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Reisereportage Menorca

20.04.2018

Menorca - Ein Besuch bei der „steinreichen“ Unbekannten

Eine Postkartenidylle, die Wirklichkeit ist.
Bild: Till Hofmann

Der größte Schatz der Balearen-Insel ist die Natur. Vielleicht ist der fehlende Massentourismus gar nicht so schlecht.

Links, rechts, links, rechts: Ist doch eigentlich ganz einfach für die Vorderfrau und den Hintermann: Wenn die Paddel auf derselben Seite des Kajaks gleichzeitig eingetaucht, lange nach hinten gezogen werden und die Paddelblätter möglichst viel Meerwasser verdrängen, dann geht es prima voran. Eigentlich. Manchmal gerät die Besatzung, die sich mit dem Boot nahe der türkisfarbenen Wasseroberfläche nach vorne bewegt, aus dem Takt. Dann passt die Geschwindigkeit nicht mehr – und auch die Richtung muss zuweilen korrigiert werden. Jedenfalls sollte das ovalförmige Kajak den vehältnismäßig niedrigen Wellen nicht die Breitseite bieten. Sonst reichen selbst diese aus, um die fleißigen Ruderer aus dem Gleichgewicht zu bringen und ins Wasser zu kippen. Der Wind, der einem leicht ins Gesicht bläst, erweist sich als kleiner Widerstand, der den Eifer der Kajak-Gruppe an der Südküste Menorcas ein wenig abbremst – zumindest auf der Hinfahrt vom Familienferienort Cala Galdana aus in Richtung Osten.

Spannende Höhlenerkundungen mit dem Kajak bietet der Ferienort Cala Galdana.
Bild: Till Hofmann

Dennoch ist die Mühe auf dem Meer nicht übermäßig groß. Und sie wird vielfach entschädigt. Mehrere Höhlen, die vom Land aus nicht zu erkennen sind, zeigen unter den steil abfallenden Felsen ihre Öffnungen. Es ist wie eine Einladung, sie zu befahren – verbunden mit der fantasievollen Vorstellung, in diesen Sekunden ein Entdecker zu sein.

Wieder im Licht der Mittelmeersonne geht es weiter entlang der Küste. Wer einen Zwischenstopp vor der Rückreise einlegen will, bekommt Badebuchten und kleine Strände mit feinem hellen Sand präsentiert, die man nicht auslassen sollte. Vom Wasser aus sind diese Juwelen der Entspannung oft leichter zugänglich als an Land. Die Küstenlinie der nur rund 700 Quadratkilometer großen Insel erstreckt sich über insgesamt 210 Kilometer und hat mit über 120 Stränden mehr zu bieten als die größere Schwester Mallorca.

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Menorca hat mehr zu bieten als ihre große Schwester Mallorca

Neben den Wassersportlern und Tauchern beglückt Menorca weitere Aktivurlauber: Wanderer, Radfahrer und Reiter beispielsweise. Ein verbindendes Element ist der in 20 Fußetappen eingeteilte Camís de Cavalls, der Pferdeweg. Er schlängelt sich auf seinen 185 Kilometern an der Küste entlang um die Insel. Nach mehreren hundert Metern wiederkehrende Holzpfosten zeigen an, dass die Besucher auf dem richtigen Weg sind. Dabei ist die Rundwanderung keine Selbstverständlichkeit und das Ergebnis einer Initiative des Inselrats. Bis im Jahr 2010 der durchgehende Camís de Cavalls entstand, musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Adressaten waren die Privateigentümer, die ihren Grund und Boden der Öffentlichkeit zugänglich machen sollten.

Wer sich erhofft, protzige Villen an den Felsenküsten erspähen zu können, wird enttäuscht. Stattdessen durchqueren die Fußgänger knorrige Wäldchen und karge Wiesen. Wer die Nebensaison zwischen November und März wählt, hat auf diesem Weg gute Chancen zur Einkehr zu sich selbst. Die Einsamkeit ist ein häufiger Begleiter.

Menorca hat zwei Zentren – wenn man die Hafenstädte Ciutadella und Mahón bei einer Gesamtbevölkerung auf der Insel von 90.000 Einwohnern so nennen möchte. Ciutadella im Westen ist die nicht ganz so geschäftige Stadt, die für Einheimische wie Touristen in der Altstadt dennoch viele kleine Geschäfte bietet. Die Avarcas gehören zu den Rennern im Dauerangebot. Die Sohlen der typischen menorquinische Sandalen bestehen aus dem Gummi von Autoreifen.

Der Weg nach Ciutadella lohnt sich.
Bild: Till Hofmann

Die Gassen Ciutadellas wirken im Zentrum herausgeputzt. Fassaden werden im Frühjahr gestrichen. Es riecht nach Erneuerung. Im Gegensatz zur Hauptstadt Mahón (mit weitverzweigten Festungsbauten, die besichtigt werden können, und dem nach dem australischen Sydney zweitgrößten Naturhafen der Welt) hat das alles den Anschein, ein wenig harmonischer und liebevoller aufeinander abgestimmt zu sein.

Die Insel beherbergt wahre Schätze

Einen ähnlichen Eindruck hatte offenbar auch Ronald Fritz, der sich vor 35 Jahren am Stadtrand von Ciutadella niederließ und mit seiner Frau ein über 200 Jahre altes Bauernhaus kaufte. Nach seiner „wilden Hippie-Zeit“ in Amsterdam und Marokko, wurde zunächst das spanische Festland seine neue Heimat, ehe es ihn auf Menorca zog. Nach der Pleite mit dem Betrieb einer Gastwirtschaft baut der 65-Jährige heute lieber in seinem Gemüsegarten nach biologisch-dynamischer Methode an, hat Hunde und hält Hühner. Und der Österreicher Fritz, mittlerweile vierfacher Großvater, zeigt Touristen die Schätze der Insel, die die Unesco bereits vor 25 Jahren entdeckt hat, als sie das gesamte Eiland zum Biosphärenreservat erklärt hat.

Vielleicht hat dazu ungewollt General Franco beigetragen. Der hatte sich in Spanien an die Macht geputscht und damit 1936 den Spanischen Bürgerkrieg ausgelöst. Die Menorquiner waren die einzige Bevölkerung einer Baleareninsel, die gegen Franco Widerstand geleistet hat – allerdings ohne Erfolg. Unter seiner diktatorischen Herrschaft (1939-1975) wurde Menorca links liegen gelassen. Erst in den 70er Jahren hat sich, wie Ronald Fritz es formuliert, ein „schüchterner Tourismus“ entwickelt.

Auf seinen Touren geht der Inselkundige noch viel weiter in der Zeit zurück und führt seine Gäste an prähistorische Fundorte. Das ist nicht schwierig. Menorca ist geradezu übersät mit Zeugnissen der sogenannten Talayot-Kultur. Insgesamt gibt es über 1500 Fundstätten – im Schnitt eine auf zwei Quadratkilometer – mit Monumenten, die zwischen 4000 und 2000 Jahre alt sind.

Alte Geschichte erstreckt sich über ganz Menorca

Der namensgebende Talayot war ein aus großen Steinen angelegter, dickwandiger und runder (später quadratischer) Beobachtungsturm, der an erhöhten Stellen aufgebaut wurde, um mögliche Feinde frühzeitig erkennen zu können.

Riesen scheinen damals die Arbeit verrichtet zu haben. Die in unmittelbarer Nähe der Talayots stehenden Taulas, das bedeutet „Tisch“ oder „Tafel“, bestehen aus zwei aufeinander geschichteten Steinen in T-Form, die bis zu fünf Meter in die Höhe ragen konnten. Die Taulas waren die Zentren religiöser Kultstätten. Und wenn Fritz vor den herausragenden Zeugnissen einer lange untergegangenen Zeit steht, spricht er ehrfurchtsvoll von „magischen Kraftpunkten“ einer „steinreichen Insel“.

Die Zeugnisse der Ureinwohner wollte Menorca besonders hervorheben. 32 dieser Denkmäler zählten im vergangenen Jahr zur Bewerbung für das Weltkulturerbe der Menschheit. Allerdings ist es vorerst nicht gelungen, in diese Liste aufgenommen zu werden.

Das also hat Menorca noch nicht erreicht. Eines kann der Insel im westlichen Mittelmeer aber nie genommen werden: Im Osten, in Es Castell, zeigt sich Spaniens Morgensonne als erstes. 

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