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Schottdorf

19.06.2015

Millionenbetrug? Laborarzt Schottdorf muss auf die Anklagebank

Schon vor 15 Jahren stand der Laborarzt Bernd Schottdorf wegen Betrugsvorwürfen vor Gericht - damals wurde er aber freigesprochen.
Bild: Fred Schöllhorn

Der Augsburger Laborarzt Bernd Schottdorf steht ab September vor dem Landgericht. Die Anklage wirft dem 75-Jährigen Betrug in Millionenhöhe vor.

Der bekannte Laborarzt Bernd Schottdorf, 75, muss demnächst vor Gericht erscheinen. Im September beginnt ein Betrugsprozess gegen Schottdorf und seine Ehefrau. Dem Ehepaar wird gewerbsmäßiger Betrug in 124 Fällen vorgeworfen. Sie sollen, so die Anklage, verschiedene kassenärtztliche Vereinigungen zur Auszahlung von Speziallaborleistungen veranlasst haben, obwohl die Voraussetzungen hierfür nicht vorgelegen haben sollen. Insgesamt errechnete die Augsburger Staatsanwaltschaft einen Schaden von über 78 Millionen Euro.

Lange war offengeblieben, ob es zu einem öffentlichen Prozess gegen das Unternehmerehepaar kommen wird. Die Staatsanwaltschaft hatte schon im März 2012, gestützt auf Ermittlungen des Landeskriminalamtes, Anklage gegen die Eheleute und das Unternehmen erhoben. Juristische Scharmützel hinter den Kulissen sowie die Überlastung der Augsburger Justiz durch große Wirtschaftsstrafverfahren verzögerten eine Überprüfung der Anklage.

Ende März 2014 hat die 9. Strafkammer das Hauptverfahren dann eröffnet. Gerade noch rechtzeitig: Im April wären die ersten angeklagten Straftaten aus dem Jahr 2004 verjährt gewesen. Nun, über ein Jahr später, hat das Gericht auch die Termine für den Betrugsprozess festgelegt. Er soll am 7. September beginnen und voraussichtlich bis Dezember dauern.

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Der Fall Schottdorf ist auch Thema in der Politik

Der Fall des einflussreichen Laborunternehmers Schottdorf ist derzeit auch Gegenstand eines Untersuchungsausschusses im bayerischen Landtag. Allerdings geht es in dem Ausschuss um ein anderes Thema – nämlich um die Frage, ob die Augsburger Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Ärzte, die mit Schottdorf zusammen gearbeitet haben behindert hat und ob es dafür womöglich eine Anweisung aus der Politik gab. Die Ärzte rechneten den üblichen Satz für Laboruntersuchungen ab – sie bekamen von Schottdorfs Großlabor aber einen Rabatt. Die Differenz blieb bei den Ärzten.

Für Schottdorf war das ein Instrument, um Ärzte als Kunden zu gewinnen. Rund 150 Ärzte galten als Beschuldigte. Angesicht der tausende Mediziner umfassenden Kundenkartei Schottdorfs hätten wohl zahlreiche weitere Namen hinzukommen können. Doch im Januar 2009 stellte die Staatsanwaltschaft Augsburg, zum Ärger mehrerer Kriminalbeamter, die Verfahren ein. Die Staatsanwaltschaft sah – rein rechtlich – keinen Betrug. Ein Gericht sah das später in einem vergleichbaren Fall jedoch anders.

Der Arzt beschäftigt über 1000 Menschen

Die Laborgemeinschaft des Arztes Bernd Schottdorf zählt mit rund 1300 Beschäftigten zu den größten in Europa. Täglich werden in den Labors viele tausend Blut- und Gewebeproben getestet. Dabei reicht das Spektrum von Allergie-Diagnosen bis zur Untersuchung auf Darmkrankheiten. Schottdorf arbeitet mit tausenden niedergelassenen Ärzten und hunderten Kliniken zusammen. Der Jahresumsatz liegt im dreistelligen Millionenbereich. Das Labor in Augsburg ist das größte der Schottdorf-Gruppe.

Der Unternehmer muss nicht das erste Mal auf der Anklagebank Platz nehmen. Schon 1999 stand er im Verdacht, zum Schein Laborärzte zu beschäftigen, um mehr Leistungen abrechnen zu können. Er saß vorübergehend in Untersuchungshaft. Doch Schottdorf wurde freigesprochen. Das Gericht sah in Bayerns Kassenärztlicher Vereinigung die eigentlich Schuldigen. Die Standesorganisation sei jahrelang untätig geblieben.

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