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Augsburg

23.05.2013

Museen: Wer sammeln will, muss betteln

Für Ankäufe und Ausstellungen gibt es kaum noch öffentliche Gelder. Private Leihgeber und Spender sind unverzichtbar

Zu den Aufgaben eines Museums gehört es, eine Sammlung aufzubauen, sie zu erweitern und damit kulturelles Erbe zu bewahren. Für die meisten Häuser wird es aber immer schwieriger, diese Pflicht zu erfüllen: Das Geld ist zu knapp. Private Initiativen und Schenkungen spielen deshalb eine bedeutende Rolle, auch in Augsburg. Ein Überblick über die Zusammenhänge zwischen Geld, Kunsthandel und Mäzenatentum:

Finanzen Bei den Kunstsammlungen wurde der Ankaufsetat für alle sieben Häuser im Jahr 2009 von 30000 Euro auf null gestrichen. Die Stadt muss sparen. Beim Diözesanmuseum geht die Tendenz ebenfalls „gegen null“, das jüdische Kulturmuseum lebt „mit einem minimalen Etat von der Hand in den Mund“, wie es aus dem Stiftungsrat heißt. Auch für ein staatliches Haus wie das Textilmuseum sieht die Situation nicht besser aus: 3000 Euro stehen im Jahr für Neuanschaffungen zur Verfügung. Insgesamt stellt der Freistaat für seine 20 Museumshäuser jährlich 2,5 Millionen Euro.

Kunstmarkt Im internationalen Kunsthandel tauchen regelmäßig Objekte auf, die für Augsburg bedeutend sind – sei es, weil sie von einem hiesigen Meister gefertigt wurden oder weil sie ursprünglich aus Augsburger Besitz stammen. Da die Stadt einst eine Metropole der Gold- und Silberschmiede war, handelt es sich bei den angebotenen Arbeiten oft um Silberobjekte. Erfahren die Museen von solchen Auktionen, wird geprüft, ob es sinnvoll ist, das Stück zu kaufen. Lautet die Antwort ja, macht man sich auf die Suche nach Investoren.

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Freundeskreise Viele Museen haben Freundeskreise, die sie bei der Anschaffung neuer Sammlungsgegenstände unterstützen. Die Freunde der Kunstsammlungen zum Beispiel investierten vergangenes Jahr 140000 Euro in den Kauf eines Blutjaspis-Pokals, der um 1670 von Johann Daniel Mayer geschaffen wurde. „Eine solch hohe Summe führt uns natürlich an Grenzen“, sagt Freundeskreis-Vorsitzender Herbert Scheel. Die Mitglieder des Vereins hätten jedoch großes Interesse daran, Augsburger Kulturgüter in die Stadt zurückzuholen.

Mäzene Oft „landen“ Gemälde, Skulpturen und andere Objekte aus Privatbesitz in den Museen. „Es sind meist ältere Menschen, die sich entscheiden, ihren Nachlass in ein Museum zu geben“, sagt Kunstsammlungs-Chef Christof Trepesch. Kommt ein entsprechendes Angebot, werden die Objekte begutachtet – auch hier geht es darum, ob sie in die Sammlung passen. Ist dies der Fall, wird die Übergabe teils testamentarisch geregelt, teils gehen die Objekte als Schenkung oder Dauerleihgabe zu Lebzeiten des Stifters ins Museum. Der Augsburger Ehrenbürger Kurt F. Viermetz erwarb für das Maximilianmuseum 2012 das vergoldete Reiseservice eines Adeligen aus der Barockzeit, ähnliche Beispiele gibt es einige. Und: Auch ungebundene finanzielle Zuwendungen von Privatleuten kommen immer wieder vor.

Die Klee-Schau kostet 800000 Euro

Ausstellungen Nicht nur beim Aufbau einer Sammlung, auch bei Ausstellungsprojekten ist privates Engagement gefragt. Wieder liegt es am Geld, denn Sonderprojekte sind teuer. Ein Beispiel: Die Klee-Ausstellung, die Ende des Jahres im H2 im Glaspalast gezeigt wird, kostet die Kunstsammlungen 800000 Euro. Viele kleinere Schauen werden auch deshalb aus Privatbesitz bestückt. Bei den städtischen Museen waren dies zuletzt Hinterglasmalerei, Dürer-Grafiken und – aktuell im Schaezlerpalais – der Schmuck der Maharajas.

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