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Augsburg

21.06.2015

Metzger in der fünften Generation

Metzgereimeisterin Susanne Brosche führt den Familienbetrieb in der Ulmer Straße in der fünften Generation. Zusammen mit ihrem Vater Ludwig Mayer sieht sie sich ein Foto vom Geschäft an, das den Laden noch vor dem Ersten Weltkrieg zeigt.
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Metzgereimeisterin Susanne Brosche führt den Familienbetrieb in der Ulmer Straße in der fünften Generation. Zusammen mit ihrem Vater Ludwig Mayer sieht sie sich ein Foto vom Geschäft an, das den Laden noch vor dem Ersten Weltkrieg zeigt.
Bild: Ruth Plössel

Einzelhandel Seit fast 130 Jahren gibt es in der Ulmer Straße die Metzgerei Mayer. Die junge Chefin möchte auch in Zukunft das Viertel mit Fleisch und Wurst versorgen. Warum diese Aufgabe immer schwerer wird

Von Andrea Baumann

Oberhausen Das Foto, das Susanne Brosche und ihr Vater Ludwig Mayer in Händen halten, weist die alterstypische Patina auf. Kein Wunder, schließlich entstand es vor mehr als 100 Jahren kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Ein Wunder ist es eher, dass der Laden auf dem Bild auch heute noch existiert. Brosche führt das 1886 von ihrem Ururgroßvater gegründete Metzgereifachgeschäft in der Ulmer Straße 27 in der fünften Generation, und sie möchte das gerne auch in Zukunft tun.

Und hier liegt nach Einschätzung der jungen Metzgermeisterin das Kernproblem: „Wir würden gerne in unseren Betrieb investieren. Doch bevor wir viel Geld in die Hand nehmen, muss auch das Umfeld stimmen.“ Mit dem Umfeld meint die Geschäftsfrau in erster Linie die Süchtigenszene am Oberhauser Bahnhof, die jüngst wegen zweier zentral platzierter Sitzbänke und einer Messerstecherei zum Gegenstand von Ortsterminen und hitzigen Debatten wurde.

Metzger in der fünften Generation

Dass dabei auch die Umgestaltung des mittlerweile nach der Fußballlegende Helmut Haller benannten Platzes diskutiert wird, befürworten Brosche und Mayer gleichermaßen. Doch sämtliche Versuche, das Areal aufzuwerten, wären nur dann erfolgreich, wenn die Szene einen neuen Treffpunkt bekommt. Vater und Tochter haben dafür ein Grundstück in der Nähe des Seitzstegs beim Familienbad im Auge. Für die Drogen- und Alkoholkranken den kleinen Spielplatz hinter dem Bahnhofsgebäude umzuwandeln, geht ihrer Meinung nach in die falsche Richtung.

Früher, so erinnert sich Ludwig Mayer, kamen viele Kunden aus Kriegshaber in ihre Metzgerei. „Heute trauen sich die Leute nicht mehr durch die Unterführung rüber zu uns“, sagt seine Tochter. Denn sie seien es leid, von den Betrunkenen angepöbelt zu werden.

Es ist nicht alleine die Szene, die den Geschäftsleuten zwischen Wertachbrücke und Oberhauser Bahnhof zu schaffen macht. Dass die eigentlich für maximal eine Stunde vorgesehenen Parkplätze als Dauerabstellplätze missbraucht würden, sei ein weiteres Problem. „Die Verkehrsüberwacher müssten viel häufiger bei uns kontrollieren.“

Hinzu komme der starke Wandel der Einzelhandelsstruktur: Wo früher Fachgeschäfte vom Fahrrad- über den Gardinen- bis hin zum Kofferhändler das Straßenbild prägten, dominierten heute Handy- und Brautmodenläden sowie Friseure. Und die noch vorhandenen alteingesessenen Fachgeschäfte – wie etwa Trachten und Leder Huber oder media@home Baumann – sicherten sich ihre Existenz vor allem durch Kunden von weiter her.

Das bestätigt auch Katharina Ferstl vom Modehaus Jung an der Wertachbrücke: „Die Leute fahren auf unseren Parkplatz, kaufen ein und sind dann wieder weg.“ Laufkundschaft käme kaum. Für wenig erfolgversprechend hält Ferstl Überlegungen, mithilfe der von ihr geführten Werbegemeinschaft Oberhausen die Ulmer Straße zu beleben. Sämtliche Versuche, die ausländischen Geschäftsleute für Aktionen mit ins Boot zu holen, seien gescheitert.

Stephan Mayr von der städtischen Wirtschaftsförderung stellt dem Einzelhandelsstandort Ulmer Straße kein schlechtes Zeugnis aus. Auch wenn in diesem Bereich eine hohe Fluktuation herrsche, sei die Nahversorgung hier „grundsätzlich gewährleistet“. Darüber hinaus zählt die Straße laut Mayr auch zum innerhalb des Einzelhandelsentwicklungskonzepts ausgewiesenen Stadtteilzentrum, das insbesondere den kurz- und mittelfristigen Bedarf im Viertel decken soll.

Um die Versorgungsstrukturen zu stärken, gibt es verschiedene Hilfen: So fungiert die Wirtschaftsförderung als Vermittler bei der Vermarktung von Leerständen, sagt Mayr. Darüber hinaus sei freilich auch die Eigeninitiative der Gewerbetreibenden gefragt. Susanne Brosche ist dazu bereit, denn sie ist mit dem Viertel und ihrem für Frauen recht exotischen Beruf verwurzelt: „Für mich wäre nichts anderes in Frage gekommen.“

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