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Augsburg

21.05.2019

Montessori-Kinderhaus: Die Küken sind los

Emely und Noah streicheln zwei der 39 neuen Bewohner des Montessori-Kinder-hauses, deren Geburt sie miterlebt haben.
Bild: Elisabeth Rebel

Im Montessori-Kinderhaus erleben die Kinder gerade ein besonderes Projekt. 21 Tage haben die Kinder darauf gewartet, dass Leben aus 54 Eiern schlüpft.

Die Aufregung ist groß an diesem Morgen. „Da, das erste Ei hat schon einen Riss“, ruft ein Mädchen durch den Flur. Vor dem Brutschrank stehen Eltern und Kinder und schauen interessiert, was im Innern vor sich geht. Und auch ein paar Meter weiter in der Sonnengruppe ist das große Thema: „Die Küken schlüpfen.“ Seit 21 Tagen warten die Buben und Mädchen aus den Kindergarten und Krippengruppen auf den großen Moment.

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Elisabeth Rebel sitzt ganz ruhig am Tisch ihrer Gruppe und freut sich einfach über die frohe Aufregung im Montessori Kinderhaus in der Henisiusstraße. Die Kinderpflegerin, in deren Garten Hühner leben, hatte das Projekt ins Leben gerufen. Genau genommen war es ihre Tochter Emely. „Wir haben vor drei Jahren im Radio gehört, dass man Eier ausbrüten kann, das wollte Emely auch machen“, erinnert sich Elisabeth Rebel. Also bauten sie einen Brutkasten, besorgten Eier vom Züchter und legten los. Nach 21 Tagen schlüpften im Wohnzimmer vier Küken. Emely war fasziniert, wie Leben in einem Ei entsteht. Und bei Elisabeth Rebel war eine Idee geboren: Warum dies nicht auch den Buben und Mädchen im Kinderhaus zeigen? Was im Wohnzimmer möglich ist, müsste doch auch im Kinderhaus funktionieren, dachte sie sich und stieß bei der Kinderhausleitung sofort auf offene Ohren.

Wo eine Schautafel hängt

Brutkästen wurden angeschafft, in der Sonnengruppe aufgestellt und Eier vom Züchter besorgt. Im Frühjahr 2018 wurde zum ersten Mal gebrütet. Und weil die Kinder und Eltern so begeistert waren, gibt es auch heuer wieder ein Kükenprojekt – allerdings steht der Brutschrank heuer im Flur, sodass noch mehr Kinder und Eltern an dem Projekt teilhaben können. Dort hängt auch eine Schautafel mit den Entwicklungsstadien eines Kükens an der Wand und auf einer Fensterbank liegen Spiele und Bücher zum Thema Ei, mit denen sich die Kinder nach Lust und Laune beschäftigen können.

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70 Hühner- und Wachteleier hat Elisabeth Rebel heuer von einem Bauern und einem Züchter geschenkt bekommen. „Die Kinder gehen ganz behutsam mit den Eiern um. Sie helfen auch gerne beim Eierdrehen“, sagt die Kinderpflegerin. Damit ein Küken nicht an der Eihaut festwächst, muss das Ei regelmäßig bewegt werden. Im Gegensatz zu den Eiern, die die Kinder aus dem Kühlschrank kennen, sind diese warm und wiegen mehr.

Durchleuchten der Eier heißt Schieren

Und auch beim sogenannten Schieren, dem Durchleuchten der Eier, haben die Kinder gerne mitgemacht und gestaunt, als sie dabei plötzlich in 54 Eiern einen roten Punkt und rote Linien schimmern sahen: Den Embryo und die Blutgefäße. So wussten sie: 54 Eier waren befruchtet.

Und die Kinder lernen durch das Projekt noch viel mehr: Etwa, dass ein Huhn fast jeden Tag ein Ei legt. Was der Unterschied zwischen unbefruchteten und befruchteten Eiern ist. Dass es immer einen Hahn und eine Henne braucht, damit ein Küken entsteht. Wie sich ein Küken aus einem Embryo entwickelt. Und natürlich lernen sie auch Verantwortung zu übernehmen, sich zu kümmern, behutsam zu sein.

Während Elisabeth Rebel erzählt, kommen ein paar Mädchen aus ihrer Gruppe zu ihr und fragen „Dürfen wir noch mal zu den Küken schauen?“ Wenig später stehen sie vor der Brutvitrine und beobachten, was geschieht. Erst sitzt ein Küken zwischen den Eiern, am nächsten Tag sitzen schon lauter flauschige Federbälle in den Brutkästen. Auf dem Balkon des Kinderhauses stehen schon die Ställe, in denen die 39 Küken noch ein bis zwei Wochen wohnen und von den Kindern beobachtet werden. Dann ziehen sie auf den Bauernhof um, auf dem ihre Eltern leben.

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