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Augsburg

27.09.2018

Mit diesen Vorurteilen haben bisexuelle Menschen zu kämpfen

Die 26-jährige Fabienne Kündgen studiert Jura und ist Vorsitzende des Augsburger Vereins "Queerbeet".
Bild: Dorina Pascher

Fabienne ist 26, Studentin - und bisexuell. Sie wird oft mit Vorurteilen zu ihrer Bisexualität konfrontiert. Höchste Zeit, diese Klischees aus dem Weg zu räumen.

Wer mit der Heterosexualität bricht, der ist vielen Vorurteilen ausgesetzt. Das bekommen insbesondere Menschen zu spüren, die sich sowohl von Männern wie von Frauen angezogen fühlen. Bisexualität ist immer noch ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft. In den Medien ist es kaum präsent - und Vorbehalte bleiben bestehen.

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Die 26-jährige Studentin Fabienne Kündgen ist bisexuell. Als Vorsitzende des Augsburger Vereins "Queerbeet" befasst sie sich täglich mit Themen rund um Geschlecht und sexuelle Orientierung. In dem Verband engagieren sich viele junge homosexuelle Menschen. Fabienne ist eine der Wenigen bei "Queerbeet", die sich als bisexuell outet. Daher ist es ihr wichtig, mit Ressentiments gegenüber ihrer sexuelle Orientierung aus dem Weg zu räumen.

Vorurteil 1: Bisexualität ist eine Phase

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Gerade wenn junge Menschen sich als bisexuell outen, heißt es häufiger: Er oder sie will experimentieren oder Homosexualität ausprobieren. Doch Bisexualität ist keine Phase, betont Fabienne. Als sie sich mit 18 Jahren outete, war die Augsburger Studentin mit diesem Vorurteil konfrontiert. Die Geschlechtsidentität kann sich im Laufe des Lebens wandeln. Doch das gilt gleichermaßen für hetero- und homosexuelle – nicht nur für bisexuelle Menschen. Daher ist es falsch grundsätzlich anzunehmen, Bisexualität sei eine Phase.

Vorurteil 2: Bisexuelle sind auf dem Weg, homosexuell zu werden

"Und wann kommt dein zweites Outing als Lesbe?" Fabienne kann Sätze wie diesen nicht mehr hören. Immer wieder hört sie den Vorwurf, dass sie "auf dem Weg" sei, eine Lesbe zu werden. "Aber ich wollte Männer nie ausschließen." Die 26-Jährige hatte sowohl Beziehungen mit Frauen als auch mit Männern. Welches Geschlecht der Mensch hat, den Fabienne anziehend findet, ist egal. "Es kommt mir viel mehr auf die Art des Menschen an", sagt die Jura-Studentin. Der Mythos, Bisexualität würde nicht existieren, ist aus ihrer Sicht falsch. Das Problem sei, dass die Medien bisexuelle Menschen kaum oder falsch wiedergegeben. Auch engagieren sie sich weniger stark in Vereinen wie homosexuelle Menschen. "Bisexuelle sind unsichtbar", fasst Fabienne das Problem zusammen. "Darum werden sie oft von anderen nicht ernst genommen."

Fabienne Kündgen erklärt, mit welchen Vorurteilen sie als bisexuelle Person konfrontiert ist.
Video: Dorina Pascher

Vorurteil 3: Bisexuelle Menschen leben nicht monogam

Es ist das Vorurteil, mit dem Fabienne am häufigsten konfrontiert ist. Gerade potentielle Partner und Partnerinnen befürchten, dass bisexuelle Menschen in der Beziehung fremdgehen. "Man muss ihnen regelrecht die Angst nehmen", sagt die Augsburgerin. Nur weil sich prinzipiell die Zahl der Sexualpartner verdoppelt, bedeute das nicht, dass bisexuelle Menschen nicht monogam leben. Daher sei es wichtig, dem Partner zu vermitteln: "Ich finde dich toll und habe kein Interesse an einer anderen Person", sagt Fabienne.

Vorurteil 4: Bisexuelle Menschen sind sexsüchtig

Prinzipiell ist es bisexuellen Menschen egal, ob sie mit Männern oder Frauen schlafen. Doch Fabienne betont: Nur weil sich prinzipiell die Zahl der Sexualpartner verdoppelt, wollen Bisexuelle nicht mehr Sex haben als heterosexuelle Menschen. Häufig wird sie mit dem Klischee konfrontiert, dass nur ein "Dreier", Sex mit einer Frau und einem Mann gleichzeitig, sie befriedigen könne. Doch das ist "Nonsens", sagt die Studentin: "Mir fehlt nichts, wenn ich mit einer Person schlafe."

Vorurteil 5: Bisexuelle Menschen wollen mit ihrem Verhalten Aufmerksamkeit erzielen

Fabienne ist genervt von der Annahme, dass bisexuelle Menschen durch ihr Verhalten Aufmerksamkeit suchen. Nur weil Bisexuelle beide Geschlechter anziehend finden, sei das kein Schrei nach Beachtung. Fabienne: "Ich trage keine T-Shirts, auf denen steht: Ich bin bisexuell." Aber wenn jemand nach ihrer sexuellen Orientierung fragt, will sie ehrlich sein. Auch wenn das bedeutet, dass sie mit vielen Vorurteilen wegen ihrer Bisexualität konfrontiert ist.

Der Augsburger Verein "Queerbeet" engagiert sich für schwule, lesbische, bisexuelle, transsexuelle Jugendliche im Alter von 14 bis 27 Jahren. "Queerbeet" veranstaltet jeden Donnerstag um 19 Uhr einen Gruppenabend in der Schaezlerstraße 36 in Augsburg. Mehr Informationen gibt es auf www.queerbeet-augsburg.de.

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