Mozartfeschtle

28.01.2018

Mantras zu Pachelbel

MOZART FESCHTLE   Darf ich bitten       Menuett Tanzenmit Ballettmeister Armin Frauenschuh     kleiner Goldener Saal
Bild: Wolfgang Diekamp

Musik hören auf Yogamatten und Jammen mit den „Philis“ – so ungewöhnlich kann Musikgenuss sein. eindrücke vom Mozartfeschtle

Bevor am Sonntag allerlei unorthodoxe Vergnügungen rund um das Genie über die verschiedensten „Bühnen“ gingen, zeigte sich die Mozart-Stadt an Amadés Geburtstag von der klassischen Seite, dies auf höchstem Niveau. Die Bayerische Kammerphilharmonie spielte am Samstag Mozart mit einem „Gastspiel“ von Freund Haydn, das im ausverkauften Kleinen Goldenen Saal begeisterte – dem Mozart-Feschtle ging ein Fest voraus. Unter Reinhard Goebel hörte man aber auch zwei frühe Sinfonien als sinnliche Ereignisse: KV 196 mit deftig zupackenden Bläsern hinter straff gespanntem Streicher-Filigran und das geniale KV 201 hatten unwiderstehlichen Drive. Und Pianist Alexander Schimpf inszenierte Haydns berühmtes „ungarisierendes“ D-Dur-Werk, danach Mozarts „Jeunehomme“-Konzert als brillant funkelnde Ereignisse. Da durfte sich anschließend zum Jammen in der Maximiliansklause, wo die Misuk-Gruppe mit Brecht und Folk zu Gange war, auch die „Philis“ locker präsentieren.

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„Das ist einfach irre – in diesem Ambiente!“ begeisterte sich schon am frühen Sonntagmorgen Simon Pickel, Leiter des städtischen Mozartbüros, angesichts des Kleinen Goldenen Saals. Denn wo am Abend zuvor noch Konzertstühle in engen Reihen gestanden hatten, lagen nun knallbunte Yoga-Matten und rund 70 Menschen in lässig-bunter Yoga-Kleidung. Jetzt hieß es also „Beine anspannen – entspannen“, „spüre deinen Bauch“ und „atme tief“! Nicht immer einfach, wenn man zugleich auf einem Bein stehen oder den geschundenen Rücken ganz beugen soll... – wie ja auch unser heutiger Cartoon von Klaus Müller zeigt. Zu „Yoga in concert“ lud die Pianistin und Yogalehrerin Cornelia Wild zusammen mit der Cellistin Katerina Giannitsioti in den Saal. „Musik und Stille“ wolle sie vermitteln, erklärte die Pianistin, und diese Mischung war einfach phänomenal! Denn neben den üblichen Yoga-Übungen „Schiefe Ebene“ und „Kleine Kobra“ war auch genügend Zeit, ganz entspannt im Liegen eine Konzerterfahrung ganz besonderer Art zu machen. Ob es an den akustisch wirkenden dicken Eichen-Dielen oder der ungewohnten Tiefen-Entspannung in einem Konzertsaal lag, so intensiv und emotional hat man als Zuhörer noch nie Massenets Meditation aus „Thaïs“ oder Rachmaninows Variation 18 eines Paganini-Themas gehört. „Loslassen“, die Intention des Yoga-Trainings, wurde zum Einlassen auf klassische Musik. Und wie fröhlich klingt ein Mantra, wenn es wie hier auf die Melodie des Pachelbel-Kanons gesungen wird. Fazit: Unbedingt mehr davon!

Mantras zu Pachelbel

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Kochen mit Komponisten

Mozart zum Genießen hatten die Macher des „Feschtles“ versprochen. Zumindest genussreiche Klassik wurde in der Maximiliansklause gereicht mit der „Komponisten-Kochshow“. Entgegen der Ankündigung kochten hier nicht Komponisten selbst, sondern die gebürtige Augsburger Sopranistin Elke Kottmair rührte singend mit Andreas Sauerzapf und Bryan Rothfuss, zwei charmanten Kollegen der Staatsoperette Dresden, in den Töpfen. In bester Operettenlaune bedienten sie ihre Elektro-Herdplatten, schnitten eher grobmotorisch Zwiebeln und Suppengemüse oder vermengten die Zutaten lässig zu einem Teig. Immer in Bewegung, oft etwas hektisch über dem heißen Fett, sangen sie wie nebenbei Operetten- und Zauberflöten-Schlager mit eigenem Text. Das hatte Tempo und Schwung, gewürzt mit Kalauern und Anekdoten rund um das Verhältnis der Musiker zum Essen. Wussten Sie, dass Robert Schumann Mehlspeisen gehasst hatte? Dass der Eierpunsch im Hause Brahms mit 12 Eiern auf anderthalb Pfund Zucker auf einen Liter Rum gebraut wurde? Verständlich da der hinreißend gesungene Schwips von Elke Kottmair.

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Verirrt – was vermutlich an dem nicht ganz so übersichtlichen, übervollen Faltblatt lag, das mit Infofähnchen und kleinen Logos den Stundenplan zu einem Pseudo-3D-Plan aufblähte – hatte sich eine Dame, die zum „Offenen Singen“ im Zeughaus wollte. Stattdessen war sie beim Menuett-Tanzen gelandet und beobachtete mit leuchtenden Augen und einem amüsierten Lächeln die Tänzer, die den Kleinen Goldenen Saal mit anfangs noch schwerfälligen, zunehmend leichten Schritten füllten.. Der Einladung zum Menuett-Tanzen folgten 28 Tanzwütige, die es sich vermutlich einfacher vorgestellt hatten. Aber Ballettmanager Armin Frauenschuh, wie Mozart gebürtiger Salzburger, führte die Paare sicher durch die scheinbar simplen Schritte und platzgreifenden Choreografien. Der Tänzer ließ ganz leicht aussehen, was sich dann doch als vertrackte Schrittfolge herausstellte. Denn bei diesem höfischen Barocktanz wechseln die Aussetzer beim Schreiten durch die Takte durch. Das kann sehr elegant und anmutig aussehen. Für die beiden jüngsten Tänzer in der Gruppe, Elina und Laurin Gütinger, 12 und 14 Jahre alt, war es auch ein großer Spaß.

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