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Augsburg

31.01.2019

Modelleisenbahn-Welt in Augsburg entsteht aus Trümmern neu

Winfried Schechinger und Oskar Sellner (von links) von der Modelleisenbahn-Gemeinschaft Miga wollen eine spektakuläre Vereinsanlage wieder aufbauen. Der Tunnel auf dem Foto gehört zu einer Spur 1-Strecke, die im Bau ist.
Bild: Annette Zoepf

Die Augsburger Miga hat eine der spektakulärsten Vereinsanlagen in Süddeutschland verloren. Jetzt ist ein Neuanfang geschafft. Doch der Preis dafür ist hoch.

Bei Oskar Sellner und seinen Modelleisenbahnfreunden herrschte bis vor kurzem Weltuntergangsstimmung. Ihre Eisenbahnwelt lag in Trümmern, weil der Verein Miga in seinem bisherigen Domizil an der Firnhaberstraße eine Kündigung bekommen hatte und ausziehen musste. Es war das Ende einer der größten und vielfältigsten Vereinsanlagen, die es bis dahin in Süddeutschland zu sehen gab. Doch nun sieht man bei der Modellbahn-Interessengemeinschaft Augsburg (Miga) wieder Licht am Horizont.

Die Probleme des kleinen Vereins waren im vergangenen Jahr so groß, dass er vor dem Aus stand. Über Jahrzehnte hatten die Mitglieder in einem alten angemieteten Bahngebäude an der Firnhaberstraße getüftelt und gebastelt. Dort entstand eine riesige Miniaturwelt für Eisenbahnen auf mehreren Stockwerken mit 2500 Quadratmetern Fläche und rund 500 Modellzügen. Jahrelang sorgte sie bei Tausenden Besuchern für Staunen und Faszination. Besonders gefragt waren beim Publikum die gemeinsamen Öffnungstage des Vereins zusammen mit dem historischen Bahnpark nebenan auf dem Gelände.

Lange fand die Miga keine bezahlbare Bleibe

Eigentümerin des Miga-Gebäudes war bis dahin die Deutsche Bahn. Doch die verkaufte die Immobilie und kündigte damit auch das Vereinsdomizil. Das hatte für die Miga dramatische Folgen. Trotz intensiver Suche konnte der Vorstand lange keine neue bezahlbare Bleibe finden. Hintergrund war, dass die Mieten auf dem Markt für Gewerbeimmobilien steigen. Und dann stellte sich auch noch heraus, dass der allergrößte Teil der bisherigen Modelleisenbahn-Anlage verschrottet werden musste. „Sie war der ganze Stolz des Vereins“, sagt Vorsitzender Winfried Schechinger. Doch die komplexe Konstruktion konnte aus dem bestehenden Gebäude nicht mehr ausgebaut werden, ohne sie zu zerstören.

Zwar liegt die alte Eisenbahnwelt unrettbar in Trümmern. Trotzdem sieht Schechinger seit Januar wieder Licht am Horizont. Nach langer Suche hat er ein neues Domizil für die Modelleisenbahner gefunden. „Das war sehr schwierig“, sagt er. Der neue Standort musste viele Vorgaben erfüllen. Er sollte groß genug sein, aber auch bezahlbar. Dazu solle er eine gute Zufahrt und Parkplätze für Besucher haben. Fündig wurde Schechinger im Stadtteil Lechhausen, in den Räumen eines früheren Möbelhauses an der Zusamstraße 9. Dort soll nun eine neue attraktive Eisenbahnwelt entstehen.

In einem ehemaligen Möbelhaus bauen die Modelleisenbahnfreunde der Miga nach ihrem Umzug aus dem alten Domizil ihre Modelleisenbahnwelten wieder auf. Ein Baustellenbesuch in Bildern.
22 Bilder
Wie die neue Modelleisenbahnwelt der Miga entsteht
Bild: Annette Zoepf

Aber auch dieses Vorhaben ist für die Miga eine große Herausforderung. Aktuell richtet sich der Verein in den neuen Räumen ein. Dort steht deutlich weniger Platz zur Verfügung als bisher. „Wir müssen uns auf rund 400 Quadratmeter verkleinern“, sagt Schechinger. Miga-Mitglied Oskar Sellner ist aber schon mit großem Einsatz am Basteln, um eine neue Eisenbahnwelt entstehen zu lassen.

Es soll einen Rangierbahnhof geben

Geplant ist, im Parterre eine neue Spur-1-Anlage für die größeren Bahnen zu modellieren. Für dieses Projekt konnten einige Teile von der Firnhaberstraße in die Zusamstraße hinübergerettet werden, wie Unterbau, Technik und etwa 80 Bahnen von Vereinsmitgliedern. Oskar Sellner baut nun aber eine rund 100 Meter lange Eisenbahnstrecke mit Minilandschaft neu zusammen. Dabei hat er viel zu tun. So soll es eine Haupt- und Nebenstrecke für die Züge geben.

Sie wird in einer heimischen Hügellandschaft mit Wäldern, Wiesen und Feldern verlaufen, vorbei an einem Biergarten, durch einen Tunnel und über Brücken. Auch mehrere Bahnhöfe werden an der Strecke liegen. Das Herzstück der Spur-1-Bahn wird im Inneren des Ovals liegen: ein Rangierbahnhof mit Schiebebühne, Drehscheibe und Parkgleis für die Loks.

Auch für das Untergeschoss in der Zusamstraße gibt es Pläne. Dort sind jetzt schon viele Schaustücke aus dem großen Modellbahnbestand in Vitrinen zu sehen, angefangen von der Mini-Dampflok aus der Nachkriegszeit bis hin zu modernen ICE-Zügen und Nahverkehrsbahnen. Künftig soll dort eine neue Anlage für H0-Bahnen entstehen. „Wir sind aber noch ganz am Anfang“, sagt Schechinger.

Bis die neuen Eisenbahnwelten der Miga fertig sind, wird es dauern

Er geht davon aus, dass etwa zwei Jahre Arbeit nötig sein werden, um an der Zusamstraße neue Eisenbahnwelten zu erschaffen. Ein Teilbereich soll voraussichtlich bis zum Herbst fertig sein und Besuchern mit einem Tag der offenen Tür vorgestellt werden. Eisenbahnfans können sich aber jetzt schon in den neuen Räumen umsehen, etwa bei den regelmäßigen Vereinstreffen oder auch nach telefonischer Vereinbarung.

Bei der Miga hofft man sehr auf neue Mitstreiter. Denn zuletzt stand der kleine Verein vor einer Zerreißprobe. In Zusammenhang mit dem Umzug und Neuanfang gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedern. Auch der Vereinsbeitrag muste deutlich erhöht werden, laut Schechinger von 10 auf 40 Euro monatlich. Das sei nötig gewesen, um die Miete in den neuen Räumen zu finanzieren, sagt er. Dieser Schritt hatte aber auch fatale Folgen. Der Verein verlor nach Angaben des Vorsitzenden rund die Hälfte seiner Mitglieder. Aktuell seien es noch 31, sagt Schechinger. „Jetzt suchen wir nach neuen Interessenten, die sich am Wiederaufbau beteiligen.“

Öffnung Die Miga hat am neuen Standort der Zusamstraße 9 jeden Dienstag ab 17 Uhr Vereinstreffen, bei denen Besucher willkommen sind. Termine für Besichtigungen können vereinbart werden, wenn demnächst der Internetauftritt des Vereins mit allen Infos aktualisiert wird.

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