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01.08.2017

Mitreißende „Steinflut“

Eine rote Spur in den Schweizer Alpen: die Land-Art-Installation „Steinflut“ (großes Bild) von Alfred und Eka Bradler (kleines Bild).
Bild: Lorenz Bäuerle/Uptitle Productions

Land Art Alfred und Eka Bradler aus Ulm haben mit ihrem spektakulären Projekt in der Schweiz große Aufmerksamkeit erregt. Nun ist es sogar Teil eines renommierten Kunst-Festivals

Ulm/Sils Man muss gar nicht auf den Berg steigen, um sich von der „Steinflut“ beeindrucken zu lassen. Es geht auch vom Silsersee aus, wie der Künstler Alfred Bradler berichtet: „Die Bootsführer der Fähren tun in der Mitte ein bisschen langsam, damit sich die Leute das ansehen und fotografieren können.“ Dass das überhaupt noch möglich ist, können Bradler und seine Frau und Arbeitspartnerin Eka als Erfolg verbuchen.

Denn eigentlich sollte die „Steinflut“, eine Land-Art-Installation am Fuße des 3165 Meter hohen Piz Lagrev bei Sils im Schweizer Oberengadin, längst wieder abgebaut sein. Im Juni legte das Ulmer Künstlerehepaar los und befestigte eigenhändig rund 1500 dünne rote Stoffdecken auf den Felsbrocken einer 4000 Hektar großen Geröllhalde. Von unten betrachtet sollte so der Eindruck eines roten Stroms zum Tal hin entstehen. Eine Knochenarbeit, wie sich der aus Österreich stammende Alfred Bradler, Jahrgang 1942, erinnert. „Wir haben jeden Tag 700 Kilogramm Steine mit den Händen bewegt.“ Drei Wochen lang. Davon hatten die Bradlers zwei Jahre gebraucht, um die nötigen Genehmigungen einzuholen. Das alles für ein Projekt, das ursprünglich nur zweieinhalb Wochen laufen sollte – bis 9. Juli.

Doch es kam anders. Noch während der Bauarbeiten überbrachte die örtliche Tourismus-Beauftragte eine Nachricht aus dem Gemeinderat: Die „Steinflut“ dürfe auf jeden Fall bis Mitte August bleiben. „Darauf hatten wir still gehofft“, so Bradler. Das Duo ist ein wenig stolz, auch die Einheimischen überzeugt zu haben. „Die Engadiner können stur und streng sein“, sagt der in der Region Ulm für seine „Sapri“-Figuren bekannte Künstler. Er habe aber gespürt, dass sich die Menschen in der Region mit dem Werk identifizierten. Das sei für ihn entscheidend: „Wir haben es für die Menschen dort gemacht, von Anfang an.“

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Zwischenzeitlich ist die „Steinflut“ – benannt nach einem Buch des Schweizer Autors Franz Hohler – zu weiteren Ehren gekommen. Denn die Installation am Berg gehört nun zum Programm des „St. Moritz Art Masters“, kurz SAM. Das Festival präsentiert jedes Jahr in der letzten Augustwoche Kunst an teils ungewöhnlichen Orten, etwa in Hotels und Kirchen, aber auch unter freiem Himmel. Unter den für 2017 ausgewählten Künstler, die zumeist von ihren Galerien präsentiert werden, befinden sich auch internationale Kunststars wie Pipilotti Rist, Peter Lindbergh und David Hockney. „Das ist die Umgebung, die zu uns passt“, sagt Bradler und lacht. Offenbar war es SAM-Direktor Philipp Noller, der die Installation entdeckte, für gut befand und in das Festivalprogramm aufnahm.

Geld bringt das den Bradlers freilich nicht, nur Aufmerksamkeit. Denn die Besichtigung der „Steinflut“, die nun bis September am Piz Lagrev bleiben wird, kostet keinen Eintritt. Dabei hätte das Duo ein wenig Geld gut brauchen können, wie Alfred Bradler zugibt: „Wir haben unseren Etat etwas überzogen.“ Das Projekt wurde aus eigenen Mitteln und mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren realisiert. Dazu hat Bradler Ölbilder mit „gemalten Interpretationen“ des Themas geschaffen, die in einer Galerie im Oberengadiner Dorf Maloja ausgestellt und verkauft werden.

Anfang September reist das Künstler-Ehepaar wieder nach Sils – zum Abbau. Vier bis fünf Tage werde es dauern, die Decken von den Felsbrocken zu entfernen, schätzt Alfred Bradler. Ist das dann der endgültige Abschied von der „Steinflut“? Nicht unbedingt. Denn wie der Künstler erzählt, gebe es weitere Interessenten für das Projekt.

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