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14.03.2009

Mönchs-Chor will nun Augsburg meiden

Andreas Hug ist entsetzt. Er leitet den Männerchor der 7000-Seelen-Ortschaft Königsbronn in Baden-Württemberg. Damit, dass sein Laienchor einmal den Zorn der berühmten Mönche von Stift Heiligenkreuz im Wienerwald auf sich ziehen könnte, hätte er nie gerechnet. Seit einigen Jahren tritt sein Chor ab und zu auch in Mönchsgewändern auf und singt gregorianische Choräle. Bislang immer mit großem Zuspruch. Nun jedoch sieht er sich und seine Männer durch den Wirbel um ein Konzert in Augsburg (AZ berichtete) in ein schlechtes Licht gerückt. Eigentlich sollte sein Chor am 28. März in der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche in Augsburg singen.

Doch dann meldeten sich die Zisterzienser-Mönche aus dem Wienerwald in einem Brief zu Wort und beklagten sich darüber, dass mit ihrem Namen "abkassiert" werde. Die österreichischen Mönche, die mit ihrer CD "Chant - Music for Paradise" international Erfolge feierten, ärgerten sich über die Art der Ankündigung des Konzerts. Ihr Vorwurf: Konzertveranstalter Roland Halbauer habe die Texte bewusst so verfasst, dass der Eindruck entstand, die echten Mönch-"Stars" würden nach Augsburg kommen. Nach dem Wirbel ist das Konzert zwischenzeitlich abgesagt.

Jetzt wird auf Kutten verzichtet

Und jetzt sind nicht nur die echten Mönche aus Heiligenkreuz auf den Konzertmanager sauer, sondern auch die "falschen" Ordensmänner aus Königsbronn, die für den Chorabend in Augsburg gebucht waren. Sie hätten nicht geahnt, "mit welchen Mitteln für dieses Konzert geworben wird", sagt Andreas Hug. Der Text der Werbung sei "irreführend" gewesen, die Fotos dazu hätten "irgendwelche verhüllten Gestalten" gezeigt und nicht ihren Chor, so Hug. "Die Aufregung um das Konzert können wir verstehen."

Mönchs-Chor will nun Augsburg meiden

Eigentlich habe sich sein Chor auf einen schönen Konzertabend in Augsburg gefreut. "Wir haben extra für diesen Auftritt Sonderproben durchgeführt; wir haben keine Chorgage verlangt, nur die Reisekosten für den Bus." Mönche seien die Mitglieder des Männerchores zwar nicht. Was sie machten, sei aber trotz allem seriös. "Wir singen alte gregorianische Messen", sagt Hug. "Es handelt sich hierbei um keinen esoterischen Schwachsinn."

Den Vorwurf des "esoterischen Schwachsinns" hatte der Heiligenkreuzer Zisterzienser-Pater Karl Wallner erhoben, der im Oktober 2008 sogar bei "Wetten, dass ..?" auf dem Sofa saß. Um Augsburg macht der Chor, der Mönchskutten nach Vorlagen aus dem schwäbischen Kloster Oberschönenfeld (Landkreis Augsburg) besitzt, nun erst einmal einen großen Bogen. Die Sänger bleiben lieber zu Hause.

"Wir werden das Konzert in Königsbronn aufführen", sagt Hug. Seine Kutten will der Chor dazu nicht anziehen, sondern ganz normale, festliche Kleidung. "Echte Männer im echten Anzug", meint der Chorleiter augenzwinkernd. Immerhin: Den Humor hat er bei all der Aufregung nicht verloren.

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