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Augsburg

24.04.2015

Mordfall Bögerl: Wie glaubwürdig ist der Zeuge aus Augsburg?

Ein ungeklärter Fall: Die Heidenheimer Bankiersgattin Maria Bögerl wurde 2010 entführt und ermordet. Doch die Aussagen eines Augsburger Zeugen führen nicht allzu weit.
Bild: Polizei (dpa)

Ein Zeuge behauptet, er kenne die Mörder der Heidenheimer Bankiersgattin Maria Bögerl. Die Kripo ermittelt. Doch was steckt wirklich dahinter?

Der Hinweis des 46-jährigen Mannes aus Augsburg ist eine von 10.156 Spuren in einem rätselhaften Mordfall, der seit fünf Jahren ungeklärt ist. Im Mai 2010 wurde die Heidenheimer Bankiersgattin Maria Bögerl entführt und ermordet. Bis heute ermittelt die dortige Kripo vergeblich in dem Fall.

Augsburger Zeuge: Täter haben Mord im Gefängnis geplant

Zuletzt sorgte im Februar die Aussage des Mannes aus Augsburg für Aufsehen. Er behauptete, die Täter zu kennen. Die Ermittler gingen auch dieser Spur nach – doch sie sind skeptisch, dass sie den Durchbruch bringen wird.

Zwei Mal wurde der 46-Jährige inzwischen von den Ermittlern vernommen. Er berichtete unter anderem, dass die Entführung von Kriminellen aus dem Gefängnis heraus geplant worden sei. Das habe er, als er selbst hinter Gittern saß, mitbekommen. Die Täter hätten – mithilfe des Gefängnispersonals – auch mit Handys telefonieren können. Mobiltelefone sind normalerweise in Haftanstalten tabu.

Aussagen waren vielleicht nur ein großer Bluff

Die Ermittler nahmen die Hinweise zumindest so ernst, dass sie danach die Wohnung eines Mannes durchsuchten, den der neue Zeuge als angeblichen Mittäter benannte. Ein Fehlschlag: In der Wohnung fanden die Beamten nichts, das sie weiterführte.

Noch wird die neue Spur aber nicht zu den Akten gelegt. Es liefen noch „Umfeldermittlungen“, heißt es bei der Staatsanwaltschaft in Ellwangen. Doch offenbar ist die Hoffnung der Ermittler nicht mehr allzu groß, dass man dank des Augsburgers doch noch Maria Bögerls Mörder überführen kann.

Waren die Aussagen des 46-Jährigen womöglich nur ein großer Bluff? Zumindest bei Polizei und Justiz in Augsburg hält man das für gut möglich. Hier sieht man ihn, so die Aussage eines Ermittlers, als einen „notorischen Betrüger“. Was die Ermittler zudem kritisch sehen: Zuerst offenbarte der Mann seine Hinweise nicht den Behörden, sondern der Bild-Zeitung.

Augsburger Zeuge steht wohl bald selbst vor Gericht

In Augsburg muss sich der angebliche Mord-Zeuge womöglich bald selbst vor Gericht verantworten. Gegen ihn liegt eine Anklage wegen Betrugs und Untreue vor. Er soll in den Jahren 2007 bis 2009, damals lebte er im Antonsviertel, Freunden und Verwandten mit falschen Versprechungen Geld abgenommen haben.

In der Anklage ist von über 150.000 Euro die Rede. Ursprünglich hatte sich der 46-Jährige einen Deal mit den Behörden erhofft. Für seine Aussage im Fall Bögerl wollte er einen Strafrabatt im eigenen Verfahren. Doch einen solchen Handel lehnte man bei der Augsburger Staatsanwaltschaft kategorisch ab.

Ob es zum Strafprozess gegen den 46-Jährigen kommt, wird sich wohl bald entscheiden. Der Amtsrichter prüft derzeit die Anklage – er kann sie zulassen oder aber mangels Tatverdachts ablehnen. Im Januar hatte der Richter, weil er die Vorwürfe zumindest anzweifelt, den 46-Jährigen bereits aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der Augsburger hatte zuletzt offenbar mehrere Jahre in Südamerika gelebt. Ende vorigen Jahres wurde er von Beamten des Bundeskriminalamts von dort aus über die Niederlande nach Deutschland gebracht.

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