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08.07.2010

Mit dem Ochsenkarren in die Zukunft

Peter Baumgartl (2. von rechts) wurde von Obmann Engelbert Mayer, Klaus Hess (stellvertretender Schatzmeister des Kleingärtner-Stadtverbandes Augsburg) und OB Kurt Gribl (von links) zum Ehrenobmann der Gartenanlage Lindauer Straße ernannt. Die Anlage feierte jetzt ihren 75. Geburtstag. Foto: Peter Fastl
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Peter Baumgartl (2. von rechts) wurde von Obmann Engelbert Mayer, Klaus Hess (stellvertretender Schatzmeister des Kleingärtner-Stadtverbandes Augsburg) und OB Kurt Gribl (von links) zum Ehrenobmann der Gartenanlage Lindauer Straße ernannt. Die Anlage feierte jetzt ihren 75. Geburtstag. Foto: Peter Fastl
Bild: Peter Fastl

Göggingen Kleingärtner Günther Herdin ist sich sicher: "Unser starker Zusammenhalt unterscheidet uns von anderen Gartenanlagen." Seit 1993 hat er selbst einen Garten in der Anlage Lindauer Straße, die jetzt ihr 75. Jubiläum feierte. Nach etlichen Tagen, die er im Stadtarchiv verbracht und nach der Geschichte der Kleingartenanlage gesucht hatte, blickte er noch einmal auf die Anfänge zurück.

"Zu Beginn befand sich die Gartenanlage noch in der Nähe des Wittelsbacher Parks", erinnerte sich der 68-Jährige. Als aber die Stadt 1935 ein Aufmarschgelände um die Anlage herum errichten wollte, mussten die Gärten verschwinden. Als Ersatz stellte die Stadt Augsburg die Lehmgrube der ehemaligen Ziegelei Weiß an der Lindauer Straße zur Verfügung. "Damals mussten die Kleingärtner ihre Gartenhäuschen, teilweise komplett mit Handwagen und Ochsenkarren zu der neuen Anlage transportieren", erzählt Herdin.

Mit den 60ern kommt Strom

Während des Zweiten Weltkriegs sei die Wasserleitung durch Bombenanschläge stark beschädigt worden, so der 68-Jährige weiter. Erst 1950 wurde diese wieder komplett hergestellt.

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Ein paar Jahre später mussten 30 von den insgesamt 245 Gärten der Errichtung einer Zugwaschanlage weichen. "Allerdings wurden dafür nördlich in Richtung Anna-Hintermayr-Stift und südlich in Richtung Eichleitnerstraße neue Schrebergärten errichtet", erinnerte sich Herdin.

In den 60er-Jahren wurde die Anlage erstmals mit Strom versorgt. "Das wurde aber nicht von allen gern gesehen", weiß Hobbygärtner Herdin. Viele seien der Meinung gewesen, der Garten sei ein Aufenthaltsort, in dem man abschalten und einfach die Natur genießen solle.

Nach der Eingemeindung Göggingens zur Stadt Augsburg musste, da es im Stadtteil bereits eine Lindauer Straße gab, auch der Name der Anlage geändert werden. Seither besteht die Bezeichnung Kleingartenanlage Lindauer Straße an der Unterfeldstraße.

"1970 entstand das neue Anlagenheim "Lindauer Stüble", in dessen Nebenraum sich damals unser Theaterverein ,Rettich-Bühne' gegründet hat", sagte Herdin. Im Dezember habe der mittlerweile fest etablierte Verein seine 40. Aufführung.

Auch eine Goldmedaille kann die Gartenanlage bereits ihr Eigen nennen. 1988 wurde sie für die Beteiligung am Bundeswettbewerb für Gärten und Städtebau ausgezeichnet. Weitere Besonderheiten der Gärten an der Unterfeldstraße sind auch der 1992 angelegte Biotop sowie die Fotovoltaikanlage, die bayernweit einzigartig in einer Kleingartenanlage ist. "Vor zwei Jahren überschattete dann ein schlimmes Ereignis unsere Gemeinschaft", sagte Herdin. Acht Gartenhäuser waren durch das Hantieren mit Gasflaschen abgebrannt. Ein halbes Jahr später starb einer der Kleingärtner an den Folgen schwerer Verbrennungen.

75-Jährige wurden geehrt

Besonders für ihre vielen Feste ist die Kleingartenanlage bekannt. "Wir feiern immer", erklärte Herdin lachend. Egal ob die Mai- und Kinderfeste, Faschingsbälle oder Erntedankfeste - die Kleingärtner lassen sich nicht lumpen, jedes Jahr aufs Neue ihre Traditionsfeiern zu organisieren. Außerdem pflegt der Gartenverein den Kontakt mit den Menschen aus dem Anna-Hintermayr-Stift. Auch auf der 75-Jahr-Feier, auf der Herdin die Historie der Gartenanlage mit lustigen Einlagen noch einmal Revue passieren ließ, gab es für die Gäste wieder ein volles Programm. "Der Oberbürgermeister war da und alle Kleingärtner, die 75 Jahre alt sind, wurden geehrt", so der Gärtner. "Durch diese Veranstaltungen wird die Gemeinschaft über das Gartenleben hinaus zusammengeschweißt."

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