Newsticker

Bei hohen Zahlen: Söder fordert eine bundesweite Maskenpflicht
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Mietern im Gignoux-Haus wurde wegen neuen Planungen gekündigt

Augsburg

10.04.2015

Mietern im Gignoux-Haus wurde wegen neuen Planungen gekündigt

Schön, aber marode: Das Gignoux-Haus am Vorderen Lech in Augsburg ist seit Jahren ein Sanierungsfall. Jetzt will der neue Eigentümer seine Planungen vorantreiben.
Bild: Anne Wall

Der neue Eigentümer des Baujuwels Gignoux-Haus in der Altstadt treibt seine Planungen voran. Nicht alle betroffenen Bewohner sind damit einverstanden.

Das architektonisch schöne Gignoux-Haus im Lechviertel ist seit Jahren kein schöner Anblick mehr. Der Putz bröckelt, Risse ziehen sich durch die Fassade. Das Gebäude verfällt immer mehr. Das soll sich nun ändern. Die Münchner Immobilienfirma Mihue hat das Baudenkmal gekauft. Aktuell laufen Planungen für die Zukunft des Gebäudes. Den Mietern, die noch im Haus sind, wurde gekündigt. Dagegen regt sich Widerstand.

Der neue Eigentümer, hinter dem ein Familienunternehmen steht, lässt das Haus am Vorderen Lech von Peter Wagner Immobilien entwickeln und verwalten. Derzeit liefen die Planung für das Gebäude und die Ermittlung der Baukosten, sagte Wagner auf Anfrage.

Im Gignoux-Haus werden wohl wieder Wohnungen entstehen

Wie hoch die Investition ausfallen wird, kann der Immobilienfachmann noch nicht sagen. Experten gehen davon aus, dass es mehrere Millionen Euro sein werden. Das Gignoux-Haus sei stark sanierungsbedürftig, so Wagner. Gutachten haben ergeben, dass es statisch gesichert werden muss. Die Planung muss auch mit der Denkmalpflege abgestimmt werden. Das Rokoko-Gebäude aus dem 18. Jahrhundert ist ein Baudenkmal und steht unter Schutz. Es gilt als eine der architektonischen Perlen in Augsburg.

Im Gignoux-Haus werden voraussichtlich teilweise wieder Wohnungen entstehen. Das Gebäude steht aber noch nicht komplett leer. Das Theater ist zwar schon lange mit der Komödie ausgezogen. In einem anderen Teil des Hauses wohnen aber noch einige wenige Mieter. Ihnen wurde gekündigt, wie Wagner bestätigte.

Ein Betroffener ist Pianist Stephan Kaller. Er wohnte über 16 Jahre im Gignoux-Haus. Die Kündigungsfristen für solche Mieter sind lang. Dennoch stimmte er zu, vorzeitig auszuziehen. Er sagt: „Ich habe schnell eine neue Wohnung gefunden, das war für mich ein Glücksfall.“ Offenbar sind aber nicht alle langjährigen Mieter bereit, auszuziehen. Mehrere holten sich rechtlichen Rat, wie zu hören ist. Dennoch ist Wagner optimistisch, dass es mit der Sanierung schnell gehen wird. Er rechnet mit zwei Jahren, bis das Gebäude modernisiert und neu belegt ist.

Im "Al Teatro" geht der Betrieb weiter

Nicht betroffen von den Kündigungen ist das Restaurant „Al Teatro“. Pächter Bruno Strocchi hat einen langjährigen Mietvertrag. „Bei uns geht der Betrieb ganz normal weiter“, sagt er. Der Gastronom findet es gut, dass das marode Baudenkmal nun endlich saniert werden soll, auch wenn er ein bis zwei Jahre mit einer Baustelle zurechtkommen muss. „Ich bin froh, dass jetzt wieder klare Verhältnisse herrschen.“

In den vergangenen Jahren hat das Gignoux-Haus immer wieder Schlagzeilen gemacht, vor allem negative. Der Bürgerbräu-Unterstützungsverein wollte es Anfang der 2000er-Jahre für eine Million Euro verkaufen. Die Stadt hatte ein Erstkaufrecht, winkte aber ab. 2005 griff dann ein Immobilienhändler zu, dem mehrere Altbauten in Augsburg gehörten. Im Jahr 2010 zog das Theater aus dem Gebäude aus – dort war mit der Komödie jahrzehntelang eine Spielstätte untergebracht. Doch der Zustand des Saals wurde immer schlechter und der Brandschutz war nicht mehr gewährleistet.

Endgültig herrschte Stillstand, als der Hauseigentümer mit einer seiner Firmen Insolvenz erlitt und zu einer Haftstraße verurteilt wurde. 2012 starb er dann bei einem Freigang aus dem Gefängnis. Seither blieben die Besitzverhältnisse unklar. Er selbst hatte seine minderjährige Tochter als Erbin eingesetzt. Zuletzt soll ein Konkursverwalter das Ruder übernommen und den Verkauf des Gebäudes vorangetrieben haben.

Das Haus liegt Bürgern, benachbarten Geschäftsleuten und Denkmalschützern sehr am Herzen. Viele, teils ungewöhnliche Nutzungen waren für das verwaiste Erdgeschoss schon im Gespräch, darunter ein Hotel, eine Moschee, die Taxizentrale oder eine Zweigstelle der Uni.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren