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Augsburg

31.07.2018

Mordversuch an junger Frau: Das erzählt ein Ersthelfer

Die Mitarbeiterin eines Pflegedienstes war beruflich zu Besuch im Schuberthof. Plötzlich wurde sie von einem Mann angegriffen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Nicht nur die Notoperation, sondern wohl auch der mutige Einsatz von Ersthelfern hat der 25-Jährigen das Leben gerettet. Sie war von einem Mann angegriffen worden.

Anwohner und Nachbarn des Schuberthofs sind nach der Bluttat an einer jungen Frau am Sonntagmorgen immer noch entsetzt. Wie berichtet, hatte ein Mann die 25 Jahre alte Mitarbeiterin eines Pflegedienstes auf offener Straße mit einem scharfen Gegenstand attackiert und sie schwer am Hals verletzt. Die Frau wurde in einer Notoperation am Klinikum gerettet. Der Tatverdächtige, ein 31-Jähriger aus dem Raum München, wurde später auf seiner Flucht im Ostallgäu festgenommen. Inzwischen gibt es ein paar neue Informationen zu dem Fall.

Der 31-Jährige, der des versuchten Mordes verdächtigt wird, sitzt derzeit in Haft. Warum offenbar er versucht hat, die 25-Jährige umzubringen, ist nun Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Eine Beziehungstat scheint nach derzeitigem Stand wohl eher unwahrscheinlich. Wie Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai gegenüber unserer Redaktion sagt, gebe es momentan keine Anhaltspunkte dafür, dass der Tatverdächtige und das Opfer sich kannten. Die 25-Jährige kam an dem Sonntagmorgen offenbar in den Schuberthof, um sich dort um einen Klienten beziehungsweise eine Klientin zu kümmern. Sie traf schon oft um sechs Uhr morgens mit dem Dienstauto des Pflegedienstes ein, erzählt Mark Dominik Hoppe, Geschäftsführer der Wohnbaugruppe Augsburg (WBG).

Mordversuch an Frau: Sie verliert viel Blut

Die WBG hat in dem Hof, der an Rosenau- und Schlettererstraße angrenzt, ihre Büros. Auch die Wohnungen gehören ihr. Man kennt seine Mieter im Schuberthof, sagt Hoppe. Die 25-Jährige wohne laut dem WBG-Geschäftsführer definitiv nicht dort, sondern war beruflich vor Ort. Möglicherweise ist es auch dem umsichtigen und schnellen Handeln von Anwohnern und Passanten zu verdanken, dass die 25-Jährige den Angriff überlebt hat. Augenzeugen zufolge seien am Sonntagmorgen aus dem Schuberthof plötzlich Hilfeschreie zu hören gewesen. Eine Anwohnerin sah am Fenster wie die Schwerverletzte panisch durch den Schuberthof lief, in ihr Handy sprach und immer wieder laut um Hilfe rief. Dann lief das Opfer offenbar raus auf die Schlettererstraße.

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Massive Blutspuren im Schuberthof und draußen auf der Straße lassen die Schwere der Verletzung nur erahnen. Bei der Polizei ging kurz nach sieben Uhr der Notruf ein, dass in der Schlettererstraße eine stark blutende Frau liegen würde. Als Polizei und Rettungskräfte eintrafen, kümmerten sich schon Ersthelfer um das Opfer.

Wie Mark Dominik Hoppe erzählt, hätten zwei Mieter einer Wohngemeinschaft im Schuberthof sofort eingegriffen, darunter eine Lehramtsstudentin. Die Hilfeschreie des Opfers hatten sie ebenfalls alarmiert. Der Schilderung zufolge haben die beiden am Hals der lebensgefährlich verletzten Frau einen Druckverband angelegt, um die Blutung zu stoppen. Auch der 24 Jahre alte Ikbal half mit. Er war von der Wohnung, in der er mit seiner Mutter und Schwester lebt, heruntergerannt. „Wir wussten alle erst gar nicht, was passiert war.“

Ikbal war an dem Sonntagmorgen so früh aufgestanden, weil er drei Stunden später mit Freunden in den Urlaub nach Abu Dhabi fliegen wollte. Dann hörte er, wie seine Mutter am Fenster stand und schrie. So wurde er auf die Notsituation aufmerksam. Aus seinem Auto holte er den Verbandskasten. Er überprüfte den Puls der jungen Frau und redete mit ihr, um sie bei Bewusstsein zu halten, schildert der junge Nachbar. Nach wenigen Minuten übernahmen die Rettungskräfte. Ihnen und der Polizei konnte die 25-Jährige noch sagen, dass sie gerade überfallen worden war.

In die Schrebergartenanlage wurde nachts zuvor angeblich eingebrochen

Warum hielt sich der Täter am frühen Sonntagmorgen am Schuberthof auf? Wieso attackierte er die junge Frau? Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Beschuldigten Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Mordes beantragt. Es ist nicht der einzige Vorwurf gegen den 31-Jährigen. Auf seiner Flucht mit dem gestohlenen Auto des Pflegedienstes hat er auf dem Gehweg in der Rosenaustraße noch einen 53-jährigen Fußgänger angefahren. Dieser erlitt leichte Verletzungen. Aus einer Garage in Langerringen im Kreis Augsburg soll er später ein weiteres Fahrzeug gestohlen haben.

Gegen Mittag wurde er von Zeugen in Großkitzighofen beobachtet, wie er mit einem Beil herumlief. Wenig später wurde er festgenommen. In der Schlettererstraße in Augsburg kursiert das Gerücht, dass der Tatverdächtige die Nacht zuvor in der Kleingartenanlage auf der Lotzbeckwiese verbracht haben könnte. Wie Ikbal erzählt, wurde in der Nacht dort in zwei Schrebergartenhütten eingebrochen. Eine gehöre seinen Nachbarn. „So etwas gab es vorher noch nie.“

Solchen und vielen anderen Hinweisen gehen jetzt die Ermittler nach. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich noch weitere Straftaten ansammeln könnten“, sagt Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. Gegenüber der Polizei habe sich der Mann zu den Vorwürfen geäußert, meint er. Letztendlich wird auch zu prüfen sein, ob der Verdächtige irgendwie psychisch angeschlagen und daher vielleicht nicht voll schuldfähig sein könnte. Für den 24-jährigen Ikbal und die anderen Ersthelfer war ihr schneller Einsatz offenbar selbstverständlich. „Ich wollte einfach nur schnell helfen.“ Diese Hilfsbereitschaft und Unerschrockenheit ist nicht immer gegeben. Ikbal berichtet, dass seine Mutter vom Fenster aus einen Mann im Anzug beobachtet hat, der sein Auto in der Schlettererstraße parkte, kurz zum Opfer schaute und dann in einem Haus verschwand.

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