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Oberallgäu

30.11.2019

Mit 100 zieht es Max Enzensberger noch in die Berge

Max Enzensberger in seiner Werkstatt. Er wird 100 Jahre alt.
Bild: Michael Munkler

Plus Max Enzensberger aus Sonthofen war einer der besten Kletterer. Mit 98 Jahren ist er noch Ski gefahren. Ein Gespräch in seiner Werkstatt über ein bewegtes Leben.

Einer der ältesten Oberallgäuer wird am kommenden Montag 100 Jahre alt: Max Enzensberger in Sonthofen. Wenige Tage vor seinem Geburtstag sitzt er in seiner Werkstatt. Es riecht nach Farben und nach Terpentin. An den Wänden hängen Schützenscheiben, die Enzensberger geschnitzt hat. Einige sind bemalt, andere noch nicht. Auf der Werkbank liegen angefangene Schnitzereien. Ein kleines Kruzifix, eine Jesus-Figur.

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Ebenfalls zu Besuch bei dem rüstigen Senior ist Udo Zehetleitner, 80-jähriger Bergführer aus Burgberg. Früher waren die beiden viel unterwegs. Zum Wandern sind sie nach Nepal gereist, nach Alaska und Neuseeland. Mit 72 Jahren hat Max Enzensberger noch einen 5000er bestiegen.

Auf dem Tisch steht eine Flasche Trollinger. Udo und Max gönnen sich immer ein Glas Rotwein, wenn sie sich treffen. So wie früher, als sie noch zusammen Ski gefahren sind. Bis vor zwei Jahren hat Max Enzensberger sogar schwarze Pisten bewältigt. Beispielsweise den Gipfelhang am Nebelhorn. Mittlerweile hat er die Bretter aber in die Ecke gestellt.

Mit 100 zieht es Max Enzensberger noch in die Berge

Max Enzensberger wird 100: Ein Schuss zerriss seine Stimmbänder

Max Enzensberger erzählt gerne von früher. Die „piepsige Stimme“ habe er schon lange, sagt der Senior, der jünger aussieht, als er ist und verschmitzt lacht. Seine hohe, helle Stimme ist die Folge einer Kriegsverletzung. Es war 1941, als den Soldaten Enzensberger in Jugoslawien ein Schuss in den Hals traf und die Stimmbänder zerriss. Der noch 99-Jährige lacht: „Der Arzt sagte, unter tausend würde mit einer solchen Verletzung wohl nur einer durchkommen.“ Er kam durch. Er hat den Krieg überlebt, obwohl ihm 1944 auf dem Rückzug aus Russland auch noch in den Oberschenkel geschossen wurde.

Nach dem Krieg meldete der gelernte Maler sein Schnitzerhandwerk an und nannte sich Schriftenmaler und Bildschnitzer. Viele Omnibusse im Allgäu hat er beschriftet und noch mehr Schützenscheiben geschnitzt und bemalt. Und zwischendurch hat es ihn immer wieder in die Berge gezogen. Enzensberger erzählt immer wieder von der Madonna-Ostwand an der Fuchskarspitze, von Widderstein und Trettach. Oder von der Gelben Wand hoch über dem Prinz-Luitpold-Haus. Die Allgäuer Berge hatten es ihm angetan, auch wenn er heute nicht mehr hinaufkommt. Doch Freund Udo nimmt ihn ab und an im Auto mit, fährt ihn zum „Alpenblick“ am Grünten, um das Bergpanorama genießen zu können.

Immer freitags geht Enzensberger zum Schießen

Jeden Freitag fahren Zehetleitner und Enzensberger zum Weißwurstessen. Bei der Feuerwehr ist er Ehrenmitglied. Freitagabends geht der Senior regelmäßig zum Schießen. Ja, er sei immer ein guter Schütze gewesen, sagt er. Schießen mache ihm heute noch viel Spaß. Und er ist im Schützenverein natürlich auch deshalb gern gesehen, weil er die schönsten Schützentafeln fertigte. Sein ganz großes Stück hatte Enzensberger mit 82 Jahren geschnitzt. Da fertigte er für den Fischinger Theo Pinn eine große Holzkuh in Originalgröße. Einen riesigen Holzblock musste er zuerst mit Kettensäge, Stemmeisen, Hobel und Fräse bearbeiten. Erst dann griff er zum Schnitzmesser. Und kam mit seiner viel beachteten Holzkuh sogar bundesweit in die Schlagzeilen.

Seit Enzensbergers Frau vor sieben Jahren gestorben ist, kümmert sich Tochter Lisa, 72, um ihren Vater. Und sie wird am Montag dann auch die Gäste begrüßen und bewirten. Viel vorbereiten will Enzensberger für seinen 100. Geburtstag nicht, sagt er. Er werde den Tisch aufräumen und „ein paar Fläschle Wein herstellen“. Er möchte nicht zu viel Trubel um seine Person. Aber auch sein 70 Jahre alter Sohn Peter – er ist Architekt in Karlsruhe – wird zum Jubiläum kommen.

100. Geburtstag: Und wie wird man so gesund so alt?

Wie man so gesund so alt wird? Enzensberger lacht auf die Frage. „Jeden Tag ein Glas Rotwein und immer etwas machen.“ Sport sei wichtig, aber man solle es auch nicht übertreiben, rät er. Und dann träumt er wieder vom Skifahren, denkt an alte Zeiten und sagt seinem Freund Udo: „Bald geht’s wieder los.“ Dann werde er dem Udo davonfahren, glaubt er, macht eine hektische Armbewegung und lächelt wie ein Spitzbub.

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