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Theater

18.11.2013

Marionetten zaubern in Oz

Mit Liebe zum Detail wartet die Neuinszenierung von „Der Zauberer von Oz“ der Augsburger Puppenkiste auf, von links sind die Marionetten erster Munchkin, zweiter Munchkin, Gute Hexe des Nordens, Doro und das Hündchen zu sehen.
Bild: Fred Schöllhorn

Die Augsburger Puppenkiste inszeniert den Kinderbuchklassiker von Lyman Frank Baum frisch und frech. Die Botschaft kommt beim Publikum an

Frisch, frech und dabei den vertrauten Puppenkisten-Charme versprühend, so zeigte sich die Neuinszenierung des „Zauberer von Oz“, die in der Augsburger Puppenkiste Premiere feierte. Sie trug die Handschrift des Nachwuchstalents Florian Moch (26), der nicht nur für die Inszenierung und Regie verantwortlich war, sondern auch das Bühnenbild entworfen und die Marionetten samt ihren Kostümen geschaffen hat. Die Romanvorlage stammt von Lyman Frank Baum.

Spannung gepaart mit Witz baut sich von Anfang an auf: Es reitet die Hauptfigur Doro auf einer Kuh vor einer Almhütte, während ihr Onkel vergeblich versucht, ein Huhn einzufangen. Das Durcheinander wird komplett, als ein Gewittersturm aufkommt, und gleich das ganze Haus fortträgt, mitten hinein ins fantastische Smaragdland Oz, mit übergroßen Blumen, Pilzen und fleischfressenden Pflanzen. Doro macht gleich Bekanntschaft mit allerhand skurrilen Figuren, allen voran der bösen Westhexe, die – ein Running Gag bei dieser Inszenierung – auf einem knatternden Besen mit Fehlzündungen daher fliegt. Begleitet wird sie von einem geflügelten Affen, einer Figur, der, sobald sie auftaucht, die Sympathien der Zuschauer zufliegen. Allein schon, weil der Affe hinter jede seiner Aussagen anstelle eines Punktes einfach das Wort „Banane!“ setzt.

Die Figuren sind liebenswürdig gestaltet

Marionetten zaubern in Oz

Doro macht sich mit ihrem Hündchen Toto auf zur Smaragdstadt, zum großen Zauberer von Oz, der angeblich Wünsche erfüllen kann. Ihr Wunsch ist es, endlich wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Auf dem Weg zum Zauberer schließen sich dem Mädchen allerhand Figuren an – jede mit einem vermeintlichen Makel, von dem sie befreit werden möchte, jede also mit einem eigenen Wunsch.

Liebenswürdig sind diese Figuren gestaltet. Da ist die Vogelscheuche mit ihrem Kopf aus Stroh, die, kaum hat sie einen Satz beendet, schon nicht mehr weiß, wie er angefangen hat. Da ist auch der Blechmann, der, sobald ihn ein Regenschauer erwischt, rostet und quietscht. Sein Problem ist, dass er „nicht lieben, nicht traurig sein und sich auch nicht freuen kann“. Schließlich ist da noch ein Löwe, der sich immer fürchterlich fürchtet. Alles Typen, denen Menschliches nicht fremd ist.

In der Gewissheit, dass zusammen selbst die größten Gefahren zu bewältigen sind, ziehen die Freunde durch allerhand Landschaften. Bezaubernd die Bühnenbilder – der unheimliche Wald mit seinen großen Bäumen, eine karstige Felslandschaft, in der ein feuerspeiender Drache haust, ein romantisches Mohnfeld, trügerisch, weil es alles Lebendige in tiefen Schlaf versetzt. Respekt einflößend ist der Thronsaal des Zauberers, und am Schluss weitet sich ein leuchtender Sternenhimmel vor einer Balustrade.

Ob Kind, ob Erwachsener, die Botschaft, die diesem Stück innewohnt, erschließt sich sorgsam jedem. Dass es zutiefst menschlich ist, Schwächen zu haben und dass es gelingen kann, zusammen mit Freunden durch alle Gefährdungen des Lebens hindurch diese Schwächen zu überwinden, ja sogar zu entdecken, welche Stärken in einem schlummern.

Wie oft etwa ist der Blechmann zu Tränen gerührt und merkt es gar nicht, dass sein Wunsch, wieder fühlen zu können, sich schon längst erfüllt hat. Im bekannten Puppenkisten-Sound, modern gefärbt, kommt die Musik (Martin Stefaniak) daher – vorwiegend die typischen Holzbläser. Und so manch bekannter Sprecher hat den Figuren Stimme verliehen. Eine rundum geglückte Inszenierung!

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