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Augsburg

22.07.2019

Maroder Brunnen soll wieder sprudeln

Seit 40 Jahren steht der Bechteler-Brunnen auf dem Schulhof und dient dem Rudolf-Diesel-Gymnasium als zentraler Treffpunkt in den Ruhephasen. Warum auch der Künstler für den Erhalt wirbt.

Auf dem Schulgelände des Rudolf-Diesel-Gymnasiums (RDG) in Hochzoll ist es ruhig. Zu ruhig. Etwas fehlt. Während die Schüler in den Klassenzimmern sitzen, ist nur die nahe Friedberger Straße zu hören. Das war einmal anders. Lange plätscherte und sprudelte im Hof der Bechteler-Brunnen, der zu einem Wahrzeichen der Schule geworden ist. Heute, 40 Jahre nach Installation, ragt von dem eindrücklichen Kunstwerk nur noch das zentrale Element aus einer unansehnlichen Bretterverkleidung. „Sanierungsbedürftig“ lautet das Urteil. Mühen und Einsatz der Schulfamilie konnten lange nicht erreichen, dass der Brunnen und damit einer der zentralen Treffpunkte auf dem Pausenhof wieder sprudeln darf.

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Am vergangenen Montag dann die gute Nachricht. Stadtrat Stefan Quarg verkündete am Rudolf-Diesel-Gymnasium in Vertretung von Oberbürgermeister Kurt Gribl: „Der Brunnen wird schnellstmöglich wieder geöffnet und auf Mängel untersucht.“ Er stellte außerdem in Aussicht, dass eine Sanierung noch dieses Jahr über die Bühne gehen könnte, „damit sich der Brunnen wieder so darstellt, wie er sein soll“.

Recherchen eines Abiturienten

Wie kam es zu dieser Wende im Fall Bechteler-Brunnen? Dabei spielt vor allem ein junger Mann eine entscheidende Rolle. Maurizio Karge, Abiturient am RDG, fand bei Recherchen zur Geschichte der Schule heraus, dass der Brunnen bereits 1979 aufgestellt worden war. Der geschichtsinteressierte Schüler forschte weiter und kontaktierte den Künstler und Gestalter, Bildhauer Christoph Bechteler. Gemeinsam mit Schulleiter Herbert Hofmann, dem Elternbeirat und engagierten Schülern und Lehrkräften entstand die Idee für einen Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Bechteler-Brunnens.

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In diesem Rahmen kamen am vergangenen Montag viele Schüler, Lehrkräfte und der Elternbeiratsvorsitzende auf dem Schulgelände zusammen. Unter den Gästen war auch Christoph Bechteler selbst. „Es schmerzt, den Brunnen in diesem Zustand zu sehen“, sagte Oberstudiendirektor Hofmann zu Beginn der Veranstaltung. Er betonte die besondere Bedeutung des Ortes als Treffpunkt und Erholungsort. Nicht nur für die Schüler in den Pausen.

Weite Teile des Schulgeländes des RDG sind offen und bieten damit auch für Hochzoller Bürger einen Platz zum Entspannen. „Es ist traurig, dass ausgerechnet in diesem Jahr, in dem Augsburg zur Wasserstadt gekürt wird, unser Brunnen versiegt“, so Hofmann.

Noch bevor der „Verursacher des Ganzen“, wie der Schulleiter Maurizio Karge nannte, seine Rede vortrug, sprach Stefan Quarg sein Grußwort und erfüllte mit seinem Versprechen, den Brunnen zu sanieren, den Wunsch vieler anwesender Schüler und Lehrkräfte. Auch Christoph Bechteler war sichtlich erleichtert: „Wir haben uns lange für den Brunnen engagiert“, sagte 84-Jährige. „Ich freue mich, dass er jetzt saniert wird.“

Der Brunnen gehört zur Schule, wie der Diesel zum Motor

Die Aussicht, dass das Wasser schon bald wieder auf dem Schulgelände sprudeln könnte, nahm der klugen Rede von Maurizio Karge im Anschluss nichts von ihrer Deutlichkeit: Brunnen und RDG gehören zusammen, wie der Diesel zum Motor. Der Abiturient erzählte humorvoll, welche Hürden der Brunnen bereits nehmen musste, bevor er in der heutigen Form 1979 erbaut wurde. Und er schloss mit einem Ausblick. So ein Brunnen, sagte er, sei ja regenerativ, während man das vom Dieselmotor nicht gerade behaupten könnte. „Also taugt der Brunnen auch in Zeiten von Klimawandel und den Rufen nach Nachhaltigkeit noch zum Wahrzeichen.“

Damit das Versprechen der Brunnensanierung auch nicht in Vergessenheit gerät, übergaben die Schüler zum Abschluss noch eine Unterschriftenliste und einen Brief an den Stadtrat. Darin folgende Passage: „Wir finden, dass unser Brunnen weiterbetrieben werden soll. Einer Stadt, die wegen ihres Wassermanagementsystems Unesco-Welterbestätte ist, stünde das gut zu Gesicht!“

Vielleicht kann das RDG also schon im kommenden Schuljahr die Rückkehr des Wassers auf den Schulhof feiern. Und es gibt noch etwas zu feiern. „Im Oktober wird der Neubau eröffnet, mit Festakt und Herbstball“, so Hofmann. Das RDG wird aktuell für insgesamt 36,5 Millionen Euro saniert und modernisiert. Aktuell ist der zweite von fünf großen Bauabschnitten im Gange. Unter anderem werden die naturwissenschaftlichen Fachräume werden renoviert. „Damit liegen wir gut im Zeitplan“, sagt Schulleiter Hofmann. „In den Sommerferien werden jetzt Arbeiten erledigt, die während der Schulzeit zu viel Lärm machen würden.“

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