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Prozess in Augsburg

05.02.2014

Messerstiche bei türkischer Hochzeit: 50-Jähriger angeklagt

Ein junger Mann wird auf einer türkischen Hochzeitsfeier in Augsburg mit einem Messer attackiert. Dieser Fall wird nun vor dem Schwurgericht verhandelt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Ein Streit unter Gästen einer türkischen Feier endet blutig. Ali G., 24, wird attackiert und an der Hand verletzt. Ein Prozess muss jetzt klären: Sollte das Opfer sterben?

Die Narbe an seiner linken Hand wird bleiben. Sie wird Ali G., 24, immer an jene Nacht erinnern, als er, wie er glaubt, nur knapp dem Tod entronnen ist. G. wird damals auf einer großen türkischen Hochzeitsfeier in Augsburg von einem anderen Gast mit einem Messer attackiert. Nun wird der Fall vor dem Schwurgericht verhandelt. Der Angeklagte Mevlüt G., 50, sagt, er könne sich an den blutigen Streit nicht mehr erinnern.

Die Richter müssen nun klären, ob Mevlüt G. wirklich töten wollte, als er am 10. Juni 2012, etwa eine Stunde nach Mitternacht, mit einem Klappmesser auf sein Opfer losging. Ali G. sagt, er sei hinterrücks angegriffen worden. Zuerst habe ihm der Angreifer in den Rücken getreten, dann habe er mehrmals versucht, mit dem Messer auf ihn einzustechen. Zwei Stiche konnte er abwehren, der dritte Stich traf seine linke Hand und schlitzte den Handballen bis auf den Knochen auf. Ali G. ist froh, dass das Messer die Hand erwischte. „Sonst wäre es in die Brust oder in den Hals gegangen“, sagt er.

Beide Kontrahenten waren in jener Nacht zu Gast bei einer großen türkischen Hochzeit, die in einer Halle im Hochfeld gefeiert wurde. Der Hintergrund des Streits soll eine Fehde zwischen zwei türkischstämmigen Familien aus Bobingen sein. Eine Nichte von Ali G. soll in der Schule von einem Kind aus der Familie des jetzt Angeklagten gemobbt worden sein. Rund zwei Wochen vor dem Messerangriff im Juni 2012 sollen beide Familien deshalb bereits vor dem Gebäude der Bobinger Polizei aneinander geraten sein.

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Der Angeklagte wurde im Gerichtssaal verhaftet

Ali G. sagt, er sei in jener Nacht aus dem Hochzeitssaal nach draußen gegangen, weil er mitbekommen habe, dass es dort offenbar ein Streit gibt. Draußen wurde er dann plötzlich attackiert. Die Staatsanwaltschaft bewertete den Fall zuerst als gefährliche Körperverletzung und klagt Mevlüt G. vor dem Amtsgericht an. Doch im ersten Prozess im April 2013 kam das Gericht zu dem Schluss, dass der Messerangriff auch als versuchtes Tötungsdelikt gewertet werden kann. G. wurde deshalb im Gerichtssaal verhaftet. Jetzt, zehn Monate später, wird der Fall am Landgericht neu aufgerollt.

Am ersten Prozesstag schilderten Polizeibeamte die Situation bei der Hochzeit, zu der mehrere hundert Gäste geladen waren. „Die Stimmung war sehr angespann“, so eine Beamtin. „Es gab tumultartige Szenen.“ Viele Gäste standen auf der Straße und schrien sich an. Einige wollten verhindern, dass Gäste bei der Polizei eine Aussage machen. Nur ein Großaufgebot von Beamten konnte die Lage beruhigen. Das Urteil soll im Februar fallen.

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