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03.03.2009

Mit zu viel Promille in den Tod

Es ist das selbe Ritual. Wochenende für Wochenende. Junge Leute feiern bis spät in die Nacht in den Klubs und Discos der Stadt. Danach fahren sie mit dem Taxi an den Stadtrand, weichen so den Polizeistreifen aus - und dann geht's mit dem Auto zurück nach Hause. Viel zu oft mit Alkohol im Blut. "Das ist ein Problem", sagt ein Kenner der Polizeiarbeit. Und Konrad Stangl, der Chef der Verkehrspolizei beim Augsburger Polizeipräsidium,bestätigt: "Alkohol gehört nach wie vor zu den häufigsten Unfallursachen."

Die Schattenseiten des nächtlichen Party-Tourismus

Die gestern veröffentliche Unfallbilanz für 2008 zeigt die Schattenseiten des nächtlichen Party-Tourismus. Fünf Personen starben im vergangenen Jahr in Augsburg durch Unfälle, bei denen zu viel Alkohol im Spiel war. Besonders tragisch: Der Unfall auf der B 17 im Juni vergangenen Jahres, bei dem vier junge Menschen aus Diedorf ums Leben kommen. Sie sind auf dem Heimweg von einem Besuch der Königstherme und wollen noch zu einer Party gehen. Doch der alkoholisierte Fahrer (25) eines Cabrios fährt zu schnell in einen Baustellenbereich, verliert die Kontrolle über das Auto, stößt mit einem entgegenkommenden Wagen zusammen und prallt gegen eine Lärmschutzwand.

"Dieser Unfall gehört sicher zu den Schlimmsten der vergangenen Jahre", meint Vize-Polizeipräsident Hans Schiedermeier. Kalt lässt die Polizisten aber keiner der Unfälle, auch nicht die weniger spektakulären. Hinter jedem Toten in der Verkehrsbilanz verberge sich schließlich ein Mensch "der morgens aus dem Haus geht und abends nicht wieder kommt."

Mit zu viel Promille in den Tod

Im Stadtgebiet von Augsburg stagniert die Zahl der Toten und Verletzten seit längerer Zeit. Verletzt werden im Straßenverkehr jährlich rund 1600 Menschen. Die Zahl der Toten bewegt sich im einstelligen Bereich, zuletzt waren es sieben. Zufriedengeben will sich die Polizei damit nicht. "Wir arbeiten daran, dass es noch weniger werden", sagt Konrad Stangl. Die Polizisten besuchen sogar schon Kindergärten, um den Verkehrsteilnehmern von Morgen richtiges Verhalten beizubringen. Auch nachts tritt die Polizei bewusst offensiv auf. Beispiel: Bei Kontrollen im Umfeld von Discotheken werden die Gäste häufig im Partytempel mit Durchsagen gewarnt. Wenn der Polizei dann weniger Alkoholsünder ins Netz gehen, ärgert das die Beamten nicht. "Im Gegenteil: Wir sind froh über jeden, der sich an die Regeln hält." Neben Alkohol ist in über 20 Prozent aller Fälle auch zu hohes Tempo schuld, wenn es kracht. Stangl verteidigt deshalb die Kontrollen: "Uns geht es nie um Abzocke, sondern um Sicherheit." Dass vor Blitzern meist schon nach kurzer Zeit im Radio gewarnt wird, stört den Chef der Verkehrspolizei nicht. "Dann fahren die Leute an dieser Stelle wenigstens langsam", meint er mit einem Lächeln. "Und wir sind oft sowieso schon an einer anderen Stelle."

Der steigende Anteil älterer, teils mangelhafter Autos spielt in der Statistik keine Rolle. "Wir hatten keinen einzigen Fall, bei dem es wegen technischer Mängel zu einem Unfall kam", sagt Stangl. "Der Knackpunkt schlechthin ist und bleibt der Mensch." "Bayern Seite 4

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