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Mehr neuer Wohnraum, weniger historische Bauten?

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Kommentar Von Eva Maria Knab
18.08.2018

Mit dem Bauboom wächst der Druck auf alte Gebäude. Die Stadt muss noch aktiver für Erhalt sorgen.

Wechseln wir mal kurz die Perspektive: Was schauen sich Städtetouristen an, wenn sie Paris, Barcelona, München oder Augsburg besuchen? Höchstwahrscheinlich typische historische Gebäude. Denn die stehen weithin sichtbar für Stadtgeschichte.

Baudenkmäler sind aber nicht nur für Besucher interessant und unverwechselbar. Auch Einheimischen fühlen sich in einem Umfeld mit historischen Gebäuden häufig besonders wohl. Wie wäre es sonst zu erklären, dass die Augsburger Altstadt oder die historischen Wohnviertel besonders beliebte Adressen sind? Ähnliches gilt für Neubaugebiete, in denen Reste alter Bauten erhalten geblieben sind. Ein Beispiel dafür ist das Wohnquartier in der früheren Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) im Textilviertel. Dort sind Neuzuzügler bereit, weit über 6000 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung hinzublättern.

Auf dem AKS-Areal ist nun aber eine Debatte neu entbrannt, die in Augsburg angesichts des aktuellen Baubooms immer öfter geführt wird: Wie viel Schutz braucht historische Bausubstanz, wenn neue Wohnungen entstehen? Es gibt Leser unserer Zeitung, die sich wünschen, das Original möglichst weitgehend zu erhalten. Stadt und Denkmalpflege haben bei einer Fabrikhalle dagegen eine gravierende Veränderung mit Fenstern zugelassen. Dies sei ein notwendiger Kompromiss, um das Baudenkmal zu erhalten und neu mit Wohnungen nutzen zu können, argumentieren die Fachleute.

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Kompromisse sind sicherlich nötig, auch beim Denkmalschutz. Doch gerade wenn Bauträger im Spiel sind, ist der Druck besonders groß, mit Sanierungen möglichst viel Geld zu machen. Ein weiteres Beispiel dafür ist das denkmalgeschützte Gignoux-Haus, ein Baujuwel im Lechviertel. Auch dort gab es harte Diskussionen über die richtige Art der Sanierung. Zugespitzt formuliert, geht es um ein grundlegendes Problem: Immer öfter entstehen neue Wohnungen in einer historischen Hülle, die zur optischen Kulisse verkommt. Motto: Ein bisschen Nostalgie, damit es gut ausschaut, ansonsten austauschbar. Kann das im Sinn einer Stadt sein, die ihre baugeschichtliche DNS bewahren und erhalten will?

Damit stellt sich die große Frage, welche Rolle die Stadt bei solchen Entwicklungen spielen sollte. Etwa mit dem Kauf von Schlüsselimmobilien. Auf dem AKS-Areal haben Stadt und Freistaat einen wichtigen Beitrag geleistet, um Reste der Textilfabrik zu retten. Das Textil- und Industriemuseum zog in die alten Hallen ein, das Stadtarchiv und das Zentraldepot der Stadtarchäologie. In allen diesen Fällen gab es gute architektonische Lösungen.

Aus heutiger Sicht könnte man aber auch sagen, vielleicht wäre noch mehr drin gewesen. Möglicherweise hätte man auch noch eine weitere Fabrikhalle aufkaufen und von der städtischen Wohnbau-Gruppe (nicht ganz so profitorientiert) modernisieren lassen können. Dann wären neue bezahlbare Mietwohnungen in einem historischen Umfeld entstanden. Natürlich braucht es für solche Projekte Mut, architektonisches Gespür und das nötige Geld. Wie schön das Ergebnis einer solchen Sanierung sein kann, zeigt sich am historischen Eschenhof an der Donauwörther Straße.

Beim Denkmalschutz wäre in Augsburg im einen oder anderen Fall sicher noch mehr drin. Alarmierend ist allerdings eine andere Entwicklung: Es werden immer mehr historische Häuser abgerissen, die nicht unter Denkmalschutz stehen, für das jeweilige Stadtquartier aber prägend sind. Ein großer Sündenfall auf dem alten Hasenbräugelände im Zentrum ist unvergessen. Nun häufen sich neue Fälle, etwa im Domviertel oder beim Martinipark. Hier sollte die Stadt für verträglichere Lösungen sorgen – auch wenn schnell viele neue Wohnungen für die Versorgung der Bevölkerung nötig sind. Am Wohnungsmarkt kann sich die Nachfrage rasch ändern. Wenn ein altes Stadtbild prägendes Gebäude platt gemacht wird, ist es weg für immer. Was damit verloren geht? Gegenfrage: Was wäre Augsburg ohne die Fuggerei?

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18.08.2018

>> Doch gerade wenn Bauträger im Spiel sind, ist der Druck besonders groß, mit Sanierungen möglichst viel Geld zu machen. <<

Der Druck auf die Preise ist doch immer gleich groß, ob nun privater oder öffentlicher Bauherr. Auch Genossenschaften müssen auf jeden Euro achten, wenn am Ende bezahlbare Mieten stehen sollen.

Zum Spaß könnte linksgrüne Politik mal Bauträgerei für 5 Jahre verbieten. Es wäre sicher unterhaltsam...

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