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Augsburg

20.03.2020

Mit Gaspistole einem Polizisten ins Gesicht gefeuert: Täter ist schuldunfähig

Schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei rückten an und stürmten die Wohnung des Tatverdächtigen.
Bild: Stephan Hille

Plus Bei einem dramatischen Einsatz in Augsburg schießt ein Mann einem Beamten mit einer Gaspistole ins Gesicht. Der Täter ist wegen Wahnvorstellungen aber schuldunfähig.

Weil er sich im Wahn bedroht fühlte, schoss ein 40-Jähriger am Abend des 15. September 2019 in einem Haus in Oberhausen mit einer Neun-Millimeter-Gaspistole aus kürzester Entfernung in das Gesicht eines Polizisten. Der Beamte, 33, wäre vermutlich erblindet, hätte er keine Brille getragen. Bei der anschließenden Festnahme des Schützen durch ein Sondereinsatzkommando feuerte der 40-Jährige erneut mehrmals auf Beamte. Insgesamt acht Polizisten erlitten durch Gasschwaden Atembeschwerden und Augenreizungen. In einem Prozess wurde jetzt geklärt, ob der Mann dafür bestraft werden kann.

Am Ende eines mehrtägigen Prozesses hat die 1. Strafkammer des Augsburger Landgerichts den 40-Jährigen wegen Schuldunfähigkeit als Folge einer Schizophrenie zur dauerhaften Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Für die beiden Streifenbeamten, die an jenem Abend in das Mehrfamilienhaus in Oberhausen gerufen wurden, war es ein Routine-Einsatz. Der allerdings in dramatischer Weise eskalierte. Ein Nachbar hatte sich über lautes Getrampel aus der Wohnung des 40-Jährigen beschwert. Die Beamten klingelten mehrfach, klopften an dessen Türe. Plötzlich wurde von innen der Schlüssel im Schloss gedreht.

Einsatz in Augsburg: Er öffnete die Tür und schoss aus 30 Zentimetern Entfernung

Dann ging alles ganz schnell. Die Tür öffnete und der 40-Jährige schoss wortlos aus etwa 30 Zentimetern Entfernung dem 33-jährigen Polizisten mit einer Gaspistole mitten ins Gesicht. Zum Glück trug dieser eine Brille. Der Beamte erlitt mittelschwere Verletzungen. Der Schütze schloss sofort wieder die Wohnungstüre und verbarrikadierte sich. Weil nicht auszuschließen war, dass der Täter eine scharfe Waffe besitzt, rückte ein Sondereinsatzkommando aus München an. Der Versuch, die massive Wohnungstüre mit einer Ramme einzudrücken, scheiterte. Mithilfe einer Säge gelang es schließlich, die Tür zu öffnen. Als die mit Schutzhelmen ausgerüsteten Beamten eindrangen, feuerte der 40-Jährige erneut auf die Polizisten. Danach ließ er sich festnehmen. Gegen ihn erging zunächst ein Haftbefehl.

Mit Gaspistole einem Polizisten ins Gesicht gefeuert: Täter ist schuldunfähig

In einem so genanten Unterbringungsverfahren vor dem Landgericht warf Staatsanwältin Birgit Milzarek dem 40-Jährigen gefährliche Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte im Zustand der Schuldunfähigkeit vor. Der Angeschuldigte (Verteidiger: Klaus Rödl) schilderte die Geschehnisse aus seiner damaligen Sicht. Er sei ständig von den Nachbarn im Haus durch Lärm terrorisiert worden. Am Tatabend habe er sich einen Film angeschaut, dabei den Kopfhörer übergestülpt. Als an seiner Tür laut gepoltert wurde, sei er überzeugt gewesen, dass ein Fremder eindringen wolle.

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei musste die Wohnungstür zerstören: Ein 40-jähriger Mann hat im September in Oberhausen mit einer Gaspistole auf einen Beamten gefeuert und sich danach verbarrikadiert.
Bild: Jörg Heinzle

Er habe durch den Türspion geschaut, die Person draußen aber nicht als Polizisten erkannt. Weil der Beamten einen langen Vollbart hatte, dachte der Mann offenbar eher an Rocker oder Geldeintreiber – und nicht an die Polizei. Weil er sich dadurch bedroht fühlte, habe er die Tür aufgemacht, sofort geschossen und wieder zugeschlossen. Die Gaspistole habe er sich zu seinem Schutz zugelegt. Auch die Beamten des Sondereinsatzkommandos will der 40-Jährige erst später als Polizisten wahrgenommen haben. „Mir tut alles sehr leid“, sagte er zum Schluss.

Der Mann muss jetzt dauerhaft in ein psychiatrisches Krankenhaus

Der Psychiater Dr. Felix Segmiller attestierte dem 40-Jährigen eine „paranoide Schizophrenie mit einer wahnhaften Verkennung der Realität“. Zur Tatzeit sei er schuldunfähig gewesen. Die 1. Strafkammer unter Vorsitz von Christian Grimmeisen folgte der Einschätzung des Gutachters, sodass eine Bestrafung nicht möglich war. Das Gericht ordnete die dauerhafte Unterbringung des 40-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Es bestehe Wiederholungsgefahr, der Angeschuldigte sei potenziell eine Gefahr für die Allgemeinheit. Der 40-Jährige wird nach Rechtskraft des Urteils in der Psychiatrie behandelt. Sein Zustand wird regelmäßig überprüft, ob er wieder entlassen werden kann.

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