1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Modeladen in der Innenstadt muss nach 67 Jahren schließen

Augsburg

05.07.2019

Modeladen in der Innenstadt muss nach 67 Jahren schließen

Chic Damenmoden in der Maxpassage schließt spätestens Ende September. Für Christine Schirra, Brigitte Weng und die Chefin Manuela Aicher-Martin (von links) endet dann die gemeinsame Zeit.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Der Modeladen „Chic“ in der Maxpassage in Augsburg schließt nach 67 Jahren. Der Grund ist banal, gibt aber dennoch zu denken.

In der Umkleide des Modeladens "Chic" in der Maxpassage steht eine ältere Dame und probiert eine Hose. Weil sie in der Länge nicht optimal passt, ist die Kundin von dem Modestück noch nicht ganz überzeugt. Deshalb steckt die Verkäuferin rasch die Hosenbeine ein Stück nach oben, damit man sehen kann, wie die Hose nach einer Änderung wirken würde. Jetzt ist die Kundin zufrieden.

"Chic Damenmode" schließt nach 67 Jahren

Eine Szene, wie sie bei "Chic Damenmode" 67 Jahre lang immer wieder zu beobachten war: Kunden werden in dem kleinen Laden persönlich und individuell beraten. Spätestens Ende September ist damit aber Schluss. Denn dann sperrt Inhaberin Manuela Aicher-Martin ihren Laden endgültig zu.

„Ich gehe in den wohlverdienten Ruhestand und habe keinen Nachfolger gefunden“, erklärt sie ihren Entschluss. Es ist nahezu der gleiche Beweggrund wie vor wenigen Monaten bei der Strumpfecke. Das Geschäft sei schwieriger geworden, der Kunde anspruchsvoller und das Einkaufsverhalten habe sich geändert, nennt Aicher-Martin Gründe, warum es offenbar schwierig ist, ohne intensivste Recherche und Überredungskunst einen Nachfolger für ein Modegeschäft zu finden – obwohl es sich in der Maxpassage mit Schaufenster zum Fuggerplatz in einer guten Einkaufslage befindet. „Für meine Stammkunden tut es mir wirklich sehr leid“, sagt Aicher-Martin. Aber irgendwann müsse einmal Schluss sein. Vor 67 Jahren hatte ihre Mutter das Geschäft gegründet, seit 50 Jahren steht Aicher-Martin selbst als Chefin sechs Tage die Woche im Laden, besucht Messen und kümmert sich um Bestellungen. „Es hat immer Spaß gemacht, es war eine tolle Zeit, aber jetzt kommt etwas anderes“, fasst sie zusammen. Vor allem freut sie sich, künftig mehr Zeit mit der Familie und den Enkeln verbringen zu können. Was aus den Ladenflächen werden wird, weiß sie nicht. „Es gibt offenbar schon Anfragen, aber etwas Konkretes steht noch nicht fest“, erzählt sie.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Fachverkäuferin mit Leib und Seele

Und was passiert mit ihren beiden Angestellten? Während eine von ihnen das Aus des Geschäfts als Anlass für eine persönliche Pause versteht, braucht Fachverkäuferin Brigitte Weng einen Job. „Am liebsten wäre mir natürlich ein Laden, bei dem ich wieder direkt am Kunden beraten und mein Fachwissen einbringen kann“, sagt sie. Ein Job bei einer Billigmodekette, wo das Personal häufig nur zum Ein- und Ausräumen gebraucht wird, wäre nichts für sie.

Zu finden sind Inhaber geführte Modeläden in Augsburg, bei denen der Fokus wie bei „Chic“ auf einer persönlichen Beziehung zum Kunden liegt, durchaus noch. Aber es werden weniger, bedauert Aicher-Martin. Dennoch hält sie an ihrem Entschluss, das Geschäft aufzugeben, fest. „Sie können einen solchen Laden nur ganz oder gar nicht machen. Und ich bin an einem Punkt angekommen, wo ich mich schweren Herzens für gar nicht entschieden habe.“

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren