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Porträt

31.03.2012

Mit Freude ein Arbeiter

Wolfgang Wirsching ist Sänger aus Leidenschaft.
Bild: Christina Bleier

Opernsänger und Gesangsdozent Wolfgang Wirsching kam vor neun Jahren nach Augsburg und fühlt sich wohl

Sein Arbeitspensum ist enorm und umfasst alle Sparten: Rund 60 Opernaufführungen, 20 Oratorien, zehn Liederabende meistert Wolfgang Wirsching nebst weiteren Konzerten im Jahr. Außerdem leitet er einen Münchner Chor, schult das Augsburger Vokalensemble und unterrichtet am Aichacher Gymnasium Gesang. „Ich singe einfach gerne“, sagt Wolfgang Wirsching.

Freude, Genuss und Humor spielen für den 42-Jährigen eine große Rolle. Wolfgang Wirsching lacht viel, genießt bildende Kunst, Literatur, ebenso gutes Essen und Trinken. Wie die meisten Sänger sei er berufsbedingt „sehr oral orientiert“, bemerkt er fröhlich. Weil ihm seine Arbeit Spaß macht, meistert er sein Riesenpensum: „Ich bin schon der Arbeiter vor dem Herrn.“

Seine große stimmliche Bandbreite ermöglicht ihm gleichzeitig eine ungewöhnliche Flexibilität – ein großes Plus für einen freiberuflichen Sänger. Wirsching ist Bassbariton, Bariton und singt in der Operettenwelt auch Tenorpartien: Derzeit spielt er den Sigismund (Tenor oder hoher Bariton) in Benatzkys „Weißem Rössl“. Der Papageno (Bassbariton) in Mozarts „Zauberflöte“ ist seine Paraderolle, die er mittlerweile 153 Mal gesungen hat.

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Diese Vielseitigkeit bescherte ihm 1997 noch zu Studienzeiten ein hochkarätiges Operndebüt. Denn ein „nicht undramatischer, lyrischer hoher Baritontenor“, wie es Moritz Eggerts Oper „Helle Nächte“ für die abstrus schwere Partie des Nagel/Goldschmied verlangte, war nicht leicht zu finden – „weil es keiner machen wollte“ – auch nicht zur Uraufführung während der 5. Münchner Biennale mit dem Bayerischen Staatsorchester. Über Musikhochschulrektor Siegfried Mauser („Ich kenne da jemanden“) wurde der Student Wirsching empfohlen und engagiert. Er meisterte die Partie.

Dabei wurde ihm die Opernbühne zunächst nicht empfohlen: Seine Stimme sei viel zu klein, hieß es in der Opernklasse der Münchner Musikhochschule, nachdem er sich bei der Aufnahmeprüfung erfolgreich gegen 156 Bewerber (fünf wurden genommen) durchgesetzt hatte und bei Professor Markus Goritzki, seinem Mentor bis heute, einen Platz bekam. Daher studierte Wirsching erst Lied („Schubert ist für mich das größte Mysterium“), lernte in den Korrepetitionsstunden ausgezeichnet vom Blatt zu singen und war von 1992 bis 2003 im Extra-Chor der Bayerischen Staatsoper.

„Das war zu Studienzeiten eine wunderbare Erfahrung“, sagt er. Bereits mit 17 sang er vier Jahre lang im Bayreuther Extra-Festspielchor – sein Heimatort Kulmbach lag nur etwa 20 Kilometer vom Wagner-Mekka entfernt. Geboren wurde Wolfgang Wirsching 1970 im ebenfalls nahe gelegenen Bamberg. Ich bin „einer der wenigen überzeugten Franken“, sagt er und lacht. In der musikalischen Früherziehung entdeckte man sein Talent, mit sechs bekam er Klavierstunden. Sänger fand der Junge aber am coolsten. Er wechselte mit neun Jahren zum Gesang und blieb dabei.

In der Fuggerstadt, in die er vor neun Jahren wegen der Liebe zog, fühlt sich Wolfgang Wirsching heimisch: „Augsburg ist total toll. Ich wollte nicht her, jetzt will ich nicht mehr weg.“ Wohlfühlen ist ihm wichtig. Seit er sich vor zwei Jahren für sechs Monate (in denen er das Klavierstimmen lernte) von der Bühne zurückzog – Auslöser war sein Ausstieg aus einem unbefriedigenden Engagement – sucht er sich seine Projekte aus. Lieber als ein Festengagement an einem Opernhaus oder das Spiel in der „Bundesliga“ („zu viel Druck“) sind ihm Produktionen, „wo auch die Mannschaft noch zählt“ und das Arbeitsklima stimmt.

Sein besonderes Anliegen ist das Lied. Wolfgang Wirsching mag sogar das Frühmesse-Singen und darin die Basspartien, auch wenn die Nachtruhe dann kurz ist – was er gewohnt ist. „In den Hauptprobezeiten bin ich 16 Stunden unterwegs.“

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