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Augsburg

07.05.2020

Maxstraße soll autofreie Zone werden: Betroffene fürchten "tote Innenstadt"

Geht es nach der neuen Augsburger Regierungskoalition soll das Pilotprojekt „autofreie Maximilianstraße“ für mehr Aufenthaltsqualität sorgen. Anwohner und Einzelhandel haben einige Kritikpunkte.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die schwarz-grüne Koalition will den Verkehr aus manchen Bereichen der Augsburger Innenstadt verbannen. Doch viele Händler und Anwohner sehen das kritisch.

Gerhard Schenk ist in seinen Konditorladen in der Maxstraße zurückgeeilt und wirkt hinter der Schutzmaske kurzzeitig atemlos. Er sagt: „Entschuldigen Sie, der Parkplatz vor meinem Geschäft wurde gerade frei. Das musste ich für eine Anlieferung ausnutzen.“ Zum Thema „autofreie Maximilianstraße“ findet er deutliche Worte – trotz Maske. Die neue schwarz-grüne Koalition im Rathaus hat vereinbart, dass Autos aus der Maximilianstraße verbannt werden sollen. Es soll ein Pilotprojekt sein, denn die Vision einer komplett autofreien Innenstadt konnten die Grünen in den Verhandlungen mit der CSU nicht durchsetzen. Ein weiterer Punkt aus dem Koalitionsvertrag: In die Altstadt sollen künftig nur noch Anlieger fahren dürfen. Das Thema bewegt die Menschen. Nicht nur Geschäftsleute haben Bedenken.

Die Maxstraße soll autofrei werden. Aktuell ist das für so manchen Augsburger wohl nur schwer vorstellbar.
Bild: Silvio Wyszengrad

Schwarz-Grün in Augsburg will weniger Autos im Zentrum

Celia Johnson liebt lebhafte Innenstädte. Darum wohnt die Medizinerin mit ihrer Familie gerne in Augsburgs Prachtmeile, wie die Maximilianstraße oft genannt wird. Sie sagt, sie wisse nicht, welchen Vorteil eine autofreie Maxstraße bringen soll. Jetzt würden Kunden schnell mal anhalten, um in einen Laden zu gehen. Johnson befürchtet, dass ohne Autos weniger Menschen kommen. „Das wird eine tote Innenstadt“, befürchtet die Anwohnerin. Noch steht nicht fest, wie das Projekt umgesetzt werden soll, die Stadt prüft derzeit Möglichkeiten. Das Konzept müsse noch entwickelt und vom Stadtrat mit Oberbürgermeisterin und Baureferat umgesetzt werden, sagt CSU-Parteichef Volker Ullrich auf Nachfrage. Ihm sei bei dem Verfahren vor allem wichtig, die Bürger miteinzubinden.

Ullrich betont, dass Maxstraße und Altstadt für Anwohner und Lieferverkehr erreichbar bleiben sollen. „Gleichwohl gibt es Bereiche, die vom Autoverkehr entlastet werden müssen.“ Er denke da an das Lechviertel. In der Maxstraße halte er es für denkbar, den Abschnitt vom Moritzplatz bis zum Herkulesbrunnen zu sperren. Peter Rauscher, Fraktionschef der Grünen, will noch keine Pferde scheu machen. Man brauche erst eine Bestandsaufnahme, etwa was die Parkplätze und Bedürfnisse der Anwohner angehe. Dann folge ein Konzept. Wichtig ist für Rauscher die Sperrung der Altstadt für den Durchgangsverkehr. „Wir wollen dort Autos aus dem Umland herausbringen.“ Was die Maxstraße anbelangt, könne er sich ein Zeitfenster für Lieferfahrzeuge vorstellen. So wird es in der Fußgängerzone in der Annastraße gehandhabt. Dort sind Anlieferungen bis elf Uhr vormittags erlaubt.

Konditormeister Schenk: Der Lieferverkehr muss gewährleistet sein

Gerhard Schenk würde so eine zeitliche Beschränkung nicht viel bringen. Der Konditormeister erzählt, dass sein Geschäft in der Maximilianstraße den ganzen Tag über beliefert wird. „Der Lieferverkehr müsste den ganzen Tag gewährleistet sein“, sagt Schenk. Generell findet er eine autofreie Maxstraße bedenklich. „Hier ist die einzige Möglichkeit, in der Innenstadt mal kurz zu parken und etwas zu besorgen.“ Er befürchtet, dass Kunden ausbleiben und sich lieber in Einkaufszentren wie der City-Galerie aufhalten.

Dass auch Kunden von dem Projekt nicht begeistert sind, weiß Fatos Kutlucan zu berichten. Die Filialleiterin der Modeboutique „Oui“ sagt, einige hätten sie schon darauf angesprochen und ihren Unmut kundgetan. „Ich habe viele ältere Kunden, die auf die Schnelle mit dem Auto zu mir kommen.“ Überhaupt frage sie sich, was eine autofreie Zone hier bringen soll. „Die Maximilianstraße ist breit, man hat auch auf den Gehwegen genug Platz.“ Es gebe einen Fahrradstreifen. „Die Straße muss nicht autofrei sein.“ Für Peter Rauscher von den Grünen besteht darin jedoch die Chance, die Maxstraße als Prachtmeile aufzuwerten und eine hohe Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Offen ist, wie die autofreie Maxstraße gestaltet werden soll

Doch wie soll eine Maximilianstraße letztendlich gestaltet werden, wenn Autos ausgesperrt sind? Das fragt sich Geschäftsfrau Gabriela Baumgärtner. „Das ist eine riesige, breite Straße. Wenn sie ganz leer ist, sollen dann überall Leute spazieren gehen?“ Die Inhaberin des Geschäfts für Einrichtung und Wohnaccessoires Linea kann sich das kaum vorstellen. Grundsätzlich finde sie eine Reduzierung des Verkehrs zwar gut. Aber viele Kunden seien darauf angewiesen, in der Maxstraße parken zu können. „In meinem Geschäft werden auch größere Objekte, wie Stühle, gekauft. Die Menschen müssen ihr Auto zum Ent- oder Beladen abstellen können.“ Dies sei ohnehin schon schwer, weil kaum Parkplätze frei seien.

# Corona,Virus, ÖPNV, Öffentlicher Nahverkehr, Schutz für Busfahrer
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Bild: Brigitte Mellert, Silvio Wyzengrad, Annette Zoepf, Ina Marks, Gunter Oley

Wolfgang Feldmayer hat einen eigenen Vorschlag in dieser Diskussion. Er ist nicht nur Anwohner in der Maxstraße, sondern betreibt am angrenzenden Ulrichsplatz auch sein Immobilien- und Mietverwaltungsbüro. Feldmayer hält nur eine zeitweise Sperrung für sinnvoll. Er plädiert dafür, die Kaisermeile unter der Woche tagsüber offen zu lassen und sie erst abends abzuriegeln, wie auch samstags ab dem späten Nachmittag und sonntags. So könne man zu Geschäftszeiten weiter Kunden anlocken, aber jene aussperren, auf die man in der Maximilianstraße gut verzichten könne. „Nämlich die, die mit ihren dicken Reifen und großen Auspuffs zehn mal hoch und runter fahren mit teilweise bis zu Tempo 80 und Reifen quietschen lassen.“ Eine Idee für die Umsetzung liefert Feldmayer gleich mit: elektrische Pfosten, die sich per Funk bedienen ließen.

Was spricht für eine autofreie Maxstraße? Und was dagegen? Lesen Sie einen Kommentar von Redakteur Jörg Heinzle: Zukunft der Maxstraße: Was autofrei bedeuten kann

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.05.2020

Sehr gut . Autos ins Parkhaus , Schluss ! Kann man ja günstiger machen das parken dort ...
Die Menschen die einkaufen wollen kommen so oder so in die Maxstr . und harte Auto Menschen chillen in der City Gallerie und so weiter ..

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07.05.2020

Welches Parkhaus?

Da wo man erst mal das genannte Einkaufscenter durchqueren muss?

Die CSU weiß genau, dass in dieser Legislaturperiode nach dem drohenden Rohrkrepierer Fuzo Maxstraße nichts mehr kommt - und darum sind die auch dabei.

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07.05.2020

Gut so!
Die Altstadt gleich auch mit dazu nehmen!

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07.05.2020

Warum nicht den Verkehr von 7:00 bis 20:00 zulassen wie gehabt, ab 20:00 und am Wochenende fahren die Poller hoch und die Anwohner finden Ruhe, die Gastronomen können die Straße abends besser bespielen.
Ein wenig Grün könnte auch nicht schaden.
Und nebenbei dieses nervtötende Granitpflaster gegen etwas weniger holpriges Austauschen.

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07.05.2020

Das verbannen der Fahrzeuge aus den Zentren, nach Wiener Vorbild ist nur zu begrüßen.

Allerdings ist das Projekt in Augsburg surreal, da nach wie vor ÖPNV, Taxen, Lieferverkehr und Co. in großer Anzahl durch den Abschnitt verkehren.

Man sieht es auch zwischen Rathaus- und Königsplatz, eigentlich autofrei. Der Fußgänger hat aber keinen wirklichen Mehrwert.

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07.05.2020

Der Mehrwert ist der jederzeit mögliche Seitenwechsel, Schadstoffarmut und geringerer Lärm.

Und Wien hat auch nirgendwo den Lieferverkehr und den ÖPNV rausgeworfen.

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07.05.2020

Eigenartige Diskussion: die Autos benötigen Parkplätze, um in den dortigen Geschäften einkaufen zu können. Es gibt genügend Parkhäuser in der näheren Umgebung, dann ist ja diese kostenfrei "City-zone", welche dann von den "Autofahren benutz werden kann, um in dieser Gegend einkaufen zu können. Diesen Teil könnte man hervorragend zu einer Flaniermeile mit Straßenrestaurants, Cafés und attraktiver Grünbepflanzung umgestalten.
Kann mich noch gut erinnern, als in Rothenburg ob der Tauber die Innerstadt vor Jahrzehnten für den Verkehr gesperrt werden sollte. Die gleichen Argumente wie hier! Nach einem Jahr hatte man festgestellt, dass die Verkehrsberuhigung mehr Umsatz brachte als vorher. Man hat den Kernbereich mit elektrischen Pollen abgesichert, sodass im Notfall, bzw. bei dringend nötigen Lieferungen, man ein- und ausfahren kann.

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07.05.2020

Die gepflasterte Steinwüste namens Ulrichsplatz ist meines Erachtens so ziemlich der ungemütlichste Ort in der ganzen Altstadt. Es gab da doch mal einen Investor, der auf eigene Kosten eine Tiefgarage in der Maxstraße bauen und betreiben wollte? Irgendwie wurde der vergrault.
Und das scheint mir die beste Lösung zu sein, einfach die Straße aufzugraben, danach frische Tramgleise und etwas Erde für Bäume draufzulegen. Fragt sich nur, ob sich derzeit jemand findet, der sein Vermögen in der Maxstraße "parken" möchte.

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07.05.2020

Die Fahrradstadt Augsburg braucht keine Fußgänger und Autofahrer in der Innenstadt. Die Fahrradfahrer mit eigenen Verkehrsregeln ermöglichen den Fußgängern kein entspanntes verweilen in der Innenstadt.

Die Bahnhofstraße in Augsburg ist ein Zeichen für verschlafene Verkehrspolitik in Augsburg, die Bahnhofstraße das Tor zur Innenstadt, könnte schon seit mehr als 30 Jahren Fußgängerzone sein mit Brunnen und Sitzgelegenheiten.

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07.05.2020

>> Die neue schwarz-grüne Koalition im Rathaus hat vereinbart, dass Autos aus der Maximilianstraße verbannt werden sollen. <<

Nachdem nun die Hauptverantwortlichen gemeinsam in der Regierungsverantwortung stehen, könnten die erst mal einen staufreien Ausgang für die Tram aus dem 250-Mio-Tunnelloch am Hauptbahnhof finden?

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07.05.2020

Ich finde eine autofreie Maxstraße super. Was ich interessant finde das die AZ immer Bedenken gegen eine Auto freie Innenstadt findet, ist das dem koservativen Stil der Zeitung geschuldet? Oder die tatsächliche Meinung der Bürger?
Eine Auto freie Bgm. Fischer Straße, Annastr. läuft auch gut und damals als diese Straßen autofrei wurden, gab es bestimmt auch Bedenken!
Optimistisch sein und das Auto als ein Verkehrsmittel wahrnehmen und nicht als das einzige Verkehrsmittel!

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07.05.2020

Man kann aber die Annastraße und die Bgm.-Fischer-Straße (Zentrum der Geschäftswelt, Kaufhäuser, Stadtmarkt) schwerlich mit der oberen Maxstraße (wenige Geschäfte schon gar keine Kundenmagneten) vergleichen. Ja, vllt. kann man die Gastronomie verdoppeln und noch ein paar Meter in die Straße hineinziehen. Trotzdem wird dann noch eine riesige ungenutzte Fläche liegen und den Eindruck von toter Hose vermitteln. Am Ende kommt die Idee wieder auf, die Mitte der Maxstraße zu bebauen. Gab es alles schon mal und war vor allem schon mal so. Wollen wir das?

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07.05.2020

Der Abschnitt Karolinenstraße bis Fischertor wäre wegen der beengten Situation und den suboptimalen Verhältnissen für Radfahrer viel dringender für eine Verkehrsberuhigung!

In der Maxstraße ist nun mal wirklich Platz für alle Verkehrsteilnehmer - also ist da sachlich kein Handlungsdruck begründbar. Eine Umgestaltung der Fahrbahn ist ohnehin nicht finanzierbar und damit wird da auch niemals jemand laufen, wenn die Ränder bereits schön gepflastert sind.

Das ist einfach ein ideologischer Gehirnpfurz!

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