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Augsburg

21.01.2016

Mehr als 100000 Euro um den Bauch gewickelt

Eine Frau wollte mit mehr als 100000 Euro ausreisen - und sagte dem Zoll nichts davon. Das hatte Folgen.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Eine Türkin meldete hohe Bargeldsumme nicht beim Flughafenzoll an. Das hat teure Folgen für sie.

Wer hohe Summen von Bargeld (über 10000 Euro) mit über eine Grenze nimmt, muss dies beim Zoll ungefragt anmelden. Sonst könnte es sehr teuer werden. Denn nach dem Zollgesetz drohen saftige Strafen von bis zu 25 Prozent der geschmuggelten Geldsumme. Eine bittere Erfahrung musste eine Türkin, 53, machen, die im August 2015 vom Flughafen München aus nach Antalya in die Türkei reisen wollte. Beim Sicherheitscheck im Terminal 1 fand die Security, eingenäht in einem Wickeltuch um den Bauch der Frau, 210 Geldscheine à 500 Euro, also 105000 Euro. Im Geldbeutel der Passagierin waren noch 650 Euro zusätzlich. Den Gesamtbetrag, also 105 650 Euro, hätte die Türkin bei der Ausreise beim Zoll anmelden müssen, was aber nicht geschehen war. Die Folge war ein Bußgeldbescheid des Zolls in Höhe von 10 565 Euro, gegen den sie sich nun vor Gericht wehrte. Zuständig für den Zoll am Münchener Flughafen ist das Hauptzollamt Augsburg, deshalb fand das Verfahren am Amtsgericht vor Richterin Yvonne Möller statt.

Bargeld für Hauskauf

Die Türkin (im Ordnungswidrigkeitenprozess Betroffene genannt) sagte mit Tränen in den Augen, das Bargeld, das sie als Immobiliendarlehen von einer Bank erhalten habe, sei für einen Hauskauf in der Türkei bestimmt gewesen. „Ich habe es am Körper getragen, damit es mir nicht gestohlen wird“. Sie habe nicht gewusst, dass man größere Bargeldsummen bei der Ausreise anmelden muss. „Ich bin ja überhaupt nicht gefragt worden“, argumentierte sie. Auch der Hinweis der Richterin, im Flughafenterminal stünden vor der Passkontrolle große Tafeln mit den Vorschriften des Zolls, außerdem könne man sich auch im Internet kundig machen, stieß bei der Frau auf wenig Einsicht. „Ich habe keine Ahnung vom Internet, ich kann nicht mal mit einem Handy umgehen“, sagte sie.

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Strafe reduziert

Am Ende musste die Türkin nach einer Gesprächspause mit ihrem Anwalt Michael Modery einsehen, dass sie ohnehin schon gut weggekommen war. Denn der Zoll hatte die festgesetzte Strafe bereits um mehr als 50 Prozent reduziert, weil die 53-Jährige als Hausfrau kein eigenes Einkommen hat. Sie zog schließlich ihren Einspruch zurück. Wer den Zollvorschriften folgt, hat im Übrigen keinerlei Nachteile. Der sogenannte Barmittel- und Bargeldverkehr über die Grenze ist gebührenfrei. Mit dem Gesetz sollen lediglich der Schmuggel von Schwarzgeld und die Geldwäsche erschwert werden. Die Anmeldepflicht (für Ein- und Ausreisen innerhalb und außerhalb der EU) betrifft neben Bargeld in allen Währungen auch Wertpapiere, bei Reisen innerhalb der EU auch Edelmetalle und Edelsteine. Infos gibt es im Internet unter: www.zoll.de.

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