Die 57-jährige Ehefrau berichtet vor Gericht: „Die letzten drei Jahre unserer Ehe waren die Hölle. Er hat monatelang nicht mit mir gesprochen und mich wie Dreck behandelt.“

Immer wieder habe sie versucht, auf ihren Mann zuzugehen. Bis ihr eines Tages das mit den Getränkeflaschen aufgefallen sei. „Morgens habe ich die Flaschen geöffnet und daraus getrunken, dann bin ich in die Arbeit gefahren. Als ich wieder zu Hause war, hat das Getränk komisch geschmeckt. Ich habe es sofort ausgespuckt. Irgendwann wusste ich, das war mein Mann.“ Das Opfer bringt eine auffällige Flasche zu ihrem erwachsenen Sohn, erzählt ihm von ihrer Angst. Gleich am nächsten Tag geht dieser damit zur Polizei mit dem Verdacht, sein Stiefvater wolle seine Mutter vergiften. Die Beamten stellen in der Flasche das Herbizid fest. Sie nehmen den Angeklagten fest, seit Januar sitzt er in Untersuchungshaft.

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Im Prozess gibt er zu, dass er im Keller des Hauses einen Unkrautvernichter fand. Er verdünnte das Mittel und testete es im Gras aus. Als es keine Wirkung zeigte, sei er auf die Idee gekommen, das Herbizid in kleinen Mengen seiner Frau zu verabreichen. „Ich habe geglaubt, so kann ich meine Ehe retten. Ich hatte keine Todesabsicht.“

Ein Gutachter attestiert dem 65-Jährigen eine asthenische Persönlichkeitsstörung. „Er besitzt ein geringes Leistungsvermögen und wenig Selbstwertgefühl.“ In Kombination mit viel Alkohol sei es möglich, dass der Angeklagte sein Handeln nicht richtig einschätzen konnte. „Es liegen allerdings keine richtige Krankheit und keine schwere Sucht vor. Der Angeklagte ist steuerungs- und schuldfähig.“

Dass der 65-Jährige seine Ehe retten wollte, hält Richterin Greser für unglaubwürdig. „Auch wenn Ihre Frau keinen körperlichen Schaden davon hat, leidet sie psychisch unter den Folgen. Sie haben sie im eigenen Haus hintergangen und attackiert. Das ist moralisch auf der untersten Stufe.“ Das Schöffengericht verurteilt ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

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