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Augsburg

08.02.2015

Mordfall Bögerl: Der rätselhafte Zeuge aus Augsburg

Durchsuchungen wie hier in Heidenheim, DNA-Tests - doch immer noch ist der Mordfall Bögerl ungelöst. Nun hat sich ein rätselhafter Zeuge gemeldet, der früher in Augsburg lebte.
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Durchsuchungen wie hier in Heidenheim, DNA-Tests - doch immer noch ist der Mordfall Bögerl ungelöst. Nun hat sich ein rätselhafter Zeuge gemeldet, der früher in Augsburg lebte.
Bild: Stefan Puchner/Archiv (dpa)

Ein Mann behauptet, er kenne die Mörder der Heidenheimer Bankiersgattin Maria Bögerl. Ist das der Durchbruch? In Augsburg, wo der Zeuge früher lebte, ist man skeptisch.

Der Mord an der Bankiersgatttin Maria Bögerl in Heidenheim ist einer der rätselhaftesten Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Die zweifache Mutter wurde vor fast fünf Jahren entführt und umgebracht. Bis heute ist unklar, wer hinter der Tat steckt. Nun hat sich ein neuer Zeuge gemeldet, der behauptet, die Mörder zu kennen. Nach Informationen unserer Zeitung hat der Mann längere Zeit in Augsburg gelebt. Hier läuft derzeit zudem ein Strafverfahren wegen Untreue gegen ihn.

Der angebliche Zeuge hat sich vor wenigen Tagen über die Bildzeitung zu Wort gemeldet. Er sagt, es seien zwei Täter gewesen, die am 12. Mai 2010 die Ehefrau von Thomas Bögerl, dem Vorstandschef der Kreissparkasse Heidenheim, aus dem Wohnhaus der Familie entführten und sie später ermordeten. Zunächst hatten die Täter per Telefon Lösegeld gefordert, doch die Übergabe scheiterte. Die an der Autobahn A 7 deponierten 300000 Euro wurden nie abgeholt. Drei Wochen später fand man die Leiche der Frau in einem Waldstück ganz in der Nähe.

Der Zeuge behauptet jetzt: Einer der Täter sei ein eine sogenannte vertrauliche Person der Polizei. Dabei handelt es sich in der Regel um Personen aus dem Kriminellenmilieu, welche die Ermittler mit Informationen versorgen. Zudem, so seine Darstellung, sei die Polizei damals gewarnt gewesen. Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Ellwangen will man die Aussagen des Zeugen noch nicht bewerten. Ein Sprecher sagt, die Sache werde geprüft.

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Haben die Täter einen Bezug zu Augsburg?

Bringt der Zeuge jetzt den späten Durchbruch in den festgefahrenen Ermittlungen? Und könnten die Täter womöglich einen Bezug zum Raum Augsburg haben? Spricht man mit Ermittlern in Augsburg, die den Mann kennen, dann ist allerdings wenig Euphorie zu spüren. Er sei, so die Einschätzung, doch eher ein notorischer Betrüger. Und seine Glaubwürdigkeit sei dementsprechend. Nach Informationen unserer Zeitung lebte der Mann früher im Augsburger Antonsviertel. Er soll die Familie seiner damaligen Ehefrau um Geld betrogen haben, die Rede ist von einem fünfstelligen Eurobetrag. Später setzte er sich dann offenbar nach Südamerika ab. Die Augsburger Staatsanwaltschaft suchte den Mann per Haftbefehl. Ende vorigen Jahres wurde er schließlich von Beamten des Bundeskriminalamts von Südamerika aus über die Niederlande nach Deutschland gebracht.

In Augsburg saß der Mann allerdings nur wenige Wochen im Gefängnis in der Karmelitengasse. Im Januar ließ der für den Fall zuständige Amtsrichter ihn bereits wieder frei. Der Richter erkannte keinen ausreichenden Tatverdacht, um den Mann weiter in Untersuchungshaft zu halten. Nach eigenen Angaben hält sich der Mann derzeit in der Niederlanden auf – und bietet sich von dort aus jetzt als Zeuge an. Er fordert im Gegenzug ein Entgegenkommen in dem Untreue-Verfahren, das gegen ihn weiterhin läuft. Doch darauf will man sich bei der Staatsanwaltschaft in Augsburg ganz offensichtlich nicht einlassen. Sein Augsburger Rechtsanwalt Ralf Schönauer sagt, er habe Kontakt zu dem Mann, könne aber nichts über dessen Aufenthaltsort sagen. Aus Ermittlerkreisen heißt es, der Zeuge habe sich 2010, als Maria Bögerl entführt wurde, bereits in Südamerika aufgehalten.

Polizei geht davon aus, dass Täter aus der Nähe von Heidenheim stammen

Bei der Kripo geht man bisher davon aus, dass der oder die Täter aus der Nähe von Heidenheim stammen. Ein Erpresser hatte sich damals am Telefon mit „Schmid“ gemeldet, sprach schwäbischen Dialekt und verwendete die Formulierung „machen Sie keine Sperenzchen“. Der Fall Bögerl ist besonders tragisch. Im Zuge der Ermittlungen geriet auch Ehemann Thomas Bögerl zeitweise in Verdacht – zu Unrecht. Er nahm sich im Juli 2011 das Leben. Gründe für seinen Freitod nannte er im Abschiedsbrief nicht.

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