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Augsburg

18.03.2017

Mini-Maus tanzt nicht mehr

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3 Bilder
Ganz schön spannend: Thomas Tschech versucht einen Mixer zu öffnen, um das Innenleben freizulegen und zu sehen, wo der Defekt sitzt. Doch der Hersteller hat seine Gerätschaft geschützt und die Schraube mit einem hartnäckigen Gummi-Stöpsel versiegelt. Es soll nicht das einzige Rührgerät an diesem Samstag bleiben, das im Repair-Café untersucht wird. 
Bild: Annette Zoepf

Am Samstag ist der Tag der Mixer im Repair-Cafe in der Hammerschmiede. Hersteller haben kein Interesse mehr, dass das Innenleben ihrer Geräte freigelegt wird. Häufig scheitern selbst technisch Begabte schon am Zugang zu der Schraube

Mini-Maus ist in die Jahre gekommen. Das Spielzeug, das Rita Kleiber eigener Erzählung nach in den 1970er-Jahren einmal ihrer Tochter geschenkt hat, sollte nun eigentlich die Enkelin erfreuen. Doch während die Figur im Repair-Café im Pfarrsaal von Christkönig in der Hammerschmiede noch lauthals singen kann, fehlt es ihr am dazu passenden Hüftschwung. Hans Hlavacek, der am Eingang die nicht wenigen Besucher empfängt und zu den Helfern bringt, macht schon kurz nach Beginn einen eindeutigen Trend aus: „Heute ist der Tag der Mixer.“

Auch Inge Schiller hat ein Rührgerät eines renommierten Herstellers dabei. Mitten im Rühren habe es dann den Geist aufgegeben, sagt sie, vermutet aber, dass es sich um einen „ganz simplen“ Defekt handeln könnte. Doch ganz so simpel stellt sich die Reparatur dann doch nicht dar. Thomas Tschech hat Mühe, das Gehäuse aufzubekommen, weil die Schrauben ganz clever unter schwer zu entfernenden Gummi-Stöpseln verborgen sind.

Die erste Vermutung liegt nahe: Wackelkontakt

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Als die Innereien dann vor ihm liegen und er den Mehlstaub mit einem Pinsel entfernt, wähnt sich Inge Schiller schon am Ziel. Doch dann wird es erst richtig spannend. Denn während der offen liegende Mechanismus arbeitet, geht ihm bei geschlossenem Gehäuse wieder alle Kraft verloren. Und da liegt wieder die erste Vermutung nahe: „Wackelkontakt.“ Das Kabel ist der Grund für die Aussetzer, weil es in der Vergangenheit zu oft auf- und ausgewickelt wurde. Sollte der Mixer wieder seinen Dienst tun, muss die Schnur ausgetauscht werden.

Wegschmeißen und neu kaufen ist für die Helfer im Repair-Café, das vor drei Jahren von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) eingerichtet wurde, keine Option. Je kniffliger ein Problem, umso interessanter ist die Fehlersuche. „Dann ist unser Ehrgeiz geweckt“, sagt Rentner Franz Keilhammer, der sich an einem auf alt getrimmten Radio zu schaffen macht. Aber auch hier ist offenbar nicht gewünscht, dass der Besitzer den mechanischen Frequenz-Anzeiger über die Schraube wieder selbst in Gang bringt. Die Holzkiste aufgeschraubt, kann Keilhammer zwar den Riemen sehen, der die Sender einstellt. Die Markierung, die außen sichtbar sein sollte, liegt hier jedoch hinter Klebstoff verborgen.

Stehlampe, Bohr- und Nähmachine

Der Radio–Experte – auch den gibt es in den Reihen der Helfer – ist an diesem Samstag allerdings anderweitig verhindert. Hlavacek hofft, dass er vielleicht beim nächsten Repair-Café im Mai wieder mit von der Partie ist. Dann wäre ein zweiter Anlauf möglich. Seiner Auskunft nach geht es bei diesen Veranstaltungen aber nicht nur ums Reparieren, sondern auch um Kommunikation. Er zeigt in den Raum, wo viele Besucher sitzen, auf die Reparatur ihrer Bohrmaschine, ihrer Stehlampe oder ihrer Nähmaschine warten. Dabei können sie Kaffee trinken und Kuchen essen. Die eingenommenen Spenden geben die Reparierer an die Gemeinde oder den Kindergarten weiter.

„Ich hatte Glück“, sagt Helga Lächler, „bei meiner Maschine war nur der Keilriemen locker.“ Jetzt kann die Frau, die früher einmal viel genäht hat, wieder selbst Hand anlegen. Und das heißt, zumindest einmal eine Hose zu kürzen oder einen aufgetrennten Saum auszubessern. Zum Repair-Café in der Hammerschmiede lädt die KAB voraussichtlich am Samstag, 6. Mai, wieder in Pfarrheim Edith Stein ein.

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Die Diskussion ist geschlossen.

19.03.2017

Das wirklich eklige an Handrührgeräten von heute ist doch, dass die Innereien wo es nur geht mit Plastik realisiert werden, ganz egal welche Preisklasse man wählt. Nach wenigen Jahren sind die allesamt hinüber. Das alte Krups 3 Mix 3000, was hier seinen Dienst tut, hat noch ein metallnes Innenleben und wird vermutlich nochmal 30 Jahre arbeiten.

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