Newsticker
Johnson & Johnson verschiebt Einführung von Corona-Impfstoff in Europa

Mozart weg, Geld weg

Kommentar Von Rüdiger Heinze
10.11.2019

Plus Der erste Sündenfall der Deutschen Mozartgesellschaft war es, das Mozart-Autograf zu verkaufen. In den Jahren danach beging sie einen zweiten.

Vor 14 Tagen musste an dieser Stelle die Rede sein von einer unschönen Sache in Zusammenhang mit der Augsburger Galerie Noah, jetzt muss hier die Rede sein von einer unschönen Sache bei der Deutschen Mozart-Gesellschaft, Sitz Augsburg. Ihr ist etwas ideell und pekuniär Wertvolles verlustig gegangen.

In Kürze der Sachverhalt: 2001 zeigte die Mozart-Gesellschaft durchaus noch so etwas wie Bildungs-Eros und Besitzerstolz hinsichtlich eines in ihrem Eigentum befindlichen Mozart-Autographs: Als Faksimile gab sie die in Augsburg lagernden Mozart-Klavier-Variationen über „Ah, vous dirai-je Maman“ heraus. Edel und ansprechend.

Die Mozartgesellschaft wollte das Geld ursprünglich anlegen

Hernach sank die Verbundenheit mit dem Autograph beständig. Bis auf den Nullpunkt, bis man kurz vor Weihnachten 2008 nicht aus Augsburg, sondern aus Salzburg erfahren durfte, dass es für 300000 Euro den Besitzer wechselte – weg von der DMG, hin zur Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg. Perdu aller Besitzerstolz. Verbunden mit nicht nur städtischer Empörung sowie der Beruhigung gegenüber der seinerzeit kritisch nachfragenden Presse, dass die Mozart-Gesellschaft das eingenommene Geld anlegen wolle und nur die anfallenden Zinsen verwenden werde.

Da das Autograph – stillschweigend – verkauft worden war, erübrigte sich die Diskussion darüber, dass solcher Eigentum ja möglicherweise auch verpflichtet. Jene Intransparenz, die gerne und gewiss nicht immer zu Unrecht der Politik vorgeworfen wird, zeigte auch die DMG. Nachträglich festgestellter Sündenfall 1.

Jetzt gilt es, kleinere Brötchen zu backen

Im November 2019 aber folgt der nachträglich festgestellte Sündenfall 2: Nicht nur die Zinsen aus dem 300000-Euro-Kapital wurden in den vergangenen elf Jahren – entgegen der Ankündigung – ausgegeben, auch das Kapital selbst. Nun gilt es, kleinere Brötchen zu backen.

Tja, kleinere Brötchen.

Wie wohl hätte eine Familienmutter oder ein Familienvater vor elf Jahren gehandelt, als bei der DMG ansatzweise die Idee besprochen wurde, das Mozart-Autograph, diese Kronjuwelen, eventuell zu verkaufen? Die Familienmutter oder der Familienvater hätte damals wohl gesagt: Wir backen ab sofort und bis auf Weiteres erst mal kleinere Brötchen – und behalten den Familienbesitz zumindest so lange, so lange wir nicht ums schiere Überleben kämpfen müssen.

Nicht, dass an dieser Stelle behauptet werden soll, die 300 000 Euro seien nicht sinnvoll verwendet worden. Aber Fakt bleibt: Kleinere Brötchen hätte man schon eher backen können und müssen. Jetzt ist Mozart weg – und nach nur elf Jahren auch das Geld. Müsste eigentlich noch mal zu Empörung führen...

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren