1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Moskauer Weihnachtscircus darf nun doch sein Zelt aufbauen

Augsburg

23.11.2018

Moskauer Weihnachtscircus darf nun doch sein Zelt aufbauen

Michael Wagner, Pressesprecher des Moskauer Weihnachtscircus freut sich, dass nicht vergeblich plakatiert wurde.
Bild: Ina Marks

Wegen Problemen mit einer Genehmigung drohte das Zirkus-Gastspiel zu platzen. Dabei konnte der Zirkus nichts dafür. Nun gibt das Bauordnungsamt grünes Licht.

Das diesjährige Gastspiel des Moskauer Weihnachtscircus in Augsburg drohte kurzfristig an einer fehlenden Genehmigung zu platzen. Wie berichtet, beklagte die Zirkusfamilie Frank Probleme mit dem zuständigen Bauordnungsamt der Stadt. Doch am Freitag gab die Behörde grünes Licht.

Zirkusfamilie hat grünes Licht für Zeltaufbau

Die letzten Tage stecken der Familie Frank noch in den Knochen. Zirkuschef Nando Frank ist Diabetiker. Er sagt, die Sache habe ihn so aufgeregt, dass sein Zuckerspiegel sehr hoch war. Jetzt kommt der 51-Jährige zur Ruhe. Er freut sich. „Wir hätten niemals so schnell eine positive Nachricht erhalten, wenn die Augsburger Allgemeine nicht darüber berichtet hätte“, ist er überzeugt.

Seit Mai diesen Jahres hatten die Franks mit der Riedinger Park GbR den Vertrag unterzeichnet, dass sie Weihnachten auf dem Platz am Kesselhaus gastieren dürfen. So wie letztes Jahr auch. Für den Weihnachtscircus, der die wichtigste Veranstaltung für die Franks ist, wurden bereits im Frühjahr internationale Artisten gebucht. Doch vor ein paar Tagen sah es so aus, als ob der Zirkus kurz vor Beginn seine Zelte gar nicht aufstellen darf.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Lesen Sie dazu auch: Zirkusfamilie hat Angst, dass Gastspiel in Augsburg platzt

Anja und Nando Frank vom Moskauer Weihnachtscircus hatten Angst, dass das Gastspiel platzt. Im Hintergrund ist Schuhbecks Teatro-Zelt zu sehen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Gelände wurde an Zirkus und an das Teatro von Schuhbeck vermietet

Das eigentliche Problem war, dass der Grundstückseigentümer des Geländes dort zugleich einen Platz an das Teatro-Zelt von Alfons Schuhbeck vergeben hat. Davon wusste der Zirkus lange Zeit nichts. Nun wurde es eng auf dem Gelände an der Riedinger Straße. Das Teatro-Zelt bekam plötzlich den Platz, der dem Zirkus vertraglich zustand. Die Familie Frank erhielt dafür Ende Oktober einen Änderungsvertrag. In diesem wurde dem Zirkus ein anderer Standort auf dem Gelände zugeteilt. Für die Franks wäre das kein Problem gewesen. Für das Bauordnungsamt hingegen schon. Der Behörde kamen Bedenken, dass bei zwei Veranstaltungen auf dem Gelände an der Riedinger Straße die Sicherheit, was etwa Brandschutz und Fluchtwege anbelangt, nicht gewährleistet werden kann.

„Der Platz ist für zwei Zelte eigentlich nicht geeignet“, sagt Peter Sterz vom Bauordnungsamt. „Wenn einer zwei Mietverträge macht und die Leute ihrem Schicksal überlässt, ist das seltsam“, ergänzt der Leiter der Behörde mit Blick auf den Grundstückseigentümer Riedinger Park GbR. Das Schicksal der Franks sah bis vor kurzem wahrlich nicht rosig aus. Dabei waren sie die letzten, die für die Situation etwas konnten. Aber sie bekamen nun Probleme mit dem Bauordnungsamt. Wie Nando Frank und Zirkus-Sprecher Michael Wagner unserer Redaktion erzählten, zeigte sich die Behörde unkooperativ, mit ihnen nach einer Lösung zu suchen. Vielmehr habe man ihnen das Gefühl gegeben, ihr Gastspiel verhindern zu wollen.

Zirkusfamilie kämpft weiter für ihre Genehmigung

So habe ihnen ein Sachbearbeiter des Amtes signalisiert, dass ihm zwei Dinnershows in Augsburg sowieso schon genug seien und er im Falle einer Genehmigung diese nach hinten in den Bearbeitungsstapel schieben würde. Der Sachbearbeiter selbst widerspricht dem Vorwurf. Er habe dies nicht gesagt. Die Zirkusfamilie, die schon zum Teil mit Artisten angereist war, fürchtete jedoch um ihre Existenz. Ein Ausfall, sagte Zirkuschef Nando Frank, würde ihnen finanziell das Genick brechen. Seine Familie setzte nun alles daran, die Genehmigung zu bekommen.

Beim benachbarten MAN holten sich die Franks eine schriftliche Erlaubnis ein, einen Mitarbeiterparkplatz der Firma mit benutzen zu dürfen. Sie schauten, wo Löschwasser im Notfall herzubekommen ist und sie schafften es, innerhalb eines Tages am Katasteramt einen Lageplan vom Gelände zu erhalten. Auf dem wurden die Standorte des großen Zirkuszeltes und der kleinen Tierzelte mit erforderlichen Abstandsflächen zu benachbarten Gebäuden eingezeichnet. Die Franks legten den Plan der Berufsfeuerwehr vor, die bei dem Verfahren mit eingebunden ist. Diese sah letztendlich keine Probleme.

Die endgültige Entscheidung aber liegt bei der Stadt. „Nach dem das Antragsverfahren holprig lief, gibt es jetzt keine Genehmigungshindernisse von Seiten der Feuerwehr“, teilte Ordnungsreferent Dirk Wurm am Freitag mit. „Auf dieser Basis meinen wir, das kann man machen“, sagte auch Peter Sterz vom Bauordnungsamt. Sobald das Zirkuszelt stehe, müsse es nur noch abgenommen werden.

Die Franks können also mit dem Aufbau loslegen - und sich und ihre Artisten beruhigen.

Premiere ist am Freitag, 21. Dezember. Der Weihnachtscircus gastiert bis zum 6. Januar in Augsburg, Riediner Straße 26, bei der Rockfabrik.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

24.11.2018

Wahrscheinlich waren die jetzt mit Zirkus und Hüttendorf überlastet...

Permalink
23.11.2018

Ich habe nichts persönlich gegen die Schausteller, ich kenne sie auch gar nicht. Das möchte ich vorausschicken, damit niemand etwas "in den falschen Hals" bekommt.

Ich möchte dennoch dafür eintreten die Haltung von wilden Tieren für die Unterhaltung im Rahmen eines Zirkus gesetzlich zu verbieten.

In diesem Sinne kann die Stadt Augsburg einen legalen Zirkus sicherlich nicht verbieten und das ist im Rechtsstaat wohl auch gut so. Aber ich wünsche mir eine nüchterne Debatte über die Fakten und den Stand der Forschung. Tiere stellen sich in vielerlei Hinsicht als uns ebenbürtig dar, in der Art wie diese empfinden. Umgekehrt sind Wildtiere auch nicht für die Haltung durch den Menschen domestiziert, aus gutem Grund muss der Zoo Augsburg beispielsweise das Elefantenareal massiv ausbauen um in Zukunft überhaupt noch Elefanten halten zu dürfen, ähnlich andere Anlagen im Zoo.

Inzwischen haben 20 (!) andere EU Länder die Haltung von Tieren im Zirkus ganz oder teilweise verboten. Irren die sich alle?

Niemand will den Schaustellern persönlich etwas böses. Aber die können sich letztlich auch andere berufliche Betätigungen aussuchen. Die Tiere sind dort aber naturgemäß gegen ihren Willen. Wir müssen an alle denken, Mensch und Tier. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Permalink
24.11.2018

Danke für Ihren Beitrag! Das Thema muss man sachlich angehen...

Permalink
24.11.2018

Im Prinzip haben sie recht. Aber all diese Tiere, welche momentan im Zirkus oder den Zoo's sind, können nicht mehr ausgewildert werden und hätten bei einem Verbot meist keine artgerechte Haltung mehr. Einzig dürfte keine Neuanschaffung oder Aufzucht im Circus mehr stattfinden. Die meisten Tiere im Circus sind an das Leben und den Menschen, welche sie betreuen, gewöhnt und würden bei einer Änderung auch teilweise eingehen. Diesen Aspekt sollte man auch im Sinne der Tiere beachten.

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%2020181122_1070.tif
Kommentar

Ärger um Zirkus: So kann man mit Menschen nicht umgehen

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket