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Augsburg

09.01.2018

Modelleisenbahn-Welt liegt in Trümmern

Ein Bild des Jammers: Martin Schratt zeigt die Teile der riesigen Modelleisenbahn-Anlage des Augsburger Vereins Miga, die jetzt abgebaut und zerlegt werden muss. Ob künftig wenigstens noch Teile der Eisenbahnwelt zu sehen sein werden, hängt davon ab, ob der kleine Verein eine neue Bleibe findet.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Augsburger Miga hatte eine der spektakulärsten Vereinsanlagen in Süddeutschland. Nun muss sie abgebaut werden. Eine neue Halle wird verzweifelt gesucht

Bei Martin Schratt und seinen Modelleisenbahnfreunden herrscht Weltuntergangsstimmung. Bislang hatte die Modellbahn Interessengemeinschaft Augsburg (Miga) eine der größten und vielfältigsten Vereinsanlagen, die es in Süddeutschland zu sehen gibt. Nun liegt die riesige Eisenbahnwelt in Trümmern. Sie muss abgebaut und dabei in Stücke zerlegt werden, so dass man sie wohl nie mehr in ihrer heutigen Form zusammenfügen kann. Im schlimmsten Fall droht der Anlage und dem Verein sogar das komplette Aus.

Hintergrund ist, dass die Miga ausziehen muss. Sie hatte ihr Domizil in einem alten Bahngebäude an der Firnhaberstraße, und zwar im ehemaligen Schmierstofflager des alten Bahnbetriebswerkes. Dort hatten die Modelleisenbahner über Jahrzehnte hinweg getüftelt und gebastelt. So entstand eine riesige Miniaturwelt für Eisenbahnen auf mehreren Stockwerken mit 2500 Quadratmetern Fläche und 500 Modellzügen. Über die Jahre hinweg sorgte die Anlage bei Tausenden Besuchern für Staunen und Faszination. Besonders gefragt waren beim Publikum die gemeinsamen Öffnungstage mit dem historischen Bahnpark gleich nebenan.

Doch mittlerweile hat die Deutsche Bahn das Gebäude mit dem Vereinssitz der Miga verkauft. Im November 2015 endete das Bieterverfahren laut DB mit einem „marktüblichen Preis“. 2016 fand die Übergabe der Immobilie an den Käufer statt. Die Miga war nur Mieter. Sie muss nun ausziehen und alle Einbauten entfernen. Die Übergangsregelung, wonach man ein Jahr Zeit zum Umzug habe, sei fair, betonen die Vorstandsmitglieder. „Aber Ende August müssen wir raus, das ist für uns die endgültige Deadline“, sagt Martin Schratt.

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Hallen sind teuer

Das große Problem ist, dass der kleine Verein bislang keine neue Bleibe finden konnte. Man habe lange und intensiv nach einem neuen Domizil gesucht, sagen die Vorstandsmitglieder. Zwar gebe es viele Gewerbehallen in Augsburg. Wegen der aktuellen Lage auf dem Immobilienmarkt sei aber auch die Miete für Gewerbebauten teuer und für den Verein nicht bezahlbar. Die Miga hat nur etwa 50 Mitglieder. Die meisten von ihnen sind Rentner. Sie zahlen einen Monatsbeitrag von 15 Euro. „Eine starke Erhöhung der Beiträge ist nicht machbar“, sagt Schratt. „Das könnten sich die meisten von uns finanziell nicht leisten.“

Die Uhr für den Umzug tickt. Deshalb sucht der Vereinsvorstand zunehmend verzweifelt nach einem neuen Mietobjekt. Die neue Halle müsse etwa 600 bis 1000 Quadratmeter groß, beheizbar und belüftbar und möglichst auch verkehrsgünstig gelegen sagt, sagt Schratt. Die Miga könne allerdings nur etwa 500 Euro Miete plus Strom und Heizung zahlen. Darüber hinaus müsse das Gebäude auch längerfristig zur Verfügung stehen.

Anlage wird zerlegt

Derzeit wird die weitläufige Anlage an der Firnhaberstraße Stück für Stück abgebaut und für den Abtransport verpackt. Sie ist vollgestopft mit analoger und digitaler Technik. Allein ein originaler Stelltisch aus früheren Bahnbeständen, mit dem Modellzüge gesteuert werden, wiegt Tonnen. Es gibt beispielsweise auch zwei komplette Zugabteile der Deutschen Bahn in Originalgröße. „Wir können die Teile nicht so einfach auseinanderschrauben und woanders wieder aufbauen“, sagen die Modelleisenbahner. Viele aufwendig hergestellte Details seien nicht mehr zu retten.

Die Frage ist nun, ob und wo die Modelleisenbahnwelt wenigstens in Teilen wieder aufgebaut werden kann. Schratt und seine Mitstreiter hoffen noch auf ein Wunder. Das wäre für sie, wenn sie doch noch eine passende Halle mit einem geringen Mietpreis finden könnten. Die Stimmung im Verein ist bereits sehr gedrückt. Es gebe inzwischen nur noch sehr wenige Mitglieder, die sich aktiv engagieren wollen, sagt der Vorstand. Auch die Zeiten, in denen Modelleisenbahnen viele Menschen begeistert hätten, seien vorbei. „Wenn wir kein anderes Gebäude finden, müssen wir unseren Verein auflösen“, kündigt Vorsitzender Winfried Schechinger an. Das wäre dann das Ende der Miga nach insgesamt 70 Jahren Vereinsgeschichte.

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