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Interview

16.02.2015

Maximale Textarbeit, maximale Verantwortung

Die Augsburgerin Kathinka Nohl auf den Stufen der St. Paul’s Cathedral in London.
Bild: privat

Die Augsburgerin Kathinka Nohl baut in London für einen englischen Verlag eine deutsche E-Book-Sparte auf

Frau Nohl, eine Deutsche in einem englischen Verlagshaus, geht das?

In meinem Fall geht das sogar sehr gut. Endeavour Press suchte jemanden, der einen deutschen Imprint des englischen E-Book-Verlages aufbaut und betreut. Da ist es unerlässlich, dass Deutsch meine Muttersprache ist. Schwierig wäre es nur, wenn ich englischsprachige Texte überarbeiten müsste. Das liegt aber zum Glück nicht in meinem Aufgabengebiet.

Wie sind Sie dazu gekommen? Gibt es Sprachbarrieren?

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Für mich war schon während meines Studiums der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft in München klar, dass ich ins Verlagswesen will. Als Nebenjob habe ich einige Übersetzungen Korrektur gelesen und mich auch selbst an die Übersetzung des ein oder anderen Sachbuchkapitels gewagt. Nach dem Studium habe ich bei Heyne ein Praktikum im Sachbuchlektorat gemacht und noch ein halbes Jahr länger für sie als freie Lektorin gearbeitet. Dann bin ich nach London umgezogen und habe hier bei einem Magazin des Goethe-Instituts namens „New Books in German“ als Editorial Assistant und später bei der Tanja Howarth Literary Agency als Junior Agentin gearbeitet.

Und wie sind Sie zu Endeavour Press gekommen?

Eigentlich wollte ich immer selbst an Texten arbeiten und habe mich deswegen auf die Stelle bei Endeavour Press beworben – maximale Textarbeit und maximale Verantwortung. Sprachbarrieren gibt es kaum. Dazu ist mein Englisch doch zu gut. Beim allwöchentlichen Quiz mit den Kolleginnen und Chefs merke ich bei komplexeren Fragen zwar, dass es bei mir immer ein bisschen länger dauert, bis die Frage völlig bei mir angekommen ist, aber ansonsten gibt es keine Verständigungsschwierigkeiten. Manchmal stoße ich beim Übersetzen auf Probleme, die einige Zeit und einige Recherche in Anspruch nehmen. Aber das ist ganz normal, denke ich.

Welche Projekte betreuen Sie? Was sind Ihre Aufgaben?

Ich betreue alle Projekte von Endeavour Press Germany. Darunter sind Übersetzungen von englischen Endeavour-Press-Titeln, deutsche Originalausgaben, Neuauflagen von Out-of-Print-Titeln oder Bücher, bei denen das Copyright abgelaufen ist und die es noch nicht als E-Book gibt. Und bei diesen Projekten mache ich alles, vom ersten Autorenkontakt bis zum Marketing nach Erscheinen des Buchs. Ich betreue die Übersetzungen oder den Schreibvorgang, redigiere, formatiere, entwerfe Cover, lade das Buch hoch, kümmere mich um Verträge und eben Marketing und Pressearbeit. Ab Februar habe ich dann Gott sei Dank regelmäßig Praktikanten, die mich ein bisschen unterstützen.

Was macht den Endeavour-Verlag besonders?

Endeavour Press ist deswegen besonders, weil sie immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Als die E-Books auf dem englischsprachigen Markt ungefähr so beliebt waren, wie sie es heute in Deutschland sind, wurde der englische Verlag gegründet. Die Idee war, bereit zu sein, wenn die E-Books anfangen, richtig einzuschlagen. Genauso geschieht es nun mit dem deutschen Imprint. Wir sind sehr schnell, wenn es um Trends geht, und auch relativ unkompliziert bei der Zusammenarbeit mit Autoren oder Agenten. Außerdem sind wir ein extrem junges Team, da macht die Arbeit noch mal mehr Spaß.

Ein Buch, mit dem Sie auch zu tun haben, hatte besonderen Erfolg. Wie kam das zustande?

Da fallen mir spontan gleich zwei Bücher ein. Das eine, eines meiner ersten Bücher überhaupt für Endeavour Press Germany, war Jakob Walters „Tagebuch eines napoleonischen Fußsoldaten“. Das ist das Originaltagebuch eines Soldaten zur Zeit der napoleonischen Kriege. Jakob Walter war einfacher Maurer und kämpfte während drei Feldzügen in der Grande Armée. Seine Aufzeichnungen sind sprachlich eine echte Herausforderung – da musste ich viel glätten – aber auch echt unterhaltsam, manchmal sehr komisch, manchmal herzzerreißend traurig. Dieses Buch war in seinem Genre schon #1-Bestseller auf Amazon. Das war ein toller Erfolg so ganz zu Anfang.

Und das zweite Buch, von dem Sie gesprochen haben?

Das ist im Moment der Bestseller von Endeavour Press Germany. Es ist der erste Band einer Krimireihe von Steve Attridge namens „Philosophische Ermittlungen“ und ist als Kindle Single erschienen. Es geht darin um den Privatdetektiv Paul Rook, der gleichzeitig Philosophiedozent ist. Eine sehr spannende Mischung. Der Stil erinnert mich ein bisschen an die amerikanischen Hard-boiled-Detektive der dreißiger und vierziger Jahre: Der Detektiv als zynischer Einzelgänger, der keinen Gesetzen oder Regeln folgt. Die Übersetzung hat schon großen Spaß gemacht und bei den Lesern scheint es auch gut anzukommen. In ein paar Monaten gibt es den zweiten Band. Interview: Richard Mayr

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