1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Mehr Geld für den Bücherschatz

Betriebskosten

17.11.2011

Mehr Geld für den Bücherschatz

Ein Bücherschatz in einem problematischen Umfeld: Die Augsburger Staats- und Stadtbibliothek müsste dringend saniert und modernisiert werden.
Bild: Foto: Silvio Wyszengrad

Wissenschaftsminister verspricht höheren Zuschuss für den Betrieb der Staats- und Stadtbibliothek, beim Wunsch nach einer schnellen Verstaatlichung winkt er aber ab.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für die wertvolle, aber heruntergekommene Augsburger Staats- und Stadtbibliothek: Der Freistaat will sich finanziell wesentlich stärker am Betrieb der gemeinsamen Einrichtung beteiligen. Wie Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) gestern ankündigte, soll der Landesanteil von bisher rund 19 000 Euro pro Jahr stufenweise auf 350 000 Euro steigen. Damit erfüllt der Freistaat den Wunsch der Stadtspitze nach einer gerechteren Aufteilung der jährlich knapp eine Million Euro Betriebskosten.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Die geschichtsträchtige Bibliothek hat seit Jahren mit vielen Problemen zu kämpfen – angefangen bei der Finanzierung des laufenden Betriebs über den Schutz der wertvollen alten Bücher und Schriften bis hin zum Sanierungsstau im historischen Gebäude an der Schaezlerstraße. Vor einem Jahr stand wegen der städtischen Geldnöte eine Zerschlagung der „Stabi“ im Raum, die aber an einer Welle des Protestes scheiterte. Danach wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Stadt, Freistaat und Experten eingerichtet, um ein Zukunftskonzept für Augsburgs älteste Kultureinrichtung zu finden. Die Ergebnisse fasste Heubisch im Rathaus zusammen. „Ich freue mich, dass wir feststellen können: Die Auflösung der 475 Jahre alten Einrichtung ist vom Tisch.“

Betriebskosten Der staatliche Zuschuss soll möglichst bald auf 350 000 Euro steigen. Im Gegenzug soll die Bayerische Staatsbibliothek mehr Mitspracherecht im Sinne einer Fachaufsicht bekommen. Parallel sollen die Augsburger ihre Betriebskosten um rund 100000 Euro auf 850 000 Euro senken.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Profil Die Augsburger Bibliothek soll sich außerdem zu einer regional orientierten Forschungsbibliothek entwickeln und damit ihr Profil schärfen. Die Experten empfehlen, keine allgemeine Literatur zur Grundversorgung der Bevölkerung mehr anzuschaffen. Dieser Bedarf könne weitgehend durch Stadtbücherei und Unibibliothek abgedeckt werden. Das übrige Geld für Erwerbungen soll in Anschaffungen für den Altbestand gesteckt werden.

Kooperation Die Experten empfehlen der Stabi weiter, einen Kooperationsvertrag mit der Unibib-liothek zu schließen. Dadurch soll sie Anschluss an moderne Entwicklungen wie die Digitalisierung von Texten bekommen, aber auch die Nutzerzahlen erhöhen.

Modernisierung Der Betrieb soll modernisiert und nutzerfreundlicher werden (elektron. Ausleihe).

Bestandsschutz/Neubau Dringenden Handlungsbedarf sehen die Experten beim Schutz der historischen Bestände. Sie sind durch extreme Schwankungen von Temperatur und Feuchtigkeit gefährdet. Deshalb sei eine bauliche Neukonzeption nötig. Das vorliegende Konzept der Stadt für 4,45 Millionen Euro müsse überarbeitet werden, vor allem wegen der nötigen modernen technischen Ausstattung.

Wie dramatisch die Lage ist, macht Rolf Griebel, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek deutlich. „Die Magazinierung ist so nicht verantwortbar.“ Technische Modernisierungen seien dringend nötig, wenn die Bibliothek und damit das kulturelle Erbe Augsburgs national und international besser wahrgenommen werden sollen.

Noch nicht entscheidungsreif

Kulturreferent Peter Grab sieht dagegen mit dem höheren Betriebskostenzuschuss des Freistaates bei der Bibliothek „den Durchbruch geschafft“. Das Ziel der Stadt einer Kostenaufteilung von 50 zu 50 sei erreicht. Bei der Initiative Staats- und Stadtbibliothek spricht man von einem „guten Zwischenergebnis“. Bis zu einer Entscheidung über eine komplette Verstaatlichung der Stabi dürfe es aber nicht zu einem Stillstand kommen, warnt Vorsitzender Helmut Zäh.

Zu einer schnellen Verstaatlichung der Bibliothek, wie sie OB Kurt Gribl wegen der Sparzwänge der Stadt favorisiert, wird es aber wohl nicht kommen. Ob und wann dieser Antrag der Stadt Erfolg haben wird, sei momentan nicht zu sagen, so Heubisch. Er werde sich dafür einsetzen, versprach der Minister, das Ergebnis hänge aber von weiteren Verhandlungen ab – davon ab, wie viel finanziellen Spielraum es beim Freistaat gibt.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren