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Igel-Fußball in Augsburg

29.11.2015

Mit Igel "Fußball" gespielt: Warum der Angeklagte keine Strafe bekommt

Ein Mann soll einen Igel als Fußball missbraucht haben.
Bild: dpa/Archiv

Einen Igel als Fußball missbraucht: Weil das Tier qualvoll verendete, stand ein Mann vor Gericht. Warum er am Ende keine Strafe bekam.

Fußball mit einem Igel gespielt: Genau das sollen zwei Männer in einer Oktobernacht vorigen Jahres getan haben? Fakt ist: Der Igel starb. „Wir haben den verendete Igel am Tatort festgestellt“, sagt ein Polizeibeamter als Zeuge vor Gericht. „Er hat im Todeskampf seine Körperflüssigkeiten verloren, lag in seinem Urin.“

Vor dem Amtsgericht sitzt am Freitag ein türkischstämmiger Deutscher, 49 Jahre alt. Angeklagt ist er, weil er mit seinem Begleiter den Igel an der Dieselbrücke in Oberhausen mehrfach als Fußball hin und her gekickt haben soll. „Sie haben Doppelpass gespielt“, sagt der Polizist.

Der 49-Jährige ist wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angeklagt. Doch das Problem in dem Prozess ist: Sein Begleiter in jener Nacht, ein Bulgare, ist für die Justiz nicht greifbar. Auch ein wichtiger Zeuge, der Fahrgast eines Taxis, das zur Tatzeit vorbei fuhr, ist nicht mehr aufzutreiben. Einziger weiterer Zeuge: Der Taxifahrer, der zwar mehrere Tritte gegen den Igel gesehen haben will, aber nicht mehr weiß, ob beide Männer getreten haben oder nur einer.

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Igel als Fußball: Gericht kann Fall nicht klären

Der Angeklagte beteuert seine Unschuld. Er sieht nicht ein, weshalb er vor Gericht erscheinen muss. Sein Kumpel habe nach dem Igel getreten, das stimme. Er selbst habe aber nichts getan. Er habe das Tier nur mit dem Fuß in Richtung eines Grünstreifens geschoben – zum Schutz des Igels. Er habe zu seinem Kumpel damals auch noch gesagt: „Das darfst du nicht machen. Hier ist Deutschland, hier ist das verboten.“

Der Taxifahrer schildert das anders. Als er die Männer auf ihr Verhalten angesprochen habe, habe er nur eine Drohung als Antwort bekommen: „Wenn du keine Probleme haben willst, fährst du weiter.“ Weil der Fall – auch wegen fehlender Zeugen – vor Gericht aber nicht mehr zu klären ist, stellt Richterin Elke Betghe das Verfahren schließlich ein. jöh

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Die Diskussion ist geschlossen.

01.12.2015

Vor unserer Justiz kann man Angst bekommen, denn wie viel Beweise/Aussagen werden nocht benötigt, um diese brutalen und abgestumpften Männer zu verurteilen? Der Tierschutz ist bei uns im Grundgesetz verankert und trotz allem, werden Grausamkeiten gegenüber hilflosen Mitgeschöpfen entweder erst gar nicht, oder wenn überhaupt, seitens der Gerichte viel zu lasch gehandhabt. Es ist ein Problem, was auf uns vermehrt zukommen wird, denn Menschen mit fremden Wurzeln sind anders erzogen, haben andere Lebensgewohnheiten und sehen leider viel zu oft nicht, dass ein Tier auch Angst und Schmerz empfindet. Ein Tier ist in vielen Ländern einfach NUR ein Tier und so wird es auch behandelt. Man weiß zwar, dass es in Deutschland verboten ist, ignoriert diese Tatsache einfach, weil ja immer genügend Beweise vorliegen müssen. Wie in diesem Fall - und man geht leer aus. Wie toll, dann kann man ähnliche Dinge ja wiederholen, denn im ehemaigen Heimatland ist so etwas an der Tagesordnung, da regt sich Keiner auf.

Meine Frage, die vielleicht (hoffentlich auch die Richterin gestellt hat) ist, warum hat der Angeklagte nicht eingegriffen und den Igel frühzeitig gerettet? In meinen Augen alles Lüge und ein verkommener Charakter!

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01.12.2015

schade, daß tiere, fühlende wesen immer noch als sache behandelt werden und ihnen keine gefühle und schmerzen zugestanden werden

arme gesellschaft

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30.11.2015

Wenn der Angeklagte zu seinem Kumpel sagte: "Das darfst Du hier nicht machen. Hier ist Deutschland, hier ist das verboten." interpretiere ich daraus, dass es ihm "eigentlich" egal gewesen wäre, dass der andere (und wenn der Zeuge Recht hat auch er) mit dem Igel Fußball gespielt hat, wenn das nicht in Deutschland statt gefunden hätte.

Ist eine derartige Haltung nicht genauso zu hinterfragen, die darauf deuten lässt, dass es dem Beschuldigten in seinem Heimatland nichts ausgemacht hätte das Tierchen grausam zu quälen, da so etwas für ihn nur in Deutschland verboten ist?

Auch vor diesem Hintergrund stellt sich mir die Frage, warum der Taxifahrer nicht als Zeuge akzeptiert wird.

Das Problem für die Richterin ist, dass Aussage gegen Ausage steht. Es ist letztendlich schon erstaunlich, dass es überhaupt zu einer Verhandlung kam.

Das dürfte nur der Richterin zu verdanken sein, die tatsächlich kaum Möglichkeiten hatte, weil die Rechtsprechung nun mal ist, wie sie ist. Aber sie hat wenigstens eine Verhandlung anberaumt. Das ist mehr als andernorts geschieht!

Ich war Zeuge, als eine Frau ungebremst und zügig auf einige Tauben (Stadttauben) in einer sehr schmalen Stichstraße (Schrittempo vorgeschrieben) zufuhr. Sie hätte bremsen können, tat es aber nicht. Eine Taube konnte nicht mehr rechtzeitig auffliegen. Ich hob sie zwar direkt auf, sie starb aber in meinen Händen. Die Fahrerin reagierte sehr gewöhnlich auf meine Ansprache und Vorwurf.

Meine Anzeige schaffte es nicht einmal, einem Richter überhaupt vorgelegt zu werden, weil die Polizeidienststelle/Staatsanwaltschaft dies ablehnte, da Aussage gegen Aussage stand.

Ärgerte mich zwar (obwohl ich so etwas schon ahnte), aber diese Person hat hoffentlich kapiert, wie man sich Tieren gegenüber zu verhalten hat. Sie musste mindestens solange bangen, bis die Mitteilung der Niederschlagung meiner Anzeige kam.

In diesem Fall bedeutet das mindestens, dass dieser Mann (und auch der nicht mehr aufzufindende zweite Beschuldigte), so er beteiligt war, es sich hoffentlich beim nächsten Mal sehr gut überlegt, wie er zumindest in Deutschland mit einem Tier umzugehen hat.

Zumindest hat er vor Gericht gestanden. Das ist keine angenehme Situation, wenn es für ihn auch besser ausging als er es evtl. verdient hat.

Aber: er musste erscheinen! Deshalb bin ich der Meinung, dass die Richterin, Frau Betghe mehr getan hat, als andere evtl. getan hätten. Ihr wird mit Sicherheit von Anfang an klar gewesen sein, dass es für eine Verurteilung nicht reichen wird. Trotzdem hat sie das Verfahren "durchgezogen".

Also von meiner Seite: Danke Frau Betghe! Würden alle Richter so verfahren, wäre das auch wirkungsvoll. Wer steht schon gerne vor Gericht mit der Option verurteilt zu werden. Sicher auch vermutliche Tierquäler nicht.

Es war eine kleine Lektion, auch wenn das arme Igelchen davon gar nichts mehr hat.

Diese Abartigkeit, mit einem fühlenden Lebewesen Fußball zu spielen ist einfach nur widerlich und zeugt nicht von Emphatie, gar Gewissen für bzw. zu irgendetwas.

Nicht umsonst werden z.B. in Kalifornien Tierquäler massiv bestraft, weil der Schritt hin zum Quälen, gar töten von Menschen, gem. wissenschaftlicher Erkenntnisse, leider nur klein ist.

Noch eine Anmerkung erlaube ich mir an die Kommentatoren, die zu Recht ärgerlich sind: ich hoffe sehr, dass Sie alle mindestens Vegetarier sind. Warum? Weil in der Massentierhaltung, bei Tiertransporten und letztendlich im Schlachthaus täglich Tiere unter ähnlich grausamen Qualen sterben. Sie haben (bis auf Spanferkelchen, Kälbchen und Küken) leider nicht den Niedlichfaktor eines Igels und keiner hilft ihnen oder denkt gar an sie (ja, ich weiß, es gibt Ausnahmen), wenn sie ihr Martyrium erleiden.

Auch für diese Tiere wünsche ich mir dieses Engagement und Gefühl, dann würde sich sehr schnell sehr vieles ändern.

Danke, sollte mein Kommentar veröffentlicht werden.

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30.11.2015

(Verstoß NUB 7.2)

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29.11.2015

Reicht den der Taxifahrer als Zeuge nicht aus, ist er den so Unglaubwürdig!,(Verstoß NUB 7.2/edit)

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30.11.2015

Richtig. Warum reicht die Aussage von dem Taxifahrer, der Zeuge der grausamen Tat war an dem Igele, nicht? ?Dürfen manche Menschen sich alles erlauben? Tierschutz? Der Angeklagte muss eine Strafe bekommen damit er kapiert dass es ein lebendes, hilfloses Tier ist. Kinder und Tiere sind unsere Schutzbefohlenen. Wir haben haben Angst um unsere Kinder und unsere Tiere. Hat das Gericht keine Kinder oder Tiere??

Fam. Heimerl,

Kinder Michaela, Amelie und Nico,

Wir alle arbeiten ehrenamtlich im Tierschutz.

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27.11.2015

Wer in dem Alter noch solche "Jugendstreiche" macht, gehört nicht vor Gericht sondern direkt in die Geschlossene. Sollte der einen Führerschein haben, wäre eine MPU auch zwingend notwendig, denn solche Leute kann man doch nicht am öffentlichen Verkehr teilnehmen lassen wenn man als Fußgänger schon solche Dinge macht. Das nächste mal fährt er womöglich ein Kind um weil es im Weg stand. Was für Assis.

(edit/ Nub. 7.3)

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30.11.2015

Das ist so grausam. Das kleine wehrlose Igele. (Verstoß Nutzungsbedingungen 7.2/edit) Warum bekommt der Angeklagte keine Strafe für die grausame Tierqüalerei keine Strafe? Oder muss in die Geschlossene? Der Taxifahrer reicht doch als Zeuge. (Verstoß NUB 7.2)


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27.11.2015

(Verstoß NUB 7.2/edit), und wir kommen dann mit Tierschutz für einen Igel. Wahrscheinlich lachen sie sich über uns tot.

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27.11.2015

(Verstoß NUB 7.2/edit)

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27.11.2015

Typisch für die Gesellschaft: Tiere sind Dreck, nur Sachen, mit denen man auch Fußball spielen kann. Wo bleiben da die Grünen, die sich schrecklich empören ?

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27.11.2015

Der Meinung bin ich auch.Heute ist es noch ein Igel,morgen vielleicht ein kleines Kind?

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